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Panorama Borussia Mönchengladbach jubel ap 2009
  Foto: AP, AP
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Jahresrückblick 2009: Borussia – kompakt, spielstark, spektakulär

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 21.12.2009 - 15:03

Mönchengladbach (RPO). 3060 Minuten ist ein jeder Klub in einer Fußball-Saison aktiv, Nachspielzeiten nicht eingerechnet. Doch die Essenz dieser 51 Stunden Fußball, das sind zuweilen wenige Augenblicke. Hätte es zwei Szenen nicht gegeben in der Saison 2008/2009, dann wäre Borussia Mönchengladbach wohl nicht mehr Bundesligist. Zum einen den Klugen Querpass von Oliver Neuville hinüber zu Roberto Colautti und dessen überlegten Schuss hinein ins Schalker Tor, zum anderen den Kopfball des Verteidigers Dante in Cottbus.

Zwei Aktionen, zwei Tore, zwei 1:0-Siege, beide erzwungen in letzter Minute, das war in der Rückbetrachtung die Rettung. Wären die beiden Tore nicht gefallen, hätte Gladbach zwei statt sechs Punkte geholt aus den beiden Partien am 10. und 13. Mai, und das hätte nicht gereicht für ein weiteres Jahr in der Eliteklasse des deutschen Fußballs.

Gutes Ende nach Irrungen und Wirrungen 

So nahm eine Saison ein gutes Ende, die voller Irrungen und Wirrungen war, in der sowohl der Trainer (Hans Meyer kam für Jos Luhukay) und der Sportdirektor (Max Eberl löste Christian Ziege ab) ausgetauscht wurden und erst passende Wintereinkäufe jenen Hauch von Stabilität brachten, der nach der katastrophalen Hinrunde, die Borussia mit elf Punkten als Letzter abschloss, eine veritable Rückserie möglich machte. 20 Punkte holte Gladbach, was in der Summe 31 machte, und das reichte soeben, um drin zu bleiben. Eine Rettung indes, die erst möglich wurde durch die gütige Mithilfe Hilfe der Konkurrenz.

Fußball der richtig Spaß macht

„Aber es ist wie es ist“, sagt Borussias junger Amerikaner Michael Bradley gern. Und in diesem Fall war das gute Ende ein gesunder Anfang. Denn wer die Borussen nun spielen sieht, der kann kaum glauben, dass diese Mannschaft ein ängstlicher Haufen war, der im ersten Teil der vergangenen Saison gerade mal zwei Spiele gewann, die Schießbude der Liga war und von einer Fehlerhaftigkeit in die nächste stolperte. Am Ende des Jahres 2009 ist Borussia Elfter, hat 21 Punkte beisammen, zehn mehr also als ein Jahr zuvor, und spielt einen Fußball, der richtig Spaß macht: gut organisiert in der Defensive und ambitioniert und flott nach vorn. Das ist die Handschrift von Michael Frontzeck, der im Sommer Trainer wurde.

Meyer wurde einmal mehr zum Retter

Auch diese Geschichte hat ihren Prolog in der letzten Spielzeit. Denn hätte Borussia nicht jene 1:0-Siege geschafft, dann wäre Frontzeck, der Ur-Gladbacher, vielleicht nicht entlassen worden bei Arminia Bielefeld, das am Ende abstieg in die Zweite Liga. So aber kletterte Borussia am 31. Spieltag auf den 15. Platz, Bielefeld war 16. und verlor nach einem 0:6 in Dortmund am vorletzten Spieltag die Nerven: Frontzeck musste gehen, Jörg Berger kam als, nun ja, Hoffnungsträger für ein Spiel und scheiterte. Hans Meyer hingegen, der Luhukay nach sieben sieglosen Spielen zu Beginn der Saison abgelöst hatte, wurde wieder einmal zum Retter. Für den Neuaufbau jedoch, da kam der Thüringer nicht mehr in Frage, er entschied sich, nach langer Zappelei, für den vorläufigen Ruhestand.

Mann mit Stallgeruch und Distanz zugleich

Frontzeck war Max Eberls erste Option, auch wenn die öffentliche Liste der möglichen Gladbach-Trainer wie üblich ellenlang war. Der 45-Jährige ist Borusse, so ist es auch geblieben, als er als Profi wegging, nach Stuttgart, Manchester und Freiburg. Er hat Stallgeruch und die nötige Distanz zugleich. Und vor allem strahlt Frontzeck Ruhe aus. Mit dieser kam Borussia durch die Vorbereitung, in der sich einige Stammspieler verletzten, und auch durch die Krise im frühen Herbst, als sechs Pflichtspiele am Stück verloren gingen: fünf in der Bundesliga und das im Pokal gegen den MSV Duisburg. Frontzeck glaubte an seine Mannschaft, er stellte sich vor sie und sprach „von harter Arbeit“, die sich auszahlen werde.

