Jahresrückblick 2009: Das Krisenjahr des FC Bayern
VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 26.12.2009 - 16:52Düsseldorf (RPO). Der FC Bayern München blickt auf ein turbulentes Jahr 2009 zurück. Drei Trainer, ein neuer Manager, ein neuer Präsident und viel Ärger - nach zwölf bewegten Monaten ohne eine einzige Tabellenführung besteht jedoch 2010 Hoffnung auf ein Happy End.
Januar:
Der Rekordmeister überwintert punktgleich mit Aufsteiger 1899 Hoffenheim an der Tabellenspitze, obwohl die Bayern im ersten Halbjahr unter dem ehemaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann alles andere als überzeugend spielten. Im Januar rollt wieder der Ball, und im Pokal wird gleich der VfB Stuttgart 5:1 deklassiert. Die Konkurrenz fragt sich ängstlich, ob die Bayern noch zu stoppen sind. Eine Antwort gibt der HSV drei Tage später zum Rückrundenauftakt - die Bayern verlieren, die Kritik an Klinsmann entfacht wieder neu.
Februar:
Licht und Schatten wechseln sich wieder einmal ab. In der Liga verliert der Rekordmeister gegen Hertha und Köln, im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League wird Sporting Lissabon 5:0 deklassiert. Das verschafft Klinsmann wieder etwas Luft - trotz Platz vier in der Liga und vier Punkten Rückstand.
März:
Der März beginnt für die Bayern mit einem weiteren Rückschlag. In Leverkusen scheidet man unglücklich im Pokal aus, doch danach starten sie eine Serie. In der Liga bleiben sie ungeschlagen, in der Königsklasse legen sie mit dem 7:1 gegen Lissabon noch einmal nach und ziehen für das Viertelfinale den großen FC Barcelona. Klinsmann kann sich endlich mit den Besten in Europa messen. Die Meisterschaft scheint bei einem Punkt Rückstand auf Berlin nur noch Formsache. Die Bayern demonstrieren wieder ihre breite Brust.
April:
Doch im April bricht der FC Bayern komplett ein. In Wolfsburg gehen die Bayern 1:5 unter, Grafite demütigt die Bayern mit seinem Hacken-Tor nach Slalomlauf durch die Münchener Abwehr, das später zum Tor des Jahres gewählt wird. In der Champions League wartet derweil die nächste böse Überraschung auf Klinsmann und Co. - in Barcelona wird der FC Bayern regelrecht überrollt. Mit dem 0:4 ist man noch gut bedient. Alt-Trainer Udo Lattek weint im VIP-Bereich und Klinsmann wackelt bedrohlich. Das 1:1 im Rückspiel kann niemanden versöhnen. Nach einem 0:1 gegen Schalke sind die Bayern nur noch Dritter, die Qualifikation für die Champions League ist in Gefahr und Klinsmann wird entlassen. "Wenn man sich wochenlang den Kopf zermartert, wie es weitergehen soll, und dann eine Entscheidung trifft, ist es doch oft so, dass man erleichert ist", sagt Manager Uli Hoeneß.
Mai:
Die Bayern haben einen neuen Trainer. Ex-Coach Jupp Heynckes springt ein. Nach dem gescheiterten Projektleiter Klinsmann, der mit den Bayern via TV abrechnet, soll nun der "Fußballlehrer" (Manager Uli Hoeneß) Heynckes die Qualifikation für die Champions League schaffen. Nach vier Siegen in fünf Spielen ist der FCB hinter Wolfsburg zumindest Vize-Meister und Heynckes hat seinen Auftrag mit Bravour erledigt und verabschiedet sich wieder in den Ruhestand, bevor er kurz danach bei Bayer Leverkusen anheuert. Der Niederländer Louis van Gaal wird zur neuen Saison als Trainer vorgestellt. Doch passt der als knurrig geltende van Gaal nach München? "Wenn wir everybody's darling hätten haben wollen, hätten wir George Clooney verpflichten müssen", sagt Vorstandschef Karl-Heinz Rummnigge, der es ja wissen muss.
