Beck vom Stockacher Narrengericht zu milder Strafe verurteilt: Jecke knebeln Ministerpräsident
zuletzt aktualisiert: 02.03.2000 - 20:46Stockach (AP) Vor dem traditionellen Narrengericht zu Stockach ist der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck am "schmotzigen Dunschtig" von den Narren zu einer relativ milden Strafe verurteilt worden: Der SPD-Politiker muss drei Eimer Wein an das Gericht zahlen, was ungefähr 180 Litern entspricht. Alternativ kann Beck für die Pensionäre des Stockacher Narrengerichts auch einen rheinland-pfälzischen Weinberg ersteigern, so das Urteil der Narren am Donnerstagabend. Zuvor war Beck gefesselt und gebunden vor das Gericht geführt worden.
Der Ankläger hatte Beck vorgeworfen, seinen anständigen und seriösen Beruf als Elektromechaniker aufgegeben und in die verlogene Politik gewechselt zu sein. Zum Entsetzen aller sei er dabei auch noch sehr erfolgreich gewesen. Ankläger Hans Angele fragte empört: "Hohes Gericht! Enttäuscht man so seine Eltern und Freunde?"
Ohnehin habe sich der "rote" Ministerpräsident dem Verfahren im "schwarzen" Stockach sowieso nur gestellt, weil er sich vor einer Verurteilung sicher wähne: Schließlich habe sein Südpfälzer Landsmann aus Oggersheim derzeit "mehr Dreck am Stecken als er". Empört zeigte sich der Narr darüber, dass Beck dem Narrengericht eine Geldspende angeboten habe: "Ja glaubt der denn im Ernst, das Narrengericht ist bestechlich?"
Beck verteidigte sich gegen die Angriffe: "Abscheulich und empörend" sei die Behauptung des Anklägers, er sei "mediengeil" und lasse bei seinem Auftritt im Kochstudio des Fernsehkochs Johann Lafer beim Spargelschälen sogar die Köpfe rollen - nur um Macht zu demonstrieren und ins Rampenlicht zu kommen. "Kann man es denn den Fernsehanstalten verdenken, dass sie bildfüllende Köpfe haben wollen?", fragte der schwergewichtige SPD-Politiker in die Runde.
Weiterhin hatte der närrische Ankläger Beck vorgeworfen, ein "Ehe-Versager" zu sein. Seit 1968 hänge er wie eine Klette an seiner Frau Roswitha, statt Vorbildern wie Oskar Lafontaine und Kanzler Gerhard Schröder nachzueifern. "Weiß er denn nicht, dass das neue Anforderungsprofil für Politiker vier Ehen verlangt?"
Beck bestritt, dass er das Amt des ersten Präsidenten des 1. FC Kaiserslautern anstrebe. Gleichwohl habe er regelmäßig bei den Meisterschaftsspielen des 1. FCK Tränen in den Augen. Der Ankläger kommentierte dies mit den Worten: "Kann man denn einem solchen Weichling ein Bundesland anvertrauen?"
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