Jahresrückblick 2008: Der Abschied des "Titans"
VON NICO RÜBSTECK - zuletzt aktualisiert: 23.10.2009 - 11:45Düsseldorf (RPO). Mit gesenktem Haupt und Tränen in den Augen begab sich Oliver Kahn auf die Ehrenrunde durch die Münchner Allianz-Arena - frenetisch gefeiert von allen Anwesenden. Es war ein Abschied des Titans, wie er ihm würdig war.
Am 2. September des Jahres 2008 ist eine der größten Fußballkarrieren, die es in Deutschland gegeben hat, zu Ende gegangen. An diesem Tag feierte der ‚Titan’ Oliver Kahn seine Abschiedsvorstellung gegen die deutsche Nationalmannschaft.
69.901 Zuschauer wollten ihren Helden, der 21 Jahre den Begriff „Profifußballer“ wie kein anderer vorlebte, in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschieden. Dabei geriet das Spiel, das mit 1:1 nicht dem Wunschergebnis des Perfektionisten Kahn entsprach, in den Hintergrund.
‚Karate-Kahn’, wie er nach dem Kung-Fu-Tritt gegen Stephan Chapuisat, genannt wird, spielte aggressiv, hochkonzentriert, gestikulierte wild, stauchte seine Vorderleute zusammen wenn es nötig war, jubelte und blies die Wangen auf, wie man es von Kahn gewohnt ist. Der Rechtsfuß blieb fehlerlos. Es war wie in einem ganz normalen Pflichtspiel, das der mittlerweile 39-Jährige bestritt. Nur mit dem Unterschied, dass es sein Letztes in seiner Karriere war.
In der 76. Spielminute war es soweit. Oliver Kahn verlässt den Platz und macht seinem Nachfolger Michael Rensing Platz. Der wahrscheinlich emotionalste Moment in der Karriere des gebürtigen Karlsruhers – man sah den Titan wohl zum ersten Mal in seiner langen Karriere wanken, ja, sogar seine Augen glänzten.
Man erkannte die ein oder andere Träne in seinen Augen, als die rund 70.000 Zuschauer aufstanden, ihm Respekt zollten, ihm Kuscheltiere zuwarfen, auf die Schulter klopften und ständig „Olli“ - Sprechchöre anstimmten.
Glücklicherweise blieben in seinem letzen Spiel kleinere und größere Aussetzer aus. Unvergessen, als Kahn seinem Gegner Heiko Herrlich ins Ohr biss, sein Schwitzkasten gegen Thomas Brdaric, der „Todesängste“ ausstehen musste, wie der Ex-Leverkusener später berichtete, oder auch das „in der Nase bohren“ beim Nationalelf-Kollegen Miroslav Klose, als der noch im Dress von Werder Bremen tätig war.
Ein unvergessener Moment des bei vielen Fans unbeliebten Titans ist der Bananenwurf gegen ihn. Doch statt zu reklamieren, provozierte er die gegnerische Fankurve und aß die Bananen – symbolisch für seinen im Fußball wohl einzigartigen Typus.
Der deutsche Fußball-Bund und auch die Fans und Neider werden den dreimaligen Welttorhüter vermissen – aufgrund seiner Sprüche, seiner Art, seines Ehrgeizes und ganz bestimmt wegen seiner Glanztaten.
Die besten Sprüche finden sie hier.
Oliver Kahn kann auf eine erfolgreiche und lange Karriere zurückblicken. Sie begann beim Karlsruher SC, für den er von 1987 bis 1994 immerhin128 Saisonspiele bestritt, ehe er zum FC Bayern München wechselte, wo er dann auch bis 2008 blieb und 429 Pflichtspiele absolvierte.
In seiner Zeit beim deutschen Vorzeigeclub gewann ‚King Kahn’ acht Mal die deutsche Meisterschaft, je sechsmal den Ligapokal und den DFB-Pokal, holte 1996 den Uefa-Cup und gewann 2001 sowohl die Champions League, als auch den Weltpokal.
Im Dress der Nationalelf gewann er 1996 die Europameisterschaft – allerdings als Ersatzspieler. Das Fußball-Urgestein wurde 2002 Zweiter bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea und 2006 „nur“ Dritter bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land - als Ersatzmann für Jens Lehmann.
Wir können Oliver Kahn nur danken, für seine Art, seine Aussetzer, seine Glanzparaden und seine Sprüche, dank ihm haben die Journalisten immer genügend Gesprächsstoff gehabt. Glücklicherweise bleibt er uns mit seinem Fachwissen erhalten - als ZDF-Experte.
Wir sagen: Danke „Olli“!
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