Mitarbeiter stürzte sich aus dem Fenster: Krefeld: Mobbing im Gesundheitsamt
zuletzt aktualisiert: 11.10.2002 - 09:43Krefeld (RP). Er wusste keinen Ausweg mehr. Jahrelang war er von seinem Chef gemobbt worden, obwohl er sich psychisch und physisch für den Job aufgerieben hatte. Nun war der 55-Jährige mit seinen Nerven am Ende.
Um 7.45 Uhr kletterte der Mitarbeiter des Krefelder Gesundheitsamtes auf das Fensterbrett seines Büros im zweiten Stock - und sprang in den vermeintlich sicheren Tod. Aber der 55-Jährige überlebte den Selbstmordversuch. Seit zwei Wochen liegt er schwer verletzt im künstlichen Koma.
Die Verzweiflungstat wirft ein Schlaglicht auf die Zustände in der Krefelder Gesundheitsverwaltung. Der 55-Jährige hatte einen Abschiedsbrief in der Tasche, der schwere Vorwürfe gegen seine Vorgesetzten enthält. Zahlreiche Ex-Kollegen meldeten sich bei der "Rheinischen Post". Sie erheben schwere Vorwürfe gegen den Leiter des Fachbereichs Gesundheit, Dr. Thomas Menn. Er soll seine Mitarbeiter jahrelang gequält haben - mit Wissen seiner Vorgesetzten, Oberbürgermeister Dieter Pützhofen und Stadtdirektor Jürgen Küper, der für den Bereich Gesundheit zuständig ist.
Bereits 1999 hatte es nach mehreren Beschwerden von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes ein Krisengespräch gegeben. Einzige Konsequenz: Künftig war bei Dienstgesprächen Stadtdirektor Jürgen Küper anwesend. In der restlichen Zeit waren die Mitarbeiter jedoch weiterhin den Schikanen ihres Vorgesetzten schutzlos ausgeliefert. Und der machte weiter wie bisher, setzte seine Leute unter Druck, tobte, riss Bilder von den Wänden, intrigierte.
Viele Mitarbeiter zogen Konsequenzen, gingen in den vorzeitigen Ruhestand oder kündigten. Rund 70 Prozent des Gesundheitsamtspersonals wechselte in der Amtszeit von Menn den Job. Mitarbeiter berichten von enorm hohen Krankenständen. Viele Kollegen seien in psychiatrischer Behandlung.
Heute wird sich das Schicksal des Fachbereichsleiters entscheiden. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass er in den vorzeitigen Ruhestand entlassen wird - bei vollen Bezügen. Seinen 55-jährigen Mitarbeiter wird das nicht wieder gesund machen. Er braucht noch mehrere Schutzengel, bevor er über den Berg sein wird. Sein Vorwurf in dem Abschiedsbrief: "Im Gesundheitsamt hat es Verbrechen an der Menschlichkeit gegeben."
Von BÄRBEL KLEINELSEN
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