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Leser-Einsendungen
Krippen mit Geschichte

Zum Fest gehört die Krippe: Unsere Leser erzählen von doppelten Königen und einem neuen Mann für Maria. Eine Auswahl.

Norbert Böttcher, Ratingen: In Kindheitstagen bastelte ich mit meinem älteren Bruder eine Krippe für die Familie. Es war jedes Jahr ein Fest, die Krippe am Heiligen Abend aufzubauen. Bei meiner eigenen Familiengründung wuchs der Wunsch wieder, eine eigene Krippe zu gestalten. Von einer Geschäftsreise nach Freiburg brachte ich eine Heilige Familie mit. Dort versicherte man mir, dass immer Figuren nachgekauft werden können. Der erste Aufbau begann an einem Samstagnachmittag auf unserem Sideboard. Grundlage bildeten etliche Bücher und Geländepapier aus dem Zubehör der elektrischen Eisenbahn.Wie es so ist, stürzte der Bücherturm öfters ein. Schließlich schafften wir es aber immer, eine schöne Landschaft zu zimmern. In jedem Jahr wurde im Familienrat entschieden, mit welcher Art von Figuren die Krippe ergänzt werden sollte. Es bürgerte sich ein, dass im Urlaub immer ein Teil für die Krippe erstanden wurde, als Andenken an eine schöne gemeinsame Zeit der Ferien. Die Kinder spielten die Weihnachtsgeschichte mit den Krippenfiguren nach. Vom Schnitzer gab es auch eine schwangere Maria, die natürlich für eine solche zeitliche Abfolge der Darstellung nicht fehlen durfte."

Nicole und Marcus Loeb mit Jacob (9), Jette (7) und Ida (4), Nettetal: "Schon als ich noch ein Kind war, liebte ich die Krippe meiner Oma. Sie hat mit Vogelsand und Tieren eine Welt geschaffen, in der es immer etwas zu entdecken gab. Gerade weil nicht alle Figuren zusammenpassten, hatte sie so einen Charme. Wer hatte schon Gürteltiere in der Krippe? Mein Vater hat uns in wochenlanger Handarbeit einen wunderschönen Krippenstall gebaut. Die großen, handgeschnitzten Holzfiguren stammen aus einem Nachlass.

Christa Palmen, Kaarst: "Wenn ich mir meine gerade aufgestellte Krippe anschaue, denke ich an meine Kindheit zurück. Meinen Eltern ging es nicht mehr so gut. Wir Kinder halfen, wo wir konnten, und wie es uns möglich war. So war es selbstverständlich, dass ich ihnen einen Tannenbaum besorgte und die Krippe aufbaute, die schon mehrere Generationen überlebte. Die Josefsfigur fiel mir leider beim Abbauen auf den Boden und ging kaputt und ich musste einen neuen Josef kaufen – das war nicht einfach."

Brigitte Laurenze, Mettmann: "Als unser Sohn fünf war, beschlossen wir, eine Krippe zu basteln. Für die Figuren kauften wir selbsthärtende Knetmasse. Mein Mann nahm sich den Josef vor und ich die Maria. Unser Sohn schaute von einem zum anderen, und dann legte er los. Er knetete Egons. Ganz viele, viele Egons – der Regenwurm war seine Lieblingsfigur aus ,Mein allerschönstes Buch von Tafel, Schwamm und Kreide' – und die haben wir noch und schmücken das Dach unserer Krippe mit ihnen."

Gertrud und Rolf Schlupp aus Düsseldorf: "Beim Bau unserer Krippe im Jahr 1978 haben alle Familienmitglieder mitgeholfen. Unser älterer Sohn hat alle Figuren aus Draht und Stoff für die Krippe selbst gemacht, sodass man sie auch bewegen kann. Die Köpfe und Hände sind aus Ton. Und unser jüngerer Sohn hat die Tiere aus Ton gefertigt. Mein Mann hat den Stall gebaut, und ich habe die Kleider genäht – streng nach Vorschrift unserer beiden Söhne. Die Krippe ist für uns besonders kostbar, weil unser älterer Sohn 1987 tödlich verunglückt ist."

