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Das Paar des Jahres 2008: „Carla und Carlito“ – das wilde Model und der Präsident

VON TIM NOCKEN - zuletzt aktualisiert: 25.10.2009 - 14:33

Paris (RPO). Im November 2007 sind sich Nicolas Sarkozy und Carla Bruni erstmals begegnet. Es war der Anfang einer großen Liebe – der Liebe zwischen dem französischen Präsidenten und dem singenden Supermodel. Carla Bruni ist inzwischen First Lady und immer mehr Franzosen stellen sich die Frage, wer im Élysée-Palast eigentlich das Sagen hat.

Auf den ersten Blick ist es ein ungleiches Paar. Er, der französische Präsident, ein sozialer Aufsteiger, ein Hardliner, Gaddafi-Freund. Sie, das Supermodel, Tochter einer kulturinteressierten Familie, Ex-Frau eines linksliberalen Philosophen. Nicolas Sarkozy, der Polit-Rambo und Carla Bruni, die sinnliche Sängerin mit dem zarten Katzengesicht.

Bruni mit Tempo der Romanze unzufrieden

In Deutschland wäre eine solche Konstellation unvorstellbar, doch in Frankreich ist es anders. Hier können die Bürger bis ins letzte Detail die Liebesbeziehung zwischen ihrem Präsidenten und dem Popstar verfolgen. Schon der Beginn der Romanze wird von den Medien bis ins letzte Detail ausgebreitet: Ende November 2007 hatten sich Nicolas Sarkozy und Carla Bruni erstmals bei einem privaten Abendessen in Paris in die Augen geschaut. Der Präsident war frisch geschieden. Gegen 2 Uhr morgens brachte er das Ex-Model nach Hause.

Madame Bruni zeigte sich mit dem Tempo der Romanze unzufrieden, berichtete das „Journal du Dimanche“. „Dein Freund ist ein komischer Typ“, habe sie dem Gastgeber des Abends, Jacques Séguéla, noch in der Nacht am Telefon erzählt. „Ich habe ihm meine Nummer gegeben und er hat noch nicht zurück gerufen.“ Séguéla zeigte sich belustigt: „Sarkozy hatte sich fünf Minuten vorher von ihr verabschiedet.“

Am Ende wurde Nicolas Sarkozy doch noch seinem Ruf gerecht. „Speedy-Sarko“, wie er von Freund und Feind genannt wird, verbrachte schon drei Wochen später mit Bruni einen Luxusurlaub in Ägypten. Händchenhalten im Schatten der Pyramiden, Küsschen hier, Liebkosung dort – die internationale Klatschpresse war verzückt.

Donald Trump, Mick Jagger, Eric Clapton – Carla wickelt sie um den Finger

Es war ein Programm nach dem Geschmack der Carla Bruni. Ablehnung oder Niederlagen kennt sie nicht. Schon gar nicht im Umgang mit Männern. Donald Trump, Eric Clapton und Mick Jagger wickelte sie spielend leicht um den Finger. Die Tochter einer der reichsten italienischen Industriellenfamilien hat immer bekommen, was sie wollte. Schon als Kind entdeckte sie ihre Liebe zur Musik. Sie sang gerne und begann, auf der Gitarre zu klimpern. Vater Alberto Bruni-Tedeschi war ein erfolgreicher Zwölftonkomponist, die Mutter Marysa Borini ist ausgebildete Konzertpianistin.

Mit 19 Jahren brach Carla Bruni ihr Kunststudium ab, um als Model zu arbeiten. Sie stieg auf zur weltweiten Elite, wurde in einem Atemzug mit Cindy Crawford oder Linda Evangelista genannt. Das Timing ihrer Karriere war perfekt, schließlich hat die Karriere eines Fotomodels ein Verfallsdatum. 2002 veröffentlichte sie ihr erstes Album. „Quelqu’un m’a dit“ war in ganz Europa erfolgreich, Bruni wurde in Frankreich zur Künstlerin des Jahres gewählt.

