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Felix Magath Meisterschaft VfL Wolfsburg Panorama ap 2009
  Foto: AP, AP

Jahresrückblick 2009: Magaths magisches Jahr

VON STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 24.12.2009 - 12:31

Düsseldorf (RPO). Bei der Frage nach dem Trainer der Saison sind sich die Experten einig: Felix Felix Magath allein gebührt der Titel. Der Coach führte den VfL Wolfsburg sensationell zur ersten Meisterschaft, verkündete dann seinen Abschied und sorgte auf Schalke für einen nie erwarteten Höhenflug. Es war ein magisches Jahr für den gebürtigen Aschaffenburger.

Irgendwie wusste es Felix Magath schon. Eine Woche vor dem Saisonfinale gab der heute 56-Jährige auf dem Münchner Marienplatz ein Interview. Ausgerechnet an dem Ort, wo der Rekordmeister Bayern München seine Titel feiert. Eine Provokation, eine Majestätsbeleidigung. Und eine Woche später war es Gewissheit: Durch eine Fußball-Gala gegen Werder Bremen sicherte sich der VfL Wolfsburg erstmals in der Vereinsgeschichte den Titel. Eine Sensation, an die zur Winterpause nicht zu denken war.

Nach 17 Spielen stand der VfL auf Rang neun der Tabelle, neun Punkte betrug der Rückstand auf Herbstmeister 1899 Hoffenheim. Heimlich, still und leise arbeiteten sich die Niedersachsen von Spiel zu Spiel nach vorne, die Augen der Experten waren dabei nur auf Bayern München gerichtet. Erst spät in der Saison wurde Wolfsburg als echter Meisterkandidat eingestuft. Magath hat aus den Einzelspielern der Hinrunde eine Einheit geformt. Magath schaffte es, die Topstars Grafite (28 Saisontore), Edin Dzeko (26) und Zvjezdan Misimovic (sieben Tore, 20 Vorlagen) blind harmonieren zu lassen und ließ offensiven, attraktiven Fußball spielen.

Keine Frage: Die Meisterschaft des VfL war verdient, der VW-Klub hat den schönsten Fußball gespielt und die Zuschauer begeistert. Mit dem Titel sei „ein Traum“ wahrgeworden, erklärte Magath: „Damit konnte niemand rechnen“.

Um so überraschender wirkte die Nachricht vom 6. Mai diesen Jahres. Wolfsburg und der FC Schalke bestätigten, dass Magath in der kommenden Saison in Gelsenkirchen auf der Trainerbank sitzen werde. Ein Paukenschlag. Ein Urknall. Magath, in Wolfsburg nicht nur Trainer, sondern auch Manager und Geschäftsführer, verlässt die Mannschaft, die er in den vergangenen beiden Jahren für viel Geld (55 Millionen Euro) zusammengestellt hatte, mit der er im ersten Jahr Überraschungs-Fünfter und dann Meister wurde, in der er Nobodys wie Grafite oder Dzeko zu internationalen Topstars formte.

Alles erreicht

„Ich glaube, es gibt gute Gründe für meine Entscheidung. Aus meiner Sicht sind die Ziele, die ich zu Beginn meines Engagements mit dem VfL-Aufsichtsrat vereinbart habe, erreicht. Es war geplant, die Mannschaft nach oben zu bringen und dort zu halten. Es war für niemanden vorherzusehen, dass uns das innerhalb von nur zwei Jahren gelingt“, hatte Magath nach seiner Entscheidung verkündet.

Dem Coach ging es bei dem Wechsel sicherlich auch um Geld (auf Schalke soll er fünf Millionen Euro verdienen). Sein Hauptgrund für den Wechsel in den Ruhrpott war aber die sportliche Herausforderung. Schalke wartet seit mehr als 50 Jahren auf einen Meistertitel. Eine Aufgabe wie gemalt für Magath, der gleich bei Amtsantritt versprach: „In den kommenden vier Jahren will ich mit Schalke Meister werden.“

Worte, die Balsam sind für die geschundenen Fan-Seelen der „Knappen“. Magath wurde vom treuen Anhang gleich als Heilsbringer gefeiert, eine ganze Stadt hofft wieder auf die Schale. Mit seinem bekannt harten Training stählte Magath die Schalker Spieler in der Sommerpause. Das große Problem: Schalke ist klamm, Geld für neue Spieler stand nicht zur Verfügung.

Aus dem Schicksal machte Magath eine Tugend und setzte in den ersten 17 Saisonspielen vermehrt auf die Jugend. Lukas Schmitz, Levan Kenia, Joel Matip oder Christoph Moritz waren nur den eingefleischten Experten bekannt. Unter Magath kamen sie zum Einsatz und überzeugten durch Leistungsbereitschaft, Kampf und den nötigen Hunger von jungen Spielern.

Zudem drehte Magath seinen Starstürmer Kevin Kuranyi um, ließ ihn so hart trainieren wie noch nie. Gelohnt hat es sich: Kuranyi kam in der Hinrunde auf acht Tore und ist zum Führungsspieler gewachsen.

Magath will mehr

Niemand hat dem FC Schalke vor Beginn der Saison 2009/2010 zugetraut, im Konzert der Großen mitspielen zu können. Magath hat alle Kritiker einmal mehr Lügen gestraft und den Verein durch seine Philosophie auf Rang zwei hinter Herbstmeister Bayer Leverkusen geführt.

Für Magath selbst bezeichnete das abgelaufene Jahr als „das sicherlich erfolgreichste“. Doch der Coach hat wie immer nicht genug, will mehr. „Es kann im nächsten Jahr noch besser werden“, sagt er. Worte, die klingen wie ein Donnerhall. Vorsicht Bundesliga, Magath plant den nächsten Sensations-Titel.


 
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