Juni:
Endlich Sommerpause, endlich Ruhe. Schöne Vorstellung, doch Transfergerüchte rund um den FC Bayern beherrschen die Medien. Wen holt van Gaal, wen schmeißt er raus? Und was wird eigentlich aus Franck Ribery? Real Madrid hat angekündigt in der kommenden Spielzeit eine Weltauswahl aufs Spielfeld zu schicken und hat sich in den Kopf gesetzt, den kleinen Franzosen zu verpflichten, doch auch Chelsea, Manchester United und Barcelona wollen ihn haben. Derweil haben die Bayern in Mario Gomez den teuersten Spieler der Vereinsgeschichte geholt. 30 Millionen Euro überweisen sie nach Stuttgart.
Juli:
König Louis regiert in München. Das erste Training des Niederländers wird live im Fernsehen übertragen. Ribery ist dabei, bricht die Einheit aber wegen einer Blessur am Fuß ab. Uli Hoeneß freut sich, dass der Franzose noch an der Säbener Straße ist, demonstriert Stärke: "Hatten Sie jemals das Gefühl, dass wir da nachgeben? Haben wir jemals Schwäche gezeigt?"
August:
Die Bayern starten stotternd in die neue Saison. Von van Gaals neuer Spielphilosophie ist nur wenig zu erkennen, stattdessen beherrschen personelle Wechselspiele die Schlagzeilen. Nach drei sieglosen Spielen in der Liga holen die Bayern Arjen Robben für 24 Millionen Euro von Real Madrid. Nur einen Tag nach seinem Wechsel wird er gegen Meister Wolfsburg eingewechselt und trifft gleich zwei Mal. Die Bayern sind sich sicher: Jetzt wird alles wieder gut.
September:
In Liga, Pokal und Champions League werden Siege eingefahren, doch die Niederlage in Hamburg deckt wieder alte Probleme auf. Die Bayern spielen ohne Zug zum Tor und van Gaal eckt immer wieder mit den Stars wie Luca Toni und Ribery an. Sechs Punkte Rückstand auf die Spitze - vieles erinnert an Klinsmann, obwohl der schon fast ein halbes Jahr weg ist.
Oktober:
In der Liga bleiben die Bayern ungeschlagen, glänzen aber weiterhin nicht. Im Pokal wird Frankfurt zwar 4:0 vom Platz gefegt, doch in der Champions League hagelt es die erste Niederlage in Bordeaux. Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos.
November:
Jetzt kracht es richtig in München. In der Königsklasse verliert der FCB auch zuhause gegen Bordeaux und steht damit praktisch vor dem Aus nach der Gruppenphase. Nach dem 1:1 gegen Schalke ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Toni verlässt die Arena nach seiner Auswechslung noch vor Spielende und wird von den Bayern-Bossen ebenso wie Philipp Lahm, der in einem Interview die Vereinsphilophie infrage stellt und die Transferpolitik des Klubs kritisiert, zur Kasse gebeten. Danach läuft es sportlich etwas besser, doch von den Saisonzielen ist der Rekordmeister immer noch meilenweit entfernt. Nach 30 Jahren als Manager beerbt Hoeneß Franz Beckenbauer als Präsident und Christian Nerlinger übernimmt Hoeneß' Amt.
Dezember:
Der beste Monat im verrückten Bayern-Jahr! In der Champions League gelingt das Wunder von Turin und der FCB zieht nach dem 4:1 doch noch ins Achtelfinale ein. Der Knoten scheint geplatzt zu sein, in der Liga werden die folgenden Gegner Bochum und Berlin zu Kanonenfutter degradiert. Einzig die Winterpause kann die Bayern, die in der Bundesliga nur noch zwei Zähler von der Tabellenführung trennen, stoppen. Van Gaal taut auf und präsentiert sich locker und gelöst. Das neue Jahr kann kommen. Die Bayern hoffen, das Krisenjahr erfolgreich hinter sich gelassen zu haben.
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