Barack Obama wird US-Präsident: Der Tag, an dem sich Amerika veränderte
VON ANDRE SCHALL - zuletzt aktualisiert: 22.12.2008 - 09:45Düsseldorf (RPO). Der 5. November, 5.01 Uhr morgens deutsche Zeit – einer dieser magischen Momente, die man sein Leben lang nicht vergisst. TV-Moderator Wolf Blitzer spricht die historischen Worte: „CNN kann jetzt voraussagen, dass Barack Obama, 47 Jahre alt, zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden ist.“
Für einen Sekundenbruchteil steht Amerika still. Dann bricht im Grant Park von Chicago, wo sich über 100.000 Obama-Fans versammelt haben, ohrenbetäubender Jubel aus. Im ganzen Land sind die Anhänger des Senators von Illinois auf den Straßen, machen die Nacht zum Tag.
Wenig später tritt der Sieger der US-Präsidentschaftswahl vor die Mikrofone und verkündet den Satz, nach dem sich unzählige gesehnt haben: „Change has come to America.“ Acht Jahre George W. Bush scheinen in diesem Augenblick vergessen, eine Nation befindet sich in Aufbruchstimmung.
Der Weg zum Ziel seiner Träume war für den gebürtigen Hawaiianer lang und steinig. 22 Monate lang musste der als Außenseiter ins Rennen gegangene Demokrat erbittert kämpfen. Erst gegen seine innerparteiliche Konkurrentin Hillary Clinton, dann gegen den republikanischen Vietnam-Veteranen John McCain.
Gerade die Vorwahlen hatten es in sich. Nicht viele räumten dem Juristen eine Chance ein, zu übermächtig schien der Wahlkampfapparat seiner in der Partei immens beliebten Herausforderin Clinton. Doch Obamas Sieg bei den ersten „primaries“ in Iowa machte die frühere First Lady schnell von der Gejagten zur Jägerin – eine Rolle, mit der sie lange Zeit nicht zurechtkam.
Die 60-Jährige hatte insgeheim gehofft, im Eiltempo durch die Vorwahlen zu marschieren. Aber die Senatorin aus New York verkalkulierte sich. Sie konzentrierte sich zu sehr auf die bevölkerungsreichen Industriestaaten wie Ohio, Texas und Kalifornien. Die gewann Clinton zwar auch, doch gingen ihr zahlreiche kleinere „states“, in denen sie kaum Wahlkampf gemacht hatte, durchs Netz. Und so sammelte Obama fleißig Delegierte.
Auch wollte Clinton im Gefühl des sicheren Sieges zunächst auf das in den USA übliche „negative campaigning“ (gezielte Angriffe auf den Gegner) verzichten. Erst als sie merkte, dass Obama davonzog, schwenkte sie um. Zu diesem Zeitpunkt war die „Obamania“ jedoch nicht mehr aufzuhalten.
Mit brillanten Ansprachen hatte sich der dunkelhäutige Senator in die Herzen der demokratischen Anhänger geredet. Clinton musste schließlich ihre Kampagne aussetzen, Obama wurde auf dem Parteitag in Denver/Colorado offiziell von der Partei nominiert. (Im Dezember berief der Senator seine große Widersacherin dann aber als Außenministerin in sein Team.)
Das folgende Präsidentschaftsrennen und das Duell mit Polit-Oldie John McCain standen lange Zeit auf der Kippe. Der Einmarsch russischer Truppen in Georgien schien dem außenpolitisch erfahrenen Putin-Kritiker McCain („Wenn ich in Putins Augen blicke, sehe ich nur drei Buchstaben – K, G und B.“) Aufwind in den Umfragen zu verschaffen.
Doch als das Ausmaß der Finanzkrise in den USA erkennbar wurde, drehte der Wind. Die Bürger trauten Obama auf diesem Gebiet mehr zu als dem 72-Jährigen, der einst selbst eingeräumt hatte, von der Wirtschaft „nicht so viel zu verstehen, wie ich sollte.“
Dennoch waren einige der umkämpften Staaten wie Ohio und Florida kurz vor dem Wahltag noch immer „too close to call“, also zu eng, um einen Gewinner vorauszusagen. Obama aber behielt letztendlich in zahlreichen Republikaner-Hochburgen die Oberhand und besiegte McCain nach Wahlmännerstimmen überraschend deutlich mit 365 zu 173.
Damit wird der Demokrat 44. Präsident der USA. Er ist der erste Afro-Amerikaner, der ins Oval Office einzieht. Am 20. Januar wird der „president-elect“ auf den Stufen des Kapitols vereidigt und auch offiziell mächtigster Mann der Welt. Eines steht schon fest: Die Wahl 2008 wird unvergessen bleiben.
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