Ein Souvenirladen entdeckt das Mittelalter als Marktlücke: Keuschheitsgürtel statt Keramikteller
zuletzt aktualisiert: 11.06.2002 - 14:38Gubbio/Italien (rpo). Das etwas andere Mitbringsel gibt es in einem Souvenirladen im italienischen Umbrien. Statt Keramikteller, Wein oder Olivenöl sind dort Keuschheitsgürtel der absolute Kassenschlager.
Was vor vielen Jahren mit der Idee eines 13-jährigen Jungen begann, ist heute eine kleine Fabrik mit dem Namen Medio Evo (Mittelalter) im Industriegebiet von Gubbio in Umbrien und einer halben Million Euro Jahresumsatz.
"Schon als kleiner Junge haben mich die Burgen und Festungen der Umgebung fasziniert und natürlich die damalige Kunst und die Waffen", sagt der heute 50-jährige Giuseppe Acacia. Mit 13 Jahren baute er seine erste Armbrust und musste den Inhaber des Souvenirladens um die Ecke noch überreden, dass dieser die neuen Souvenirs in sein Schaufenster stellte. Aber schon bald erwies sich die Idee als Marktlücke. "Ich wollte den Touristen mal etwas anderes anbieten statt der Keramikteller, die es überall gibt", erklärt Acacia.
Heute kann der Tourist bei Medio Evo zwischen 500 verschiedenen Artikeln wählen. Es gibt kleine Soldaten und Waffen in Miniaturform, aber auch Pistolen und Gewehre und sogar kompletten Rüstungen. Die Artikel kosten zwischen 5 Euro für eine Minikanone und 4.200 Euro für eine Rüstung aus dem 14 Jahrhundert.
Der Kassenschlager aber sind die Keuschheitsgürtel. "Wir haben seit etwa acht Monaten eine Homepage im Internet und bisher wurden über 800 Keuschheitsgürtel bestellt", schmunzelt Acacia. Neunzig Prozent davon sind ausschließlich Gürtel für Frauen. Die Anfrage kommen aus Sydney und Peking, aus Mexiko-City und New York, aus Paris und Berlin. Er und seine 25 Mitarbeiter kommen kaum mit der Produktion nach, da alle Artikel handgefertigt und somit einmalig sind. "Die meisten Gürtel werden mittlerweile via Internet bestellt, aber manchmal kommen auch die Interessierten selbst bei uns vorbei", erzählt Paola, eine Angestellte. "Einmal kam ein Pärchen vorbei und kaufte einen männlichen und einen weiblichen Gürtel, um so seine Treue zu demonstrieren."
Acacia stellte auch schon für die Mailänder Scala 200 Hände von Rüstungen her, die von den Darstellern während einer Aufführungen getragen wurden. "Für das nächste Filmprojekt von Roberto Benigni werden wir die Pistolen für die Katze und den Fuchs herstellen", sagt Acacia. Woher der Italiener seine Ideen hat? "Aus meinen Träumen und aus vielen antiken Büchern und natürlich aus Gubbio, meiner mittelalterlichen Heimatstadt." Gubbio liegt in Umbrien rund 40 Kilometer von Perugia entfernt zwischen Florenz und Rom.
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