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Hamburg
Koch gesteht Tötung eines Erpressers

Hamburg. In einem Hamburger Restaurant findet die Polizei unter dem Fußboden eine Leiche. Hintergrund der Tat ist Schutzgelderpressung. Von Bernhard Sprengel

Mehr als zwei Jahre lang bekommt ein Gastwirt in Hamburg jeden Monat Besuch von einem Schutzgelderpresser. Widerwillig zahlt der Koch immer 1000 Euro. Am 30. September 2015 eskaliert die Situation. Der 49 Jahre alte Erpresser legt eine Pistole auf den Tisch. "Wenn du nicht zahlst, geht einer von uns drauf", habe er gedroht, erklärt der 52 Jahre alte Koch vor dem Hamburger Landgericht. Am Ende war der 49-Jährige tot.

Der Fall gibt einen Einblick in die Schutzgelderpresser-Szene. Nur wenige Fälle werden publik. Der Koch erzählt nun vor Gericht, wie er sich die Waffe gegriffen und abgedrückt habe. Die Leiche des 49-Jährigen habe er in eine Grube im Nebenraum gezogen und mit Baumaterial zugedeckt. Sieben Wochen später findet die Polizei die Leiche.

Der Koch - weißes Hemd, dunkles Jackett, gepflegte, leicht ergraute Haare und modische Brille - ist wegen Totschlags angeklagt. Die Staatsanwaltschaft stellt den Ablauf ganz ähnlich wie der Angeklagte in seinem Geständnis dar. Demnach sei der Koch in Rage geraten, als der 49-Jährige die beiden Töchter ins Spiel gebracht habe. Die halfen im Sommer manchmal beim Bedienen auf der Terrasse. Wenn er nicht genug Geld habe, könnten doch die Töchter "arbeiten" gehen, habe der 49-Jährige gesagt. Damit sei gemeint gewesen, er solle sie auf den Strich schicken, erklärt der Angeklagte. Wütend habe er den Tisch umgeworfen. Bei dem Gerangel habe er die Pistole zu fassen gekriegt und geschossen. Der 49-Jährige starb an einer Halsverletzung.

Bis zu dem Tag sei das Restaurant nahe dem Hauptbahnhof gut gelaufen. Schauspieler, Polizisten, Ärzte und Rechtsanwälte seien unter den Gästen gewesen. 2012 sei der Erpresser das erste Mal gekommen, quasi als Freund. "Er war ein Schwätzer, der sich nicht abwimmeln ließ", erklärte der Angeklagte. Mitte 2013 ging es erstmals um Geld. Der Koch hatte einem anderen Gastronomen 1500 Euro geliehen - und nicht zurückbekommen. Eines Tages habe sich der Gastronom beschwert, dass über ihn schlecht geredet werde. Weil sein Name beschmutzt worden sei, habe er 5000 Euro verlangt. Der Erpresser habe sich als Beschützer dargestellt, dann aber die Geldforderung durchgesetzt. Von da an musste der Koch zahlen, insgesamt mindestens 25.000 Euro. Wenn er sich weigerte, pöbelten Männer Gäste auf der Terrasse an, oder es wurden Scheiben eingeschlagen.

Der Angeklagte ging nicht zur Polizei weil er Angst hatte und der Erpresser immer wieder freigesprochen worden sei, weil Zeugen sich nicht erinnern konnten. Er warf die Pistole in die Elbe, ging ins Lokal und ließ die Leiche in der Grube verschwinden, in der eigentlich ein Fettabscheider installiert werden sollte. Zur Tarnung verlegte er im gesamten Lokal einen neuen Fußboden. Er fuhr in den Urlaub und zwang sich danach, seine Arbeit wie gewohnt weiterzumachen. "Mir ging es sehr schlecht", bekennt er.

Die Polizei suchte nach dem vermissten 49-Jährigen in dem Restaurant, wo er zuletzt gesehen worden war. Ein Leichenspürhund schlug an. Im Gerichtssaal hat der 52-Jährige offenbar viele Sympathien auf seiner Seite. Er sei nicht vorbestraft, stellt der Richter fest. Das Opfer hingegen hatte 15 Eintragungen im Bundeszentralregister, darunter eine Verurteilung wegen versuchter Nötigung.

(dpa)
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