Euro 2008: Als Jogi Löw hinter der Glasscheibe rauchte
VON ANDREAS HARDT - zuletzt aktualisiert: 31.10.2009 - 17:10Hamburg (RPO). Wie gut, dass in der Schweiz kein generelles Rauchverbot in Fußballstadien besteht. Bundestrainer Joachim Löw hätte sonst das beste Spiel seiner Mannschaft bei der Europameisterschaft gar nicht sehen können, das nämlich, in dem sein Team in Basel trotz - oder wegen? - seiner Sperre Topfavorit Portugal im Viertelfinale eliminierte.
Statt am Spielfeldrand zu stehen und sein Team zu stellen, tigerte Löw unter dem Dach des St. Jakob-Parks in einer Loge herum. Er schwitzte nicht Blut, aber sichtbar Wasser und dampfte eine nach der anderen weg. Die Nerven.
Damit war es in diesem Jahr ohnehin nirgends so gut bestellt, möchte man denken. Der sensible Vierte Offizielle Damir Skomina verwies Löw und den Österreicher Josef Hickersberger in der 41. Minute der Vorrundenpartie gegen die Co-Gastgeber auf die Tribüne, weil "der fehlbare Trainer in Richtung seines österreichischen Kollegen beziehungsweise des Vierten Kollegen schrie". So die offizielle Begründung der Uefa. Die Nerven eben, auf allen Seiten.
Vizeeuropameister hinter Spanien kam am Ende für Löw und sein Team heraus. Kapitän Michael Ballack wurde damit bereits zum zehnten Mal nur Zweiter. Rekordverdächtig. Schon im Mai passierte ihm das im Champions-League-Finale mit Chelsea gegen Manchester United.
Man wird geehrt, auf die Tribüne gerufen. Offizielle klopfen einem mit bedauerndem Blick auf die Schulter, es gibt ein kleines Medaillchen um den Hals, und in Sichtweite bereiten sich die anderen schon auf Pokal, Konfettiregen und Schampusfontäne vor. Mann, hat der Ballack das satt. Da kann man nach dem Finale schon mal mit Oliver Bierhoff wegen eines Danke-Schön-Plakats aneinandergeraten. Die Nerven.
Später dann wirft Löw Kevin Kuranyi wegen Fahnenflucht aus dem Team und setzt Ballacks Kumpel Torsten Frings auf die Bank. Ballack gibt ein Interview über Löws Führungsstil und entschuldigt sich anschließend nach Anreise im Privatjet. Bleibt danach wie Frings im Team.
Nicht aber Berater Bernhard Peters. Der hatte während der EM Fitnessdefizite der deutschen Spieler angesprochen. Öffentlich. Also raus mit dem Besserwisser vom Hockey, den wollte man schließlich schon 2006 nicht beim DFB.
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