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Kommentar in Kirchenzeitung
Kardinal Lehmann äußert sich zur Homo-Ehe

Kardinal Lehmann: Seine wichtigsten Stationen
Kardinal Lehmann: Seine wichtigsten Stationen FOTO: ddp
Mainz. In der Debatte im Umgang der katholischen Kirche mit homosexuellen Lebenspartnerschaften hat sich jetzt auch der langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (von 1987 bis 2008), Karl Kardinal Lehmann, mit einem Kommentar zu Wort gemeldet. RP ONLINE dokumentiert den Text im Wortlaut.

In der Juni-Ausgabe der Mainzer Kirchenzeitung betont der 79-jährige Mainzer Bischof vor allem im zweiten Teil seines Beitrags, dass dieses Thema sowohl für die katholische als auch für die evangelische Kirche von erheblicher Brisanz sei – gleichwohl sich beide christlichen Kirchen im Eheverständnis grundlegend voneinander unterscheiden.

Gut gerüstet seien beide Kirchen für angemessene Antworten auf die drängenden Fragen aber nicht, so der Bischof. Für die Beratungen auf der Ordentlichen Bischofssynode im Herbst erwartet Lehmann, dass es hoch hergehen werde. Lösungsansätze scheinen indes noch in weiter Ferne zu liegen.

Zum Streit um die "Homo-Ehe"

Von Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz

Ein ökumenischer Blick nach vorne

Die Aufmerksamkeit zur Meinungsbildung über die Homo-Ehe, wie sie im irischen Votum erfolgt ist, hat in einem ungewöhnlichen Ausmaß auch Deutschland getroffen. Dies ist ganz erstaunlich, wenn man bei uns dem eher "erzkatholisch" beurteilten, kleinen Irland geradezu nacheifert. Ein Blick in die Medien und besonders die Nachrichtenwelt hat deutlich gemacht, wie stark das Netzwerk ist, das sich neue Anstöße zu einer weiteren Gleichstellung der Homo-Ehe auch bei uns verspricht.

Sowohl der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, als auch die Botschafterin des Reformationsjubiläums, Margot Käßmann, haben diese Anstöße aufgenommen. Zugleich wurde in Sachsen ein neuer Landesbischof gewählt, Carsten Rentzig, der nie einen Hehl machte aus seiner kritischen Haltung zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Damit deuten sich bereits erhebliche Spannungen an.

Auch für die katholische Kirche ist es spätestens seit der umfangreichen Synodenumfrage 2013/14 offenkundig, dass man sich der Thematik der Homosexualität im Ganzen neu stellen muss. Schrille Töne der letzten Tage dürfen nicht darüber hinwegsehen lassen, wie kontrovers auch auf katholischer Seite über das Problem gestritten wird. Dies zeigt auch die kontrovers aufgenommene Erklärung der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken im Monat Mai. Bei allen Stellungnahmen vermisst man bisher ein ruhiges, differenziertes Eingehen auf die Sache (vgl. jedoch die sehr besonnenen Worte im "Katechismus der katholischen Kirche", Nr. 2357-2359; Katholischer Erwachsenenkatechismus II, 385-387).

Die Angelegenheit wird uns ganz gewiss in den kommenden Monaten, nicht nur auf der Ordentlichen Bischofssynode im Herbst dieses Jahres, intensiv beschäftigen. Dabei handelt es sich nicht um etwas ferne bleibende theologische Fachfragen, sondern um das tägliche Leben aller Christen. Wieviel Zündstoff hier entstehen kann, zeigte die Orientierungshilfe des Rates der EKD über die Familien "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit" aus dem Jahr 2013. Bei den Beratungen der Bischofssynode im Herbst 2015 wird es um diese und andere Dinge aus dem Bereich der Sexualität nicht weniger hoch hergehen. Es wird wichtig sein, dass die Kirchen in unserem Land auch miteinander beraten und sprechen, soweit dies nur möglich ist.

Wir sind dafür nicht besonders gut gerüstet. Die Ehe spielte in den ökumenischen Gesprächen der letzten Jahrzehnte, wenigstens in unserem Land (aber nicht nur bei uns!), eine verhältnismäßig geringe Rolle. Das Gespräch wird deshalb umso dringlicher. Es muss jedoch erheblich an Tiefe gewinnen. Es ist z.B. erschreckend, was alles aus dem verkürzten Luther-Zitat, die Ehe sei ein "weltlich Ding", herausgelesen und für heute abgeleitet wird.

Auch wenn wir nicht so viele gemeinsame Aussagen zu Ehe und Familie haben, lässt sich doch früher Erarbeitetes leicht verspielen, einfach weil es auch kaum mehr bekannt ist. Ich nenne als Beispiele eine Gemeinsame Erklärung vom 15.10.1981, unterzeichnet von den damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der EKD, Josef Kardinal Höffner und Landesbischof Eduard Lohse, mit dem Titel "Ja zur Ehe". Im Zusammenhang der Aufarbeitung der Frage, ob die Lehrverurteilungen des 16. Jahrhunderts den heutigen Partner.

(Quelle: Der Beitrag erschien erstmals in der Mainzer Kirchenzeitung "Glaube und Leben", Juni 2015)

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