Privatkliniken sind günstiger als in den USA: Kubas Devisen: Drogenentzug und Schönheits-OPs
zuletzt aktualisiert: 15.08.2001 - 07:19Havanna (rpo). Bisher ist der Tourismus eine der Haupteinnahmequellen für die Karibikinsel Kuba gewesen. Jetzt hat das sozialistische Land zwei Varianten des Tourismus entdeckt: Drogenentzug und Schönheitsoperationen.
Fußballstar Diego Maradona hat's vorgemacht, er gilt als bisher prominentester Drogen-Patient Kubas. Während seiner Therapie im Jahr 2000 hatte er sich als zufriedener Patient "geoutet" und kräftig die Werbetrommel für Fidel Castros Ärzte und Kliniken gerührt. Die Nachfrage von Stars, Sternchen und Magnaten nach Entzugs-, Gesundheits- und Verschönerungsprogrammen ist nicht erst nach der Behandlung des Argentiniers steigend. Der Gesundheitssektor hilft kräftig, die Devisenkasse des sozialistischen Staates aufzubessern.
Kubas Preise für solche Behandlungen sind für ausländische Gäste günstiger als Privatkliniken in den USA oder Deutschland. Dies bestätigt auch Marlene Fuentes Lopez, Pressesprecherin beim staatlichen Unternehmen Cubanacan Turismo y Salud (Tourismus und Gesundheit). Diskretion sei selbstverständlich. "Namen nennen wir nur, wenn der Patient selbst in die Öffentlichkeit geht."
Das Angebot für Devisen-Zahler auf der größten Karibikinsel umfasst auch Antistress-Behandlung, Geschwulstentfernungen, Augenoperationen, Behandlungen bei Nervenerkrankungen, Parkinson und Alzheimer sowie das weite Feld der Schönheitschirurgie. Gesicht entfalten, Nase begradigen, Fett absaugen, Hinterteil straffen: Nichts scheint unmöglich. Und kräftig gewachsene Oberweiten von Patientinnen aus vielen Ländern füllen nach einer Kuba-Visite neue Körbchengrößen und das Staatssäckel.
Eine Schönheitsoperation kostet in vielen Fällen gut die Hälfte, ein Klinikbett etwa 30 bis 40 Prozent von dem, was in vielen Ländern Europas berechnet wird. Dazu kommen die Anreisekosten. Mancher Gast kombiniert seine Behandlung mit Urlaub an den Stränden von Varadero.
Inzwischen hat das Cubanacan-Imperium für sein Gesundheitsprogramm Büros in größeren Hauptstädten Lateinamerikas sowie in Madrid. "Die ärztliche Betreuung ist in Kuba besonders intensiv, wenn nötig und gewünscht kümmert sich ein Arzt nur um einen Patienten," sagt Fuentes. Auf manchen Spezialgebieten gilt Kuba als führend. Das gilt für die von Professor Orfilio Pelaez, der vor wenigen Monaten starb, und seinem Team geschaffene spezielle Operations- und Heilmethode bei der schweren Augenerkrankung Retinosis Pigmetaria.
Cubanacan Turismo y Salud umfasst 16 medizinische Institutionen, erläutert Präsident Jose E. Caran. Dazu zählen Krankenhäuser und Apotheken an allen wichtigen Touristenorten auch zur Behandlung akuter Erkrankungen und Unfälle sowie Spezialhäuser wie die "Clinika Central Cira Garcia" in Havanna. Ciren steht für Centro de Restauracion Neurologica. Neben neurologischen Fachärzten zur Behandlung von Nerven- und Gehirnerkrankungen sind hier auch Schönheitschirurgen mit dem Skalpell bei der Arbeit. Zu den Patienten zählen Geschäftsleute, Diplomaten und Gesundheitstouristen. Offiziell verdient ein Arzt um die 600 Peso im Monat, etwa 30 Dollar (rund 65 Mark/33 Euro). Viele der Patienten bedanken sich bei den Medizinern statt mit Blumen und Pralinen mit US-Währung in der Hand.
Maradona ließ sich vor den Toren der Hauptstadt im Klinik-Hotel "La Pradera" über ein halbes Jahr behandeln, nachdem der Weltmeister von 1986 zuvor fast an einer Überdosis Kokain gestorben war. Gepflegtes Ambiente, geräumige Zimmer, tropischer Garten gehören zu der Anlage. Wer zur Nachbehandlung seinen kubanischen Arzt noch für einige Monate nach Hause nehmen will, kein Problem. Außer US-Dollar werden auch DM, Euro und andere harte Währungen akzeptiert.
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