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Las Vegas
Kinderporno: Magier Rouven gesteht

Las Vegas. Der 39-jährige Illusionist aus Kerpen muss sich vor einem Gericht in Las Vegas wegen Kinderpornografie verantworten. Am vierten Prozesstag bekannte er sich schuldig. Ihm drohen bis zu 60 Jahre Haft. Damit endet eine große Karriere. Von Jörg Isringhaus

Auf seiner Internetseite inszeniert sich Jan Rouven mit einer zerstückelten, nackten Kinderpuppe. Angesichts des überraschenden Schuldbekenntnisses des Magiers ein vielsagendes, verstörendes Bild. Der 39-Jährige hat vor einem Gericht in Las Vegas zugegeben, kinderpornografische Bilder empfangen, besessen und vertrieben zu haben. Im Gegenzug für das Schuldbekenntnis ließ die Staatsanwaltschaft den schwerwiegenden Vorwurf der Anwerbung von Kinderpornografie fallen. Rouven drohen nun mindestens fünf, im Höchstfall sogar 60 Jahre Haft. Die amerikanischen Strafverfolgungsbehörden sind jedoch bekannt dafür, in solchen Fällen hart durchzugreifen. Zudem setzt sich die zuständige Bundesrichterin, eine Mutter von drei Söhnen, seit Jahren für den Kinderschutz ein. Wie hoch auch immer das Strafmaß sein wird, das am 16. März verkündet wird - die Karriere des Kerpener Magiers ist ein für allemal beendet.

Dabei hatte sich der Illusionist aus Nordrhein-Westfalen mit Ehrgeiz, Können und einer ausgeprägten Risikobereitschaft an die Spitze der internationalen Zauberer-Szene gearbeitet. Rouven punktete auf der Bühne aber auch mit Entertainer-Qualitäten, überzeugte mit jugendlichem Charme und wusste gut mit Menschen umzugehen. Davon überzeugen konnten sich beispielsweise die Zuschauer der Vox-Soapdoku "Goodbye Deutschland", die den Magier über Monate bei dessen Versuch begleitete, in Las Vegas Fuß zu fassen. Trotz guter Engagements, etwa in der Movie-World in Bottrop, und beachtlicher Erfolge in Europa wollte Rouven unbedingt in der Welthauptstadt der Zauberer seine Klasse beweisen.

Dort musste er fast bei null anfangen, warb auf der Straße für seine teils spektakulären Tricks. Mit Erfolg. 2011 engagierte ihn das "Clarion", von dort arbeitete er sich hoch - erst ins "Riviera Las Vegas" und dann ins "Tropicana". Seine Spezialität waren Illusionen, die eine große körperliche Fitness verlangten. Rouven ließ sich von riesigen Bohrern aufspießen, gefesselt in einen Wassertank einschließen, von brennenden Kreissägen umgeben. "Der Mann mit den sieben Leben" lautete sein Beiname, den Entfesselungskünstler Houdini bezeichnete er als Vorbild. 2013 und 2015 wurden seine Magie-Shows als beste von Las Vegas ausgezeichnet, 2014 kürte ihn die weltgrößte Zauberervereinigung IMS zum "Illusionisten des Jahres". Sogar Requisiten des berühmten Duos Siegfried & Roy durfte der Kerpener benutzen, die beiden deutschen Zauberer unterstützten ihren Landsmann, wo sie nur konnten. Rouvens Traum von Kindesbeinen an war es gewesen, in der ersten Liga der Zauberer mitzumischen - am Ende hatte er es geschafft, seine eigenen Illusionen wahr werden zu lassen.

Um so tiefer war der Absturz. Die Vorwürfe gegen Rouven wiegen schwer. Mehr als 9000 Videos und Fotos, die Sex mit Minderjährigen, auch mit Kindern, zeigen, hätten die Ermittler in der weitläufigen, mehrere Millionen Dollar teuren Villa entdeckt, die Rouven mit seinem Mann und Manager Frank Alfter bewohnte. Unter Decknamen wie "Lars45" und "larusa22" habe er sich Dateien beschafft und verbreitet, gab die Anklage an. Alfter selbst soll bei dem Prozess nicht aussagen und wird nicht belangt.

Seit der Festnahme im März saß Rouven in Untersuchungshaft. Nach Angaben seines Anwalts Jeff Marchese verbringt er 23 Stunden in Einzelhaft, nur für eine Stunde dürfe er die Zelle verlassen. Es gebe keinen Kontakt zu anderen Gefangenen, zum eigenen Schutz, sagte Marchese - bei Kinderpornografie verstehen die Insassen keinen Spaß.

Bis zuletzt versicherte der Jurist, dass er die Unschuld seines Mandanten beweisen werde. Jemand anderes habe die Kinderpornos auf Jans Computer geladen, erklärte Marchese. Der Deutsche sei sehr gastfreundlich und habe stets Besucher im Haus gehabt, die leicht Zugang zu den Geräten gehabt hätten.

Zigmal war der Prozess gegen Rouven in den vergangenen Monaten verschoben worden, doch am Montag dieser Woche wurde es dann ernst. Die Anklage fuhr mit den Aussagen einer FBI-Ermittlerin schweres Geschütz auf. Am Ende war die Beweislast wohl so erdrückend, dass Rouven sich auf einen Deal mit der Staatsanwaltschaft einließ. Im Gegenzug für ein Geständnis kann die Strafe reduziert werden.

Sein Mandant sei bestimmt nicht "glücklich" über diesen Ausgang, sagte Rouvens Anwalt nach Angaben der Zeitung "Las Vegas Review Journal". Doch die Absprache sei in Rouvens bestem Interesse, um einen Schuldspruch in allen Punkten mit einer möglichen Höchststrafe zu vermeiden. Marchese versicherte demnach, er wolle die Richterin um die geringste Strafe von fünf Jahren bitten.

In der Casino-Stadt hat der Kerpener jedoch verspielt, selbst ein mildes Strafmaß würde daran nichts ändern. Sein Arbeitsvisum hat ihm die Einwanderungsbehörde bereits im Juni aberkannt. Nach Absitzen seiner Haftstrafe droht die Abschiebung. Diesmal hat sich der Magier in eine Lage manövriert, aus der ihn kein Trick der Welt wieder heraus zaubert.

Quelle: RP
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