Gasthaus wurde durch Goethes "Faust" berühmt: Kanzler sticht in "Auerbachs Keller" ein Fass an
zuletzt aktualisiert: 28.04.2000 - 21:19Leipzig (AP). Bundeskanzler Gerhard Schröder hat am Freitagabend anlässlich des 475-jährigen Bestehens des Leipziger Gasthauses "Auerbachs Keller" das berühmte Weinfass des durch Johann Wolfgang von Goethes "Faust" weltberühmt gewordenen Lokals angestochen.
Der SPD-Politiker war Ehrengast im Festzelt "Mephistodrom" auf dem Leipziger Markt und läutete gemeinsam mit Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee das dreitägige Fest "Schlampamp" ein. Zuvor hatte der Magier Eberhard Baur das 1.200-Liter-Fass auf die Bühne "gezaubert".
"Der hat schon einen Namen, dieser 'Auerbachs Keller', der weit über Leipzig hinaus bekannt ist", sagte Schröder. Das Gasthaus stehe an sechster Stelle unter den berühmtesten Lokalen der Welt. In Europa gibt es nach den Worten Schröders mit dem Cafe Sacher in Wien und dem Hofbräuhaus in München nur zwei Gasthäuser, die noch bekannter sind als "Auerbachs Keller".
Ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf des Weines aus dem Fass, 10.000 Mark, kommt der Sanierung des Leipziger Völkerschlachtdenkmals zugute. "Auerbachs Keller" hatte Goethe, der seine Studienzeit in Leipzig verbrachte, zu dem Drama "Faust" inspiriert. Bei seinen zahlreichen Besuchen in dem Lokal verinnerlichte er den Mythos von Dr. Faustus, dem sagenhaften Magier, der, dank eines Bundes mit dem Teufel, auf einem vollen Weinfass aus dem Gasthaus reiten konnte.
Je ein Fassritt am ersten und letzten Abend des "Schlampamps" sind Höhepunkte der Jubiläumsfeiern. Im Gegensatz zum Ritt des Dr. Faustus startete das Spektakel jedoch nicht im Keller, sondern in umgekehrter Richtung. Das über die drei Festtage zu leerende Fass soll am Sonntag durch Zauber wieder in "Auerbachs Keller" zurückkehren.
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