Herbert Blank aus Neuss: "Als unsere Söhne Martin, Ludger und Roland (geboren 1985, '87 und '89) klein waren, wünschten sie sich eine Krippe. Nachdem die Umbauarbeiten an unserem alten Haus, das wir gerade erworben hatten, im Wesentlichen abgeschlossen waren, begann ich mit dem Bau der Krippe. Die Figuren fertigten wir aus einer selbsthärtenden Modelliermasse. Das Holz für den Stall stammte von einem 300 Jahre alten Eichenbalken aus einem ehemaligen Kloster im Ortsteil Eppinghoven, der noch bei meinen Eltern zu Hause lag. Mein Vater, der Handwerker war, hatte ihn bei Restaurierungsarbeiten in dem Kloster ersetzt und durfte ihn dann mitnehmen. Daraus sind neben dem Gerüst auch die Schindeln, der Brunnen und die Eimer entstanden. Unsere Söhne haben dann jedes Jahr neue Wünsche geäußert: ,Papa, mach doch mal ein Kamel, einen Elefanten, ein Pferd!' So sind jedes Jahr neue Figuren hinzugekommen. Auch unsere drei Söhne haben einen Platz in der Krippe gefunden – die ihnen nachempfundenen kleinen Figuren tragen dieselben Pullover, die meine Frau damals in einer größeren Version für die Jungs gestrickt hatte."

Birgit Schwamborn, Neuss: "Unsere Krippenfiguren stammen aus der Familie meines Mannes. Da gibt es – selbstverständlich – einen schwarzen "Weisen" aus dem Morgenland. Die beiden anderen aber sind – Zwillinge! Genau weiß niemand mehr, warum das so ist. Unsere Kinder haben den Eingriff in die Weihnachtsgeschichte ohne Schäden überlebt. Sollte es mal eine nächste Generation geben, wird sich auch die mit den Zwillingen arrangieren müssen, denn in einem Punkt sind wir uns einig: die Zwillinge bleiben!"

Barbara Wierig, Neuss: "2010 entdeckte ich sie im Sperrmüll, in einem kleinen weißen Karton – 20 Zentimeter lang, zwölf Zentimeter hoch. Alle Figuren waren noch intakt: Josef, Maria und Jesus, zudem ein Engel, Hirte und zwei Schafe. Das Modell stammte original aus dem Erzgebirge. Seit fünf Jahren steht die kleine Krippe jetzt von der Adventszeit bis zum 2. Februar bei mir im Wohnzimmer. Ich kann immer noch nicht glauben, dass jemand so etwas Schönes weggeworfen hat."

Achim Stillger, Wermelskirchen: "Vor fünf Jahren, meine Enkelin war sechs Jahre alt geworden, beschloss ich, für sie zu Weihnachten eine kleine Krippe zu basteln. Für das Schmiedefeuer brauchte ich eine flackernde Lichtquelle. In einem kleinen Geschäft in Memmingen (Allgäu) wurde ich fündig. Die Inhaberin fragte mich, ob ich einen zweiten Trafo für dieses Licht hätte. Auf meine Frage warum, antwortete sie in ihrem Dialekt: ,Wenn Sie des nit hänt, dann habens ne Dischko in Ihrer Krippn.'"

Familie Wiegandt, Xanten: "Die ältesten Krippenfiguren stammen noch von meinen Großeltern. Mit den Jahren ist die Krippe gewachsen und erweitert worden. Erst kamen ein paar Schafe hinzu und nach und nach weitere Figuren, so dass die Krippe immer größer werden musste. Seit 20 Jahren fahren wir jedes Jahr mit den Kindern und meiner Mutter nach Kevelaer zur lebendigen Krippe und kaufen eine Figur oder ein Zubehörteil hinzu. Eine Woche vor Weihnachten wird die Krippe aufgestellt, da es immer einen ganzen Tag in Anspruch nimmt, sie aufzubauen. Als unsere Zwillinge klein waren, begannen wir ein Spiel: Da die Krippe so viele Details aufweist, haben wir eine Walnuss irgendwo zwischen den Tieren versteckt und dann begann das Suchen. Wer die Nuss als erster gefunden hatte, durfte nun ein neues ,Versteck' aussuchen. Da wurde dann oft ein Weihnachtsgeschenk zur Nebensache, da man auch mit so einfachen Spielen die ganze Familie um den Baum versammeln und die Krippe auch mal unter einem ganz anderen Blick betrachten konnte."

Gabriele Breuer, Erkrath: "Meine Eltern haben 1921 geheiratet, und zu dieser Zeit muss die Krippe in unsere Familie gekommen sein. Jedes Jahr, seitdem ich mich entsinnen kann, wurde sie Heiligabend aufgestellt. Bei uns blieb sie immer bis zum 2. Februar aufgebaut, bis zu Mariä Lichtmess. Zum Glück haben wir unsere Krippe auch im Jahr 1945 pünktlich abgebaut, denn am 9. Februar 1945 wurde unser Haus im Sauerland von einer Bombe getroffen. Nur weil die Krippe schon wieder im Keller lagerte, hat sie diesen Angriff unbeschadet überstanden."

Quelle: RP
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