Kompakt, spielstark und spektakulär

In den ersten vier Partien hatten seine Borussen gezeigt, wie sie sich anfühlt die neue Borussia: kompakt, spielstark und ansatzweise spektakulär. Nichts mehr ist zu sehen von der betonartigen Defensivarbeit, die Hans Meyer den Borussen auferlegte, in einer Situation allerdings, die genau dieses erforderte. Nach Luhukays Wechselorgien vor und zu Anfang der Saison war dem Aufsteiger jedwede Sicherheit abhanden gekommen, es gab weder eine Hierarchie im Team, noch ein System, an dem sich die Fußballer festhalten konnten. Ein Freistoß-Tor des Kölners Milivoje Novakovic, der den 2:1-Sieg des Effzee (ausgerechnet der rheinische Rivale!) in Gladbach möglich machte, beendete die Ära Luhukay. Christian Ziege übernahm für ein Spiel, holte ein 2:2 in Bochum. Es war der vierte Punkt am 8. Spieltag.

Dann kam Meyer, und irgendwie war das logisch. Er kennt Borussia und konnte sich schnell einfinden. Meyer schaute, räumte auf und bastelte an mehr Sicherheit. Zeitweise schien selbst der Trainer-Dino zu verzweifeln: Nur sieben weitere Punkte ergatterte Gladbach bis zur Winterpause und ging nach dem 1:2 in Dortmund am 17. Spieltag als Schlusslicht zunächst auf eine Gastspielreise nach Israel und dann in den Weihnachtsurlaub.

Meyer mauerte – dann kam der Erfolg

Erst als er in der Winterpause Torwart Logan Bailly, Innenverteidiger Dante, Rechtsverteidiger Paul Stalteri und den umsichtigen Sechser Tomas Galasek dazu bekam, bekam Meyer Gladbach in den Griff. Es ging aber nur um Schadensbegrenzung, und die kriegt man am besten mit übertriebener Sicherheit hin: Meyer mauerte, auch mal mit fünf Verteidigern. So langsam kamen dann die Ergebnisse, die am Ende überhaupt die Rettung in den letzten Minuten möglich machten.

Was anders ist bei Borussia, das zeigten die beiden 1:2-Niederlagen beim FC Bayern München in dieser und in der vergangenen Saison. Meyers Ansatz war, ein möglichst gutes Ergebnis zu ergattern beim Branchenführer, und das war dann auch das 1:2, denn es ging nebenbei um die Tordifferenz. Die stimmte am Ende, daran konnte auch das peinliche 0:5 in Düsseldorf gegen Bayer Leverkusen nichts ändern – weil Bielefeld zeitgleich 0:6 in Dortmund verlor.

Rotzfrech unter Frontzeck

Das 1:1 gegen die westfälische Borussia in letzter Instanz war mehr als genug für den Klassenverbleib. Im Mai baute Meyer in München die Mauer auf, sieben Monate später kam Fronzecks rotzfreche neue Borussiain die Allianz-Arena: „Wir haben Glück gehabt, Gladbach war besser“, gestand Bayern-Trainer Louis van Gaal. Frontzeck fand die erste Halbzeit seiner Mannschaft einfach nur „fantastisch“.

Defensiv gut gestaffelt waren die Borussen und spielten flink und konsequent nach vorn, ihre Spielanlage wirkte gar reifer als die der Bayern. „Das war die Spitze von dem, was wir im Moment leisten können“, sagte der Trainer. Schließlich sei die Mannschaft noch im Aufbau. Im Sommer wurde sie um die südamerikanischen Stars Juan Arango (Venezuela) und Raúl Bobadilla (Argentinien), die Routiniers Thorben Marx und Marcel Meeuwis sowie die Jungspunde Marco Reus und Roman Neustädter bereichert.

Mischung aus Jugend und Routine

Als erster Klub der Liga schloss Borussia ihre Transfertätigkeit ab, ein Hinweis auf die konsequente Arbeitsweise von Sportdirektor Max Eberl und Trainer Michael Frontzeck. Eine Mischung aus Jugend und Routine also war es, die Borussia stärker machen sollte für das realistisch formulierte Ziel: „Wir wollen eine Saison ohne große Sorgen spielen“, sagten Eberl und Frontzeck. Nach der ertragreichen Hinrunde, die mit 3:2 bei Tabellenführer Leverkusen endete, scheint es, als habe Borussia das Zeug, dieses Mal nicht auf wenige Momente des Glücks angewiesen zu sein, um sich zu retten. „Wir sind erwachsener geworden und auf einem guten Weg“, sagt Verteidiger Roel Brouwers.

Quelle: RPO

 
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