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Nordspanien: Homosexuelle Praktiken hinter den Mauern?: Kloster Montserrat im Pech: Erst eine Sintflut, dann Sexskandal

zuletzt aktualisiert: 10.11.2000 - 08:19

Madrid (dpa). Erst eine Sintflut, dann ein Sexskandal. Das fast 1 000 Jahre alte Kloster in Montserrat im Nordosten Spaniens scheint eine regelrechte Pechsträhne zu haben. Im Juni waren nach heftigen Wolkenbrüchen ganze Lawinen von Geröll und Schlamm über das Nationalheiligtum der Region Katalonien hinweggegangen und hatten schwere Schäden verursacht. Nun geriet die heilige Stätte, eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Spaniens, in die Schlagzeilen wegen Enthüllungen über angebliche homosexuelle Praktiken hinter den Klostermauern.

Die angesehene Zeitung "El Pais" berichtete, unter den rund 80 Benediktiner-Mönchen herrsche Streit, weil einige Bewohner sich nicht an das Keuschheitsgebot hielten. "Einige Mönche beklagten sich über die homosexuellen Verhaltensweisen einer Minderheit ihrer Kollegen", schrieb Spaniens auflagenstärkste Tageszeitung. "

Aber nicht nur das. Manche beschwerten gar darüber, dass sich eine 'rosa Lobby' gebildet habe, die zu einem regelrechten Machtfaktor geworden sei und sich wichtige Posten gesichert habe."

Die Streitigkeiten hinter den Klostermauern seien auch der eigentliche Grund dafür gewesen, dass die Abte Cassia Just 1989 und Sebastia Bardolet im Mai dieses Jahres ihren Rücktritt erklärt hätten. Offiziell hatten beide Klosterleiter "persönliche Beweggründe" geltend gemacht.

Erzbischof wollte keine Messe halten

Der Erzbischof von Barcelona, Kardinal Ricard Maria Carles, soll sich nach Angaben der Zeitung auf Grund des Skandals geweigert haben, in Montserrat eine Messe zu halten. Die Enthüllungen sorgten für große Aufregung. Immerhin ist das in einer bizarren Felsenlandschaft in 725 Meter Höhe gelegene Kloster das Zentrum des geistlichen Lebens in Katalonien. Mit 1,5 Millionen Besuchern im Jahr ist es Spaniens zweitwichtigster Wallfahrtsort nach Santiago de Compostela.

Während der Franco-Diktatur (1939-1975) war Montserrat einer der wenigen Orte, an dem nicht nur Katalanisch gesprochen werden konnte, sondern auch Regimegegner Flugblätter drucken oder Versammlungen abhalten konnten. Die Leitung des Klosters reagierte zunächst eher zurückhaltend.

Der Prior Ramon Ribera sagte der Zeitung: "Homosexuelles Verhalten ist in dem Kloster nicht mehr verbreitet als in anderen Teilen der Gesellschaft." Der neue Abt Josep Maria Soler gab zu verstehen, das Problem befinde sich "auf dem Wege zu einer Lösung". Die betreffenden Mönche würden aus der Gemeinschaft ausscheiden. Zwei Tage später dementierte jedoch das Kloster den Zeitungsbericht. Die dort aufgestellten Behauptungen stellten die Wirklichkeit verzerrt dar.

Soler sagte der Zeitung "La Vanguardia": "Wir fühlen uns sehr verletzt. Anscheinend leben wir in einer Gesellschaft, die vom Sex besessen ist." "El Pais" blieb dagegen bei seinen Enthüllungen. Das Blatt berief sich dabei unter anderem auf die Aussagen mehrerer ehemaliger Mönche.

Quelle: RPO Archiv

 
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