Aufhebung des Urteils gefordert: Kritik an Haftstrafe für Filmemacher Panahi
zuletzt aktualisiert: 22.12.2010 - 17:49Berlin (RPO). Die Verurteilung des iranischen Filmemachers Dschafar Panahi ist in Deutschland auf scharfe Kritik gestoßen. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), nannte die Entscheidung am Mittwoch "inakzeptabel" und forderte Teheran auf, dass Urteil gegen den Regisseur aufzuheben. Berlinale-Direktor Dieter Kosslick sicherte Panahi "umfassende Unterstützung" zu.
Die Verurteilung zu sechs Jahren Haft und einem 20-jährigen Berufs- und Reiseverbot sei "empörend", erklärte Löning in Berlin. Panahi werde damit "gleichzeitig die Existenzgrundlage entzogen und die Wahrung seiner bürgerlichen und politischen Rechte verwehrt".
Es sei aber auch deswegen "bestürzend", weil Panahis Filme vielen Menschen auf der Welt in den vergangenen Jahren einen Einblick in die iranische Gesellschaft gegeben und damit wesentlich zum interkulturellen Dialog beigetragen hätten. Löning forderte, der Iran müsse "endlich die fundamentalen Menschen- und Bürgerrechte achten, zu deren Einhaltung sich das Land selbst verpflichtet hat".
Harte Strafe für künstlerische Arbeit
"Besorgt" und "entrüstet" zeigte sich auch Berlinale-Chef Kosslick. "Es ist erschütternd, dass ein renommierter Regisseur so hart für seine künstlerische Arbeit bestraft wird", erklärte der Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Die Verurteilung Panahis und seines Regie-Kollegen Mohammed Rasulof sei ein Verstoß gegen die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst. Panahi war zuvor in die internationale Jury der 61. Berlinale im Februar kommenden Jahres eingeladen worden.
Wegen einer Versammlung und "Propaganda gegen das System" war der iranische Filmemacher am Montag zu sechs Jahren Haft und einem 20-jährigen Berufs- und Reiseverbot verurteilt worden. Panahi, der offen die Oppositionsbewegung gegen den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad unterstützt, war am 1. März gemeinsam mit 16 Mitstreitern in seinem Haus in Teheran verhaftet worden, darunter auch seine Frau und seine Tochter. Die meisten wurden kurze Zeit später wieder freigelassen. Wie Panahi wurde in einem ähnlichen Verfahren der junge iranische Regisseur Rasulof zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.
Die Festnahme des Filmemachers hatte international Proteste hervorgerufen, dem sich auch Star-Regisseure wie Steven Spielberg, Martin Scorsese und Oliver Stone anschlossen. Panahi zählt zu den im Ausland bekanntesten Regisseuren aus dem Iran. Er erhielt unter anderem bei der Berlinale 2006 den Silbernen Bären für sein Werk "Offside". 2000 wurde er beim Filmfestival von Venedig für den Film "Der Kreis" mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, 1995 gewann er die Goldene Kamera in Cannes mit dem Streifen "Der weiße Ballon".
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