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Jahresrückblick 2009: Der unwürdige Poker um Opel

VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 28.12.2009 - 09:34

Düsseldorf (RPO). Der Autohersteller Opel hat ein Jahr zwischen Hoffen und Bangen hinter sich. Erst wollte die angeschlagene US-Konzernmutter General Motors das Traditionsunternehmen verkaufen. Fieberhaft suchten deutsche Politiker und die Mitarbeiter nach einer Lösung, um eine Insolvenz zu verhindern. Am Ende machten die Amerikaner einen Rückzieher. Die Zukunft von Opel ist weiterhin offen.

Es war ein Spiel mit hohen Einsätzen, das Deutschland 2009 in Atem hielt. Das Traditionsunternehmen Opel stand kurz vor der Pleite und mit ihm zehntausende Arbeitsplätze in ganz Europa auf der Kippe. Schuld war General Motors: Die Wirtschaftskrise hatte dem seit Jahren kriselnden Mutterkonzern von Opel den Rest gegeben. Nun drohte auch die deutsche Tochter, mit GM eng verflochten, in den Sog aus Detroit zu geraten.

Aufgeschreckt von dieser Perspektive stieg die Bundesregierung in den Poker ein. Berlin hatte bereits zwei Konjunkturpakete und Milliardenhilfen für die Banken aufgebracht, um die Wirtschaft vor dem Kollaps zu bewahren. Direkte Hilfen, so stellte die Politik klar, sollte es nur in Form von Bürgschaften geben. Eine Staatsbeteiligung wie bei den Banken? Undenkbar, schließlich sei eine Automobilfabrik nicht "systemrelevant", wie Kanzlerin Angela Merkel noch im Februar sagte.

Wie ernst die Lage war, zeigte das Beispiel Saab: Noch im selben Monat meldete die schwedische GM-Tochter Insolvenz an. Doch die Horror-Nachrichten hörten nicht auf. In den USA beantragte GM am 01. Juni Gläubigerschutz. Die Regierungen in Washington und Ottawa retteten den den Konzern in den folgenden Wochen mit einer Teilverstaatlichung. Drohte dieses Schicksal nun auch Opel? Wer das verhindern wollte, musste 3,3 Milliarden Euro auf den Tisch legen.

Keine Pleite im Superwahljahr

Im Gegensatz zu US-Amerikanern und Kanadiern kam eine Opel-Verstaatlichung in Deutschland nicht in Frage. Aber eine Opel-Pleite in Kauf nehmen? Für die Ministerpräsidenten, in deren Bundesländern Opel-Werke stehen, nicht hinnehmbar. NRW-Landesvater Jürgen Rüttgers reiste gar persönlich nach Detroit, um zu verhandeln. Im Superwahljahr 2009 mühten sich auch die Bundespolitiker, vor allem die deutschen Opel-Arbeitsplätze zu sichern. Dafür risikierte man sorgar Streit mit der EU-Kommission, Briten, Belgiern und Spaniern.

Nur einer zeigte Standhaftigkeit und setzte alles auf eine Karte: Klaus-Theodor zu Guttenberg, frischgebackener Wirtschaftsminister, wollte die Option einer "geordneten Insolvenz" nicht verwerfen. Dafür drohte er sogar mit Rücktritt - und wurde zum Polit-Star. Letztlich blieb er allerdings im Amt.

Die anderen Spieler im Opel-Poker schienen zu Guttenberg nicht zu überzeugen: Der italienische Wettbewerber Fiat sowie der Finanzinvestor Ripplewood hatten ihre Finger nach Opel ausgestreckt, auch ein Konsortium um den austro-kanadischen Automobilzulieferer Magna und die russische Sberbank wollte mitbieten. Nach langem Hin und Her legte sich Berlin schließlich auf die Bietergruppe fest, auch der GM-Verwaltungsrat gab seinen Segen. 

Plötzlicher Rückzieher

Eigentlich schien das Geschäft klar: Die deutschen Standorte würden nach einer wenn auch harten Sanierung vergleichsweise glimpflich davonkommen. Opel wäre gerettet und könnte sich sogar neue Märkte erschließen. Die Politik hatte ihr Erfolgserlebnis, die Mitarbeiter waren erleichtert.

In der Zwischenzeit lief es auch für Opel besser. Dank der Abwrackprämie legte der Absatz auf dem deutschen Markt um mehr als ein Drittel zu, was vor allem die Liquiditätssituation entspannte. Das Traditionsunternehmen hatte sich etwas Luft verschafft.    

Die abrupte Erholung könnte auch in Detroit zu einem Umdenken geführt haben. Am 03. November folgte die Kehrtwende, die Regierung, Magna und die Opel-Belegschaft vor den Kopf stieß. GM zog sich abrupt aus dem Spiel zurück, die deutsche Tochter bleibt im Konzern. Dafür müssen die Amerikaner nun, inzwischen wieder solvent, Geld für die Sanierung von Opel in die Hand nehmen.

Investitionen werden notwendig sein, denn die Herausforderungen sind groß. 2010 wird auf dem deutschen Kernmarkt ein schwieriges Jahr. Außerdem hat Opel durch die zurückliegende Phase der Ungewissheit Zeit verloren, große Projekte wurden nicht angegangen. Und die Sberbank will von GM Schadenersatz für den Rückzieher im November. Notfalls gehe es vor Gericht, sagten die Russen.

Opel stehen also stürmische Zeiten bevor. Wie es genau mit dem Autobauer weitergeht, ist immer noch nicht geklärt. 


 
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