Mann der schnellen Entschlüsse

Schnell muss es gehen und nichts wird dem Zufall überlassen – so hält es auch Nicolas Sarkozy. Allerdings war sein Weg nach oben ein längerer. Der französische Präsident ist das Kind ungarisch-jüdischer Einwanderer. Er ist intelligent, hat Durchsetzungsvermögen. Schon mit Mitte zwanzig wurde der Wirtschaftsanwalt Bürgermeister des Pariser Nobelvororts Neuilly. Von da an ging es steil weiter. Er wurde Innenminister, Finanzminister – und 2007 schließlich der Nachfolger von Jacques Chirac im Präsidentenamt.

Sarkozy ist der Mann der schnellen Entschlüsse. Auf politischer Ebene wird er gerade von seinen europäischen Amtskollegen oftmals kritisch beäugt. Er wird beschuldigt, allzu offensichtlich und rücksichtslos für nationale Interessen einzutreten.

Teure Uhren, Jet-Set und schöne Frauen

Der Privatmann Sarkozy – wenn es diesen überhaupt gibt – hat eine Schwäche für teure Uhren, Jet-Set und schöne Frauen. Schon seine Ex-Frau Cecilia verdiente ihr Geld zunächst auf dem Laufsteg. Er hat gute Kontakte in den Medienbereich, seine Urlaube verbringt er gerne in Südseevillen seiner wohlhabenden und einflussreichen Freunde.

Bruni und Sarkozy – es ist das Duo der ungeduldigen Alpha-Tiere. Medial inszeniert leben der Präsident und seine Frau in der Welt der Gewinner, der Schönen und Reichen. Auf Dauer könnte das ein Problem sein. Zunehmend kritisch beobachten die Franzosen die öffentlichen Auftritte ihrer First Lady.

Bruni, die Anfang des Jahres einen teilweisen Rückzug als Popsängerin angekündigt hatte, scheint nun omnipräsent zu sein. Rund um die Uhr vermarktet sie sich und ihr neues Album, das sich bislang mehr schlecht als recht verkauft hat. Carla Bruni sitzt auf der Couch bei „Wetten, dass..?“, Carla Bruni plaudert freimütig in sämtlichen französischen Medien über das Leben als Präsidentengattin und zwischendurch lässt sie sich nackt im Tonstudio des Èlysée-Palasts ablichten.

Sarkozy scheint zu verblassen

Die Franzosen schätzen die monarchistische Seite des Präsidentenamtes, doch mit Carla Bruni geht diese zeitweise verloren. Die Zeitung "Point de Vue" lästert: "Carla, First Lady, aber nur wenn sie Lust hat." Beruhigend wirken da nur ihre braven Auftritte als First Lady bei Staatsbesuchen, Papst-Audienzen oder Charity-Einsätzen.

Und doch scheint Sarkozy an ihrer Seite zu verblassen. Aus dem bissigen Terrier wird mehr und mehr ein braver Dackel. Schließlich kann es nur ein Alpha-Tier geben. Die Klatschpresse sieht es besorgt, Satiriker haben ihre Freude.

Die Geschichte von "Carla & Carlito"

In ihrer Heimat wird Bruni bereits in einem Comic-Buch mit dem Titel „Carla & Carlito“ als männermordende Karrierefrau karikiert. Zwei Journalisten und ein Zeichner beobachten das „Leben im Schloss“. Mit authentischen Zitaten wird der intrigante Alltag am Hofe der Sarkozys beschrieben.

Die glamouröse Carla ist darin mal Schneewittchen, mal böse Fee, die Nicolas völlig verhext und ihn zum kleinen „Carlito“ degradiert. Die Aussichten der bissigen Satire sind für „Carlito“ nicht sonderlich gut. Bei den Präsidentschaftswahlen 2012 will ihm Carla den Posten im Élysée-Palast streitig machen. Der Dackel hätte dann bestenfalls noch eine Zukunft als Schoßhund.


 
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