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Schreckensjahr 2008: Autokrise und kein Ende

VON MANFRED KÜHNAPPEL - zuletzt aktualisiert: 25.12.2008 - 21:16

Düsseldorf (RPO). So schlimm stand es noch nie um die Automobil-Branche. 2008 war eine einzige Ohrfeige für die Autobauer – speziell für die größten in den USA, Europa, aber auch zuletzt in Japan bei Toyota. Und ein Ende der Krise ist auch nicht für das kommende Jahr in Sicht.

Wo wird uns dieses Desaster hinführen? Auto-Experte Willi Diez spricht von einer „kompletten Restruktierung des amerikanischen Marktes mit mittelfristig nur noch einem US-Autobauer“. Das kommt das einer Bankrotterklärung gleich. General Motors und Chrysler, die ebenso wie Ford Tag für Tag Milliarden Dollar verbrennen, erleben das Weihnachtsfest nur dank eines 17,4-Milliarden-Gnadenaktes von Präsident Bush. 2009 haben dann alle drei nach übereinstimmender Meinung ausgespielt, auch wenn in Detroit Bitt-Gottesdienste für die kranke Autoindustrie abgehalten werden.

Das Desaster in den USA infiziert die ganze Welt. In Deutschland hängt Opel, das mit dem Insignia immerhin das Auto des Jahres 2009 produzierte, direkt am Tropf der Konzernmutter GM. Die Opelaner in Rüsselsheim und Bochum zittern um ihre Existenz. Im Zweifel wollen die Händler Opel selbst retten.

Jahrelang exportierten aber auch die anderen deutschen Autobauer ihre fortschrittlichste Auto-Technik über den Atlantik. Porsche, Daimler, BMW und auch Volkswagen rühmten sich ihrer Absatzzahlen im gelobten Land, strichen fette Gewinne ein und richteten ihre Modelllinien kreuzbrav nach dem Geschmack der Amis aus. Warum fahren auf unseren Straßen SUV-Monster wie Audi Q7 oder Porsche Cayenne?

Statik eingestürzt

Alles aus und vorbei. Im Jahr 2008 stürzte die gesamte Statik der bis dahin bekannten Auto-Welt ein. Wie ernst die Lage ist, verdeutlicht dies: Toyota, größter Autobauer der Welt, schrieb 2008 zum ersten Mal in seiner Geschichte seit 1940 einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro im operativen Geschäft. Der Vorreiter in Sachen Umwelttechnologie hat seine Pläne für die Prius-Werke in den USA Mitte Dezember eingedampft. Nicht einmal mehr dem Heilsbringer Hybrid wird die Wende zugetraut. Dabei will der zukünftige Präsident Obama bis 2015 eine Million Hybrid-Autos auf den Straßen seines Landes sehen.

Experten allerdings halten die Kombination aus Benzin- und Elektromotor, ob als Hybrid ohne oder mit Plug-In (direkt aus der Steckdose) schon jetzt für überholt. Die neue Vision: Keine fossilen Brennstoffe mehr, kein Öl mehr als Treibstoff. Stattdessen Brennstoffzellen- oder reine Elektro-Autos. Doch die Entwicklung steckt noch in den Kinderschuhen. Von Großversuchen oder Pilotprojekten ist die Rede, wenn Daimler oder BMW ihre Smarts oder Minis auf die Straßen schicken. Unter Hochdruck, aber viel zu spät haben die Hersteller das Ruder ihrer Zukunfts-Maschinerien herumgeworfen. 2010 will GM den serienreifen, elektrisch betriebenen Chevrolet Volt bringen. Fragt sich nur, ob es den Konzern dann noch gibt.

Krisengewinnler aus Indien

Unüberhörbar erklangen 2008 die Rufe nach kleinen, sparsamen Autos. Doch viele Hersteller stellten ihre Ohren auf Durchzug. Die Quittung der verfehlten Modellpolitik: Der Absatz in Europa schoss ins tiefste Kellergeschoss seit 1999. Auch Daimler, BMW oder VW blieben nicht verschont. Kurzarbeit, Produktionskürzungen, verlängerte Weihnachtsferien, Entlassungen von Leiharbeitern, Insolvenzen von Zulieferern – ein dramatischer Dominoeffekt.

Der Krisengewinnler des Jahres 2008 kommt aus Indien. Der mächtige Industriekapitän Ratan Tata stellte im Januar 2008 mit dem 1700 Euro teuren Nano das billigste Auto der Welt vor und landete damit einen Coup mit Langzeitwirkung. Plötzlich stand Indien als kommende Autonation im Fokus. Tata schnappte sich Jaguar, flocht ein Netz aus Kooperationen mit Fiat und anderen namhaften Autobauern, die seinen Plänen genehm waren. Dagegen sahen selbst die Chinesen alt aus, deren Wirtschaft gegen Jahresende mit in den globalen Abwärtssog geriet.

Was den Deutschen 2008 den Spaß an ihrem liebsten Kind verdarb, waren die Spritpreis-Explosion, die endlosen Steuer- und CO2-Debatten und ein unerträgliches Gezerre um eine höhere Biosprit-Beimischung, mit der SPD-Umweltminister Gabriel krachend vor die Wand fuhr. Fast schon wieder vergessen. Mühsam gewöhnt sich der Autofahrer derweil an immer mehr Umweltzonen in den Innenstädten.

Peinliche Kfz-Steuer

Peinlich, peinlich: Mit einer zeitweisen Befreiung von der Kfz-Steuer wollte die Regierung einen Beitrag zum Konjunkturprogramm leisten. Doch dieser Schuss ging gründlich nach hinten los. Auch die Abänderung der Pläne ist nicht mehr als Flickschusterei, weswegen nun die Weichen auf eine CO2-orientierte Steuer gestellt werden sollen. Das Startdatum 1. Januar 2010 kommt Experten wie ein Witz vor. Die EU hat sich derweil nach langem Hin und Her auf neue CO2-Richtlinien zum Klimaschutz geeinigt.

Dankbar registriert die deutsche Autonation zum Jahresende die gefallenen Spritpreise. Wenn die Finanzkrise etwas Gutes hat, dann dies. Auf den Gabentisch legte das Bundesverfassungsgericht den Pendlern zudem noch ein nett verpacktes Geschenk: Die alte Entfernungspauschale. Ein warmer Segen in Zeiten, in denen man ansonsten wirklich nur beten kann.


 
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