Jahresrückblick 2008: Als Klinsi zu den Bayern kam
VON TIM RÖHN - zuletzt aktualisiert: 22.12.2008 - 15:21Düsseldorf (RPO). Fußball-Deutschland konnte es kaum glauben, als der FC Bayern am 11. Januar eine der sensationellsten Sportnachrichten des Jahres verkündete: Jürgen Klinsmann wird unser neuer Trainer und damit Nachfolger des zum Saisonende scheidenden Ottmar Hitzfeld.
Sofort flammten die Diskussionen auf: Der ehemalige Bundestrainer passe überhaupt nicht zum Rekordmeister, sagten die einen. Von seinen Ideen könne das Aushängeschild des deutschen Fußballs nur profitieren, sagten die anderen.
Klar war jedenfalls sofort: Klinsmann, Wegbereiter des "Sommermärchens 2006" mit dem dritten Platz bei der WM im eigenen Land, wird beim FC Bayern eine Revolution einläuten. Der Verein muss eine fußballerische Identität bekommen, machte Klinsmann noch weit vor seinem Amtsantritt klar. Der FC Barcelona habe ja schließlich auch eine.
Ja, mit der Verpflichtung des Wahl-Kaliforniers, der mittlerweile in München lebt, bliesen die Bayern-Bosse zum Angriff auf die ganz Großen des europäischen Fußballs. Champions-League-Titel und nationale Erfolge im Vorbeigehen einheimsen – so soll das in den kommenden Jahren aussehen.
Als der neue Chefcoach zum 1. Juli seinen Dienst antrat, staunten einige nicht schlecht: Klinsmann hatte gleich sieben Assistenten im Gepäck – und ein paar Buddhas, die auf dem Vereinsgelände aufgestellt wurden. Weil sie den Energiefluss verbessern würden. Zwei Monate später waren sie wieder weg.
Wenn es nach einigen Fans gegangen wäre, würde auch Klinsmann mittlerweile nicht mehr an der Säbener Straße sein. Nach einem holprigen Saisonstart waren "Klinsmann raus"-Rufe durch die Münchner Allianz-Arena gehallt und die Kritiker hatten sich die Finger wund geschrieben. Das war Ende Oktober, und da hatte der Trainer noch nicht erkannt, dass zuviel Veränderung auch nicht gut ist.
Spaßfußball wollte er spielen lassen, lachen konnte aber nur die Konkurrenz, weil die Abwehrspieler so leicht auszuspielen waren. Klinsmann versuchte es mit etlichen System- und Spielerwechseln – und erkannte schließlich, dass vor seiner Zeit auch nicht alles schlecht war beim Rekordmeister.
Also ließ er wieder mit dem alten System und seinem neuen schnellen Spiel agieren und feierte prompt Erfolge. Souverän gelang in der Champions League der Einzug ins Achtelfinale, in der Meisterschaft liegen die Bayern nur noch ob des schlechteren Torverhältnisses hinter der TSG Hoffenheim auf Platz zwei und auch im DFB-Pokal ist noch alles drin.
Klinsi und der FC Bayern – es scheint nun doch eine Erfolgsgeschichte zu werden.
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