Im Kino und in den Schlagzeilen: Und plötzlich war die RAF zurück
VON JUDITH CONRADY - zuletzt aktualisiert: 21.10.2009 - 17:51Düsseldorf (RPO). Im Jahr 2008 ist die RAF plötzlich wieder Thema - im Kino, in der Literatur und in den Schlagzeilen. Während der Film "Baader-Meinhof-Komplex" bei Kinozuschauern Aufsehen erregt, beschließt ein Gericht die Entlassung von RAF-Terrorist Christian Klar aus der Haft.
Am 20. April 1998 ging bei der Nachrichtenagentur Reuters in Köln ein Schreiben ein. Es war acht Seiten lang, Experten stuften es später als authentisch ein. Darin heißt es: "Vor fast 28 Jahren, am 14. Mai 1970, entstand in einer Befreiungsaktion die RAF. Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte."
Doch Geschichte ist die Rote Armee Fraktion noch lange nicht, trotz ihrer Auflösung - das wurde im Jahr 2008 besonders klar. 34 Menschen hat die RAF in den 28 Jahren ihres Bestehens ermordet, viele weitere schwer verletzt. Und sie hat einen Staat verändert: Neue Fahndungsmethoden und neue Gesetze, die die Freiheitsrechte der Bürger zum Teil stark einschränkten, waren eine Reaktion auf den Terror der RAF.
Gegenwart und Geschichte zugleich
Genau zehn Jahre nach der Auflösungserklärung, im Jahr 2008, ist die RAF Geschichte und Gegenwart zugleich: Während in Filmen wie der Kino-Produktion "Der Baader-Meinhof-Komplex" auf den Terror zurückgeblickt wird, macht zeitgleich die Entlassung von Christian Klar, RAF-Terrorist der zweiten Generation, Schlagzeilen.
Auch in der Literatur ist die RAF 2008 Thema: Bernhard Schlink ("Der Vorleser") veröffentlicht seinen Roman "Das Wochenende". In dessen Mittelpunkt steht der RAF-Terrorist Jörg, der nach 24 Jahren Haft vom Bundespräsidenten begnadigt wurde. Der Roman ist eindeutig an den Fall Christian Klar angelehnt.
Schlink legt sein Buch als eine Art Kammerspiel an, konfrontiert eine Handvoll gealterter Linker, die von ihren früheren Idealen längst mehr oder weniger abgerückt sind, auf dem engen Raum eines abgelegenen Landhauses mit dem gerade entlassenen Terroristen. Die meisten Kritiker finden, dass ihm das nur mäßig gut gelingt.
Die Aufarbeitung der RAF-Geschichte in Film und Literatur - 2008 wurde sie so intensiv betrieben wie in kaum einem Jahr zuvor. Die Reaktionen der Angehörigen der ermordeten RAF-Opfer machten vielen auch dies wieder bewusst: Mord verjährt nicht, und das gilt insbesondere für die Opfer.
Sie melden sich zu Wort, protestieren gegen die Freilassung von Christian Klar und gegen den Kinofilm, in dem vielen die Perspektive der Opfer fehlt. Für die Opfer wird die RAF niemals Geschichte sein, so lange sie leben. Auch das ist eine Lehre aus 2008, dem Jahr, in dem die RAF plötzlich wieder da war.
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