Jahresrückblick 2009: Als Fortuna auf die große Bühne zurückkehrte
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 31.12.2009 - 14:06Düsseldorf (RPO). Fortuna Düsseldorf ist 1933 Deutscher Fußball-Meister geworden, hat 1979 und 1980 den DFB-Pokal gewonnen. Zudem unterlag der Klub, ebenfalls 1979, dem großen FC Barcelona im Finale des Europapokals der Pokalsieger erst nach Verlängerung. Stolze Erfolge - und dennoch wird auch das Jahr 2009 in der Erinnerung der Fortuna-Anhänger einen Ehrenplatz einnehmen.
Es ist das Jahr, in dem Fortuna zurückkehrt. Sie feiert ihr Comeback auf der großen Bühne des Fußballs - noch nicht so groß wie Ende der 70er Jahre, aber immerhin wieder überregional präsent als Mitglied des deutschen Fußball-Unterhauses, der Zweiten Bundesliga.
Zum Jahresbeginn ist das noch nicht absehbar. Als die Düsseldorfer am 5. Februar zum ersten Punktspiel 2009 gegen die Stuttgarter Kickers antreten, haben sie zwar ein gelungenes Winter-Trainingslager im türkischen Belek hinter sich, aber auch schon das erste Frust-Erlebnis: Fünf Tage zuvor ist Fortuna im Viertelfinale des Niederrheinpokals an Rot-Weiss Essen gescheitert. Der mittlerweile in die Vierte Liga abgestürzte alte Rivale behält an der Hafenstraße mit 11:10 nach Elfmeterschießen die Oberhand.
Und auch in der Dritten Liga ist bis zur Winterpause nicht alles nach Wunsch gelaufen. Platz vier ist zwar respektabel - von den direkten Aufstiegsplätzen trennen die Truppe von Trainer Norbert Meier aber doch schon sechs (Union Berlin) beziehungsweise acht Punkte (SC Paderborn). Der 2:0-Erfolg gegen den späteren Absteiger aus Stuttgart durch Treffer von Simon Terodde und Marco Christ soll die Aufholjagd einläuten. Dass diese aber derart furios verlaufen soll, ahnt niemand der 9100 Zuschauer an diesem Donnerstagabend.
In den folgenden fünf Drittliga-Partien verliert Fortuna nur einmal, mit 1:2 bei der Spielvereinigung Unterhaching, die sich zwischenzeitlich zum erbitterten Konkurrenten im Aufstiegskampf mausert. Ende März aber gerät der rot-weiße Motor ins Stottern. 0:2 nach schwacher Leistung in Erfurt, nur 1:1 gegen Emden - vor dem Spiel bei Bayern München II, das zu einem bösen Aprilscherz zu werden droht, liegt der Traditionsklub als Dritter schon 14 Punkte hinter Berlin, immer noch fünf hinter Paderborn und nur einen Zähler vor dem Vierten Emden.
Sebastian Heidingers Siegtreffer bei seinem Münchner Stammverein in der 88. Minute wird zum Signal für einen unvergleichlichen Endspurt. Nur noch einmal überlässt Fortuna dem Gegner die Punkte, bei der bis heute letzten Heimniederlage am 19. April gegen den souveränen Drittliga-Meister Union Berlin (0:1).
Torfestival in Braunschweig
Nach dem spektakulären 5:5 in Braunschweig folgen drei Siege in den letzten drei Saisonspielen, mit der Krönung des 1:0 über Werder Bremen II am 23. Mai. Obwohl nur eine Handvoll Gästefans vor Ort ist, ist die Arena mit 50.095 Zuschauern ausverkauft - Marco Christs Treffer und der Abpfiff von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus lösen mit dem ersehnten Aufstieg in die Zweite Bundesliga einen einzigen Rausch in Rot und Weiß aus.
Dieser übersteht auch die Sommerpause, trotz des Theaters um den Aufsichtsrat. Eine neue Führungsgruppe um den ehemaligen Sparkassenchef Hans Schwarz drängt nach vorn, setzt sich aber letztlich nicht durch - auch weil Schwarz im entscheidenden Moment den Rückhalt verliert und schließlich Schwächen der eigenen Gruppe auf eine "kreative Presse" schiebt.
Ein ganz schwacher Abgang eines gut gemeinten Versuchs. Am 25. August wird ein neuer Aufsichtsrat gewählt, ohne Schwarz, mit Dirk Kall an der Spitze, der im April den überraschend zurückgetretenen früheren Hoffnungsträger Reinhold Ernst kommissarisch beerbt hatte. Fortan läuft das Fortuna-Schiff in ruhigerem Wasser - was aber in allererster Linie dem sportlichen Erfolg geschuldet ist.
Norbert Meier und Manager Wolf Werner ist es inzwischen gelungen, die Aufstiegsmannschaft sinnvoll zu verstärken. Mit Ausnahme des dauerverletzten Dmitri Bulykin schlagen die Zugänge voll ein - von Christian Weber über Oliver Fink bis zu den ausgeliehenen Anderson und Martin Harnik. Meiers Offensivsystem hat die Mannschaft verinnerlicht, begeistert damit die Fans von Spiel zu Spiel mehr.
Bitteres Pokal-Aus gegen Hamburg
Wie etwa am 3. August im großartigen DFB-Pokalspiel gegen den Bundesliga-Topklub Hamburger SV. Fink gleicht die frühe HSV-Führung aus, durch ein Eigentor von Jerome Boateng gehen die Düsseldorfer sogar in Führung. Doch die Hanseaten drehen das Match. 2:2, 2:3 gar in der Verlängerung. Alles scheint verloren, doch in der 120. Minute gelingt Kapitän Andreas Lambertz das 3:3, das die Arena in ein Tollhaus verwandelt. Erst im Elfmeterschießen setzt sich der große HSV zum 7:4-Endstand durch.
Will man in der folgenden Zweitliga-Hinrunde, die das Meier-Team auf dem hervorragenden vierten Platz beendet, überhaupt ein Haar in der Suppe suchen, so findet man es am ehesten auf fremden Plätzen. Dort landet Fortuna nur zwei Siege, bei den beiden Extremen der Tabelle: am 19. September beim Letzten Rot-Weiß Ahlen mit 4:1, am 23. Oktober beim Ersten 1. FC Kaiserslautern mit 2:0.
Es ist eine von zwei Niederlagen überhaupt, die die Pfälzer bis zur Winterpause kassieren, und Ranisav Jovanovic ist mit zwei Treffern maßgeblich daran beteiligt. Einige Partien gehen mit viel Pech verloren, wie etwa bei den 1:2-Niederlagen in Fürth und St. Pauli, wo schwache Schiedsrichter in wichtigen Szenen große Rollen spielen.
Zu Hause aber ist Fortuna eine Macht, baut die Esprit-Arena zur Festung aus. Und die Fans ziehen mit, schrauben den Zuschauerschnitt auf sagenhafte 25.300. Die Erwartungshaltung für 2010 ist groß - doch das haben sich Norbert Meier und seine Schützlinge hart erarbeitet.
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