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Luftwaffe zerbombt Eisstaus: Kritische Hochwasserlage in Sibirien

zuletzt aktualisiert: 18.05.2001 - 17:52

Moskau (rpo). Die Hochwasserlage in weiten Teilen Russlands ist am Freitag immer kritischer geworden. Vom Wolga-Gebiet über den Ural und Sibirien bis zum Fernen Osten Russlands traten Flüsse über die Ufer. Insgesamt hatte das Hochwasser bereits 38 Siedlungen und Orte erreicht, in denen zusammen rund 54 000 Menschen lebten. Eine extrem kritische Lage in Sibirien entlang des Stromes Lena wurde mit Bombenabwürfen durch Kampfflugzeuge auf aufgestaute Eisschollen vorerst entschärft.

In dem am schlimmsten betroffenen Ort Lensk erreichte der Pegelstand am Mittag 20,13 Meter, sieben Meter über der Hochwassergrenze, teilte der russische Zivilschutz mit. In den Häusern schwappte das Wasser bis in den zweiten Stock, während auf den Dächern immer noch vereinzelte Bewohner auf Rettung warteten. Nach Schätzungen des Zivilschutz-Ministers hatte das Hochwasser innerhalb weniger Tage in Lensk rund 1 700 Häuser zerstört. Weitere 400 Häuser waren von den reißenden Fluten einfach weggespült worden.

Die 27 000-Einwohner-Stadt war zuvor bereits vollständig evakuiert worden. In kilometerlangen Autobus-Kolonnen wurde die Bevölkerung nach Mirny gebracht, wo die Zivilschutzbehörden eine Zeltstadt errichtet hatten.

Kampfbomber der Armee und Hubschrauber warfen im Dauereinsatz Bomben auf eine Barriere verkeilter Eisschollen etwa 70 Kilometer stromabwärts von Lensk. Der Eisstau löste sich am frühen Nachmittag teilweise auf, woraufhin der Wasserpegel in Lensk zunächst um knapp zwei Meter sank.

Stromabwärts entlang der Lena wurden zahlreiche Dörfer vor der erwarteten Flutwelle in Sicherheit gebracht. Bei Jakutsk im befahrbaren Teil der Lena stand ein Eisbrecher unter Dampf, um ein Aufstauen der Eisschollen zu verhindern. Nach Berechnungen der Behörden wird die Flutwelle die Stadt am Montag kommender Woche erreichen und Teile von Jakutsk unter Wasser setzen.

Als Grund für die schwersten Überflutungen seit über 100 Jahren in Sibirien nannten Experten den strengen Winter. Bei wochenlangen Minusgraden von 50 Grad froren die Flüsse tiefer als üblich zu. Das Eis taue jetzt langsamer auf.

Die Bevölkerung Sibiriens und des russischen Fernen Ostens war bereits im Winter wiederholt in Notlagen geraten, als während des extremen Dauerfrostes die Fernheizungen ausfielen. Die zuständigen Behörden hatten - teils durch Schlamperei, teils wegen Korruption - versäumt, entsprechende Vorräte an Kohle und Heizöl anzulegen. Bei Temperaturen unter 30 Grad Minus brach zudem in vielen Städten die Stromversorgung zusammen, als die Bewohner mit der Zuschaltung ihrer elektrischen Heizgeräte die Netze überlasteten.

Neben dem Hochwasser sorgte das milde Wetter im Fernen Osten Russlands für eine weitere Bedrohung - Waldbrände. In der Region Chabarowsk und auf der Halbinsel Kamtschatka standen am Freitag knapp 4000 Hektar Wald in Flammen. Hunderte von Feuerwehrleuten waren an den 27 Brandherden im Einsatz. Noch Mitte der Woche waren rund 60 Brandherde gezählt worden, doch war ein Teil durch Regenschauer gelöscht worden.

Quelle: RPO Archiv

 
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