Elbe bei Dresden verharrt bei 9,39: Jahrhundertflut: Bitterfeld verliert Kampf gegen das Wasser
zuletzt aktualisiert: 18.08.2002 - 09:21Bitterfeld (rpo). Die Jahrhundertflut an der Elbe hat jetzt auch die Stadt Bitterfeld im Griff. Über die Hälfte der Innenstadt ist überflutet worden nachdem ein Damm den Wassermassen nachgegeben hatte.
Am Mittag standen die Wassermassen zwei Meter hoch in die Innenstadt. Im brandenburgischen Mühlberg überflutete das Elbe-Hochwasser die zehn Meter hohe Deichkrone. Hoffnung gab es erstmals seit Tagen wieder für das stark getroffene Dresden: Der Wasserstand fiel ganz leicht und erreichte am Mittag die Marke von 9,39 Metern. Angesichts der Milliardenschäden in den Krisenregionen Ostdeutschlands forderte der Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) einen Sonderfonds "Flutkatastrophe 2002" mit einem Volumen von zwei Milliarden Euro in diesem Jahr. Angesichts der Zerstörungen und Leiden wächst die Welle der Hilfe und Solidarität im In- und Ausland.
Noch immer sind Zehntausende auf der Flucht. In Deutschland starben mindestens 12 Menschen, in Tschechien 13. Dort fiel der Pegelstand der Elbe bei Decin auf etwa 11,80 Meter. Tausende in Sicherheit gebrachte Menschen konnten noch nicht in ihre Häuser zurück. Schwere Schäden auch für die Infrastruktur: Bei Riesa in Sachsen brach eine Eisenbahnbrücke zusammen. Die Strecke Berlin- Leipzig-Dresden ist auf unabsehbarer Zeit nicht mehr befahrbar.
Bundeswehr erhöht Soldatenzahl im Unglückdgebiet
Angesichts der dramatischen Lage wurde die Zahl der Bundeswehr- Soldaten im Kampf gegen das Hochwasser deutlich erhöht. In den Katastrophengebieten an der Elbe seien derzeit fast 10 000 Soldaten im Einsatz, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Weitere 3000 seien in Bereitschaft. "Wir können bisher alle Anforderungen erfüllen, und wir werden sie auch weiterhin erfüllen können."
Millionen-Spenden für Opfer oder Hilfe beim Barrikaden-Bau: Die Hilfsbereitschaft riss nicht ab. NATO-Generalsekretär George Robertson bot Katastrophenhilfe an. Die Schweiz spendete 500 000 Sandsäcke. Luxemburg stellt Sandsäcke und Feldbetten sowie Decken für die Notunterkünfte zur Verfügung. Alltäglich ist auch die Nachbarschaftshilfe in den betroffenen Regionen.
Nach dem Wassereinbruch in Bitterfeld sind auch mehrere andere Gemeinden in Sachsen-Anhalt nördlich der Chemie-Stadt betroffen. Der Krisenstab hat die Bewohner mehrerer Ortschaften zum Verlassen der Häuser aufgerufen. Der Chemiepark Bitterfeld ist bislang von den Fluten verschont geblieben. Wie viele Menschen in ihren Häusern in der Chemie-Stadt noch ausharren, ist ungewiss. Die Helfer wollen auf Grund der Lebensgefahr notfalls auch mit Zwangsräumungen die Bewohner zum Verlassen ihrer Wohnungen zwingen.
Katastrophenstab muss Wasser weichen
Im sächsischen Torgau musste am Samstag sogar der Katastrophenstab dem Hochwasser weichen. Nachdem bei Evakuierungen über 15 000 Einwohner in Sicherheit gebracht worden waren, verlegte auch der Stab seinen Standort über eine Strecke von etwa 3500 Metern auf eine höhere Ortslage. "Wir sind die Letzten, die den Überflutungsbereich verlassen", sagte ein Vertreter des Stabes.
Vielerorts, mussten Deiche aufgegeben werden. In Sachsen-Anhalt gaben die Einsatzkräfte am die Deichsicherung nahe der Elbauen- Gemeinde Mauken (Landkreis Wittenberg) auf. Mit einem Dammbruch sei zu rechnen, sagte Sprecher Ronald Gauert. Damit bestehe zugleich für zehn weitere Dörfer entlang der Elbe akute Hochwassergefahr.
In anderen Städten wie Magdeburg und Wittenberg in Sachsen-Anhalt oder Wittenberge in Brandenburg bereiteten sich die Helfer im Dauereinsatz auf die heranrollende Flut vor. Auch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg laufen die Vorbereitungen für den Kampf gegen das Hochwasser.
Arzneimittelversorgung in Dresden zusammengebrochen
Die Arzneimittelversorgung in der vom Hochwasser überspülten Stadt Dresden ist völlig zusammengebrochen. Es mangele an allem, auch die Trinkwasserversorgung drohe zusammenzubrechen, sagte der Bundesarzt des Malteser Hilfsdienstes Rainer Löb. Besonders benötigt würden Insuline, Infusionen und Gegengifte, sagte Löbl. Außerdem fehle es an Spritzen, Infusionsgeräten und Krankenhauswäsche.
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