Ex-Profi-Sportlerin stellt Buch vor: Kati Witt macht Faule fit
zuletzt aktualisiert: 05.04.2001 - 09:38Berlin (RP). Ihr Nachname reimt sich auf fit, aber das ist nicht der Grund dafür, dass Katarina Witt ein Buch mit dem Titel "Mit Leichtigkeit in Form" geschrieben hat. Die ehemalige Eisprinzessin möchte vermitteln, wie einfach es ist, sich besser zu fühlen. In Berlin präsentierte sie es jetzt der Öffentlichkeit. "Es geht nicht um Leistungssport und auch nicht darum, wie ich in zwei Wochen zehn Kilo abnehme oder so einen Quatsch", sagte die 35-Jährige dem Magazin "Stern" in einem Interview.
Der "Quatsch" hat der weltweit erfolgreichsten Eiskunstläuferin jahrelang das Leben schwer gemacht. "Für mich war das eine knallharte Zeit", gibt sie zu. Keine Schokolade, keine Chips, kein Alkohol, das hält eine genussfreudige Frau nicht immer durch. Sie sei wahrscheinlich die einzige Leistungssportlerin der DDR gewesen, die jemals wegen eines Fressanfalls aus dem Trainingslager geflogen sei, vermutet sie. Von einem Tag auf den anderen zeigte die Waage ein Kilo mehr an. Als Trainerin Jutta Müller dann leere Chipstüten und Schokoladenpapier auf Katis Zimmer fand, wurde das Mädchen umgehend nach Hause geschickt. Damit hatte sie noch Glück - denn die leere Sektflasche im Bettkasten hatte die gestrenge Trainerin übersehen.
Die Jahre der Entbehrungen sind lange vorbei. Die zweifache Oympiasiegerin, vierfache Weltmeisterin und sechsmalige Europameisterin ist 1988 aus dem Leistungssport ausgestiegen. Nur 1994 in Lillehammer ist sie rückfällig geworden: Sie habe eine Herausforderung gesucht und es einfach ausprobieren wollen. Solch ein Wettkampf kommt für sie heute nicht mehr in Frage. Auch um die Waage macht sie seit '94 einen großen Bogen. "Ich höre auf meinen Körper", sagt sie schlicht. Das bedeutet: Wenn der signalisiert, dass er unbedingt Schokolade braucht, dann bekommt er die auch. Bewegung ist für Kati Witts Wohlbefinden aber ebenso wichtig.
Beispiel Lauftraining: "Früher war das eine echte Qual, weil wir immer auf eine bestimmte Zeit hin joggen mussten", berichtet sie. Heute entspannt sie sich beim morgendlichen Lauf und nutzt die Zeit, um ihre Gedanken zu sortieren. "Wenn ich zurückkomme, greife ich oft zum Hörer und überfalle meine Managerin mit irgendwelchen neuen Ideen."
Ihr Ziel sei es nicht, durch den Sport eine Idealfigur zu erlangen. "Meine Oberarme und Beine sind zu muskulös, aber das versuche ich mit Klamotten zu kaschieren." Bis auf eine Ausnahme. Vor ein paar Jahren ließ sie für den Playboy die Hüllen fallen. Damit habe sie einen Bruch ins Eisprinzessinnen-Image bringen wollen. Außerdem sei sie als Kind im Osten mit dem FKK groß geworden und habe deshalb ein unverkrampftes Verhältnis zur Nacktheit.
Katarina Witt hat ein entspanntes Verhältnis zu ihrem Körper. Sie hat eine eigene Technik entwickelt, um mit Problemen, Stress und mieser Stimmung umzugehen. Ohne erhobenen Zeigefinger gibt sie ihr Fitness- und Wohlfühlprogramm nun in 13 reich bebilderten Kapiteln mit Titeln wie "Fitness für Faule" oder "Das-gute-Laune-Programm" weiter. Unterstützung bekam sie bei der Arbeit von Physiotherapeut Oliver Schmidtlein und Schreiber Ulrich Pramann. Autorin, Schauspielerin, Schmuckdesignerin und Kommentatorin - die Witt ist nicht nur fit, sondern auch vielseitig. Trotzdem wird sie weiter hauptsächlich auf den Kufen stehen. Das Eis bleibe ihre Welt betont die Sportlerin. Vor kurzem hat sie in Las Vegas die Dreharbeiten zu ihrer Show "Kisses on Ice" abgeschlossen. Von Mitte bis Ende Mai gastiert sie mit der Show "Summernight on Ice" in Riesa, Erfurt und Leipzig.
Kati Witt reist viel, lebt in Los Angeles und Berlin. In der Hauptstadt hat sie sich vor ein paar Jahren ein Haus gebaut. "Damals glaubte ich, ich müsste endlich mal sehen, wofür ich so hart gearbeitet habe", sagt sie. Seitdem sie sich diesen Wusch erfüllt habe, sei sie viel ruhiger geworden. "Jetzt habe ich ein Nest, aber ich muss nicht drin rumsitzen."
Kati Witt braucht ihre Freiheiten und ist gerne unterwegs. Aber auch eine so selbstbewusste Frau sucht Anlehnung. "Stets den Eindruck zu erwecken, stark zu sein, verleitet andere manchmal dazu, einen zu verletzen. Und das tut doch jedem weh."
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