Jahresrückblick 2009: Google vs. Microsoft: Duell der Giganten
VON FRANZISKA BLUHM - zuletzt aktualisiert: 18.12.2009 - 07:31 Düsseldorf (RPO). Bereits seit Jahren geht es im Internet vor allem um eins: den Kampf um den Kunden. Um diesen für sich zu gewinnen, bringt der Internetkonzern Google in schöner Regelmäßigkeit neue Produkte auf den Markt. Was auch immer du im Netz oder auf deinem Computer machst, Google hat die passende Anwendung. Und all diese Tools, Programme und Dienste verfolgen ein Ziel: dass der User möglichst viel Zeit auf seinen Seiten verbringt, um möglichst viele Anzeigen zu sehen. Doch in diesem Jahr zeigte sich, dass der Gigant Konkurrenz bekommt. Zum Beispiel von Microsoft.
Klar, 2009 begann für Microsoft nicht unbedingt mit positiven Nachrichten. In den vergangenen Jahren vom Erfolg verwöhnt, war der Anbieter des ersten Betriebssystems, das dem Computer den Einstieg in den Massenmarkt ermöglichte, in die Jahre gekommen. Die letzte Aktualisierung des Betriebssystems, Windows Vista, hatte sich wegen seiner zahlreichen Mängel und permanenten Abstürze zum Flop entwickelt. Die Spielekonsole Xbox 360 verkaufte sich nicht mehr so gut, auch der der Musikplayer Zune traf bei den Kunden auf keine große Resonanz. Und dann war da noch die Wirtschaftskrise. All diese Faktoren verhagelten die Geschäftszahlen Anfang des Jahres so sehr, dass der Konzern beschloss, sein Geschäft neu zu sortieren und 5000 Mitarbeiter zu entlassen.
Doch Microsoft stellte sich schnell neu auf: Überflüssige Produkte wurden vom Markt genommen (Erinnert sich noch jemand an das digitale Lexikon Encarta?) und neue Allianzen, wie die mit Yahoo, wurden geschmiedet. Microsoft überarbeitete seine Suche und gab ihr den Namen Bing. Insbesondere in den USA gewinnt diese nun Woche für Woche Marktanteile. Kaum ein kritisches Wort hört man derzeit auch über das neue Betriebssystem Windows 7, in Deutschland war deren Family-Version sogar zeitweise ausverkauft. Microsoft scheint die Trendwende geschafft zu haben und greift an.
So gibt Microsoft derzeit alles, um sich von einem Softwarekonzern zu einem Webgiganten zu wandeln. Selbst beim großen Thema der Zukunft, der Echtzeitsuche, mischt Microsoft mit. Konzernchef Steve Ballmer gelang es im Oktober sogar, eine Zusammenarbeit mit den Echtzeitspezialisten Twitter und Facebook zu verkünden – noch bevor Google einen ähnlichen Deal veröffentlichte.
Doch natürlich war auch Google in diesem Jahr darum bemüht, seine Kundenbeziehungen auszubauen und noch mehr webbasierte Services anzubieten. Erst kürzlich kommentierte "Spiegel Online" "Google will die Weltherrschaft" und in der Tat baute der Gigant seine Dominanz 2009 weiter aus und wurde für den Nutzer noch unverzichtbarer. Die User, die kein Produkt von Google benutzen, sind rar. Google Maps, Texte und Tabellen, Street View, ein Betriebssystem fürs Handy mit dem Namen Android, der Internetbrowser Chrome, das Mailprogramm Google Mail – fast alles geht mittlerweile mit Google.
Neu hinzugekommen sind in diesem Jahr auch ein paar Dienste: Google News wurde noch besser, mit Chrome OS wurde eine neuartige Form des Betriebssystems vorgestellt, die im kommenden Jahr sicherlich noch für Aufregung sorgen wird. Seit Oktober gibt es auch ein eigenes Navigationssystem fürs Handy. Und keiner setzt die Echtzeitsuche derzeit besser um als Google.
Doch Google in 2009 hieß auch Wave, ein Kommunikationstool, das eigentlich unser Kommunikationsverhalten revolutionieren soll, aber davon derzeit noch weit entfernt ist. Und wo wir auch schon bei den Rückschlägen sind: Google ist so groß und mächtig, dass sich auch bei Gegnern Widerstand formiert. Verlage machten mobil gegen das Buchprojekt Google Books, Apple erlaubte nicht alle Google-Anwendungen auf seinem Iphone. Die Auseinandersetzung mit Datenschützern führte dazu, dass Googles Street View in Deutschland erst im kommenden Jahr starten wird. Auch der derzeitige Streit mit der Stadt Ratingen könnte den Launch des Produkts hierzulande weiter verzögern.
2010 könnte für beide ein entscheidendes Jahr werden: Die Tatsache, dass Google mittlerweile mehr über seine Nutzer weiß, als diese über sich, treibt vielen Sorgenfalten ins Gesicht. Wenn es einem Konkurrenten gelingt, eine Alternative aufzubauen, dann könnte selbst ein Riese wie Google unter Druck geraten. Microsoft legt gerade den Grundstein dafür. Natürlich ist der ehemalige Softwarekonzern noch weit entfernt davon, Google gefährlich zu werden. Yahoo verabschiedete sich aus diesem Kampf bereits, am ehesten könnte Apple dem Internetgiganten derzeit noch gefährlich werden. Doch wer weiß jetzt schon, ob nicht in einer Garage am Silicon Valley das nächste große Ding entsteht.
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