Eine neue Aufgabe für den Ex-Politiker: Lafontaine wirbt für Joghurt
zuletzt aktualisiert: 02.03.2000 - 13:20Saarbrücken (dpa). Rund ein Jahr ist es her, seit Oskar Lafontaine am 11. März 1999 den Vorsitz der Bundes-SPD und das Amt des Bundesfinanzministers in Bonn Knall auf Fall hinwarf. Das Mannschaftspiel in der Regierung habe nicht mehr gestimmt, erläuterte er später. Seit dieser Zeit ist "Oskar" Deutschlands prominentester Privatmann und gut bezahlter Frührentner.
Nicht nur mit mehr als 100 000 Mark staatlichem Übergangsgeld und monatlich 11 000 Mark Pension sowie seinem bisher schon mehr als 300 000 mal verkauften Buch- Bestseller "Das Herz schlägt links" konnte er Kasse machen. Zusammen mit Honoraren von Autorenlesungen, Fernsehauftritten und selbst angestrengten Prozessen gegen unberechtigte Werbung mit seinem Namen verdiente Lafontaine 1999/2000 auf jeden Fall mehr Geld als in seinen besten Politikerjahren.
Demnächst soll der "Genosse Genießer" in einem auf der Ferieninsel Mallorca gedrehten neuen TV-Werbespot für Joghurt einer Münchner Firma (Danone) mit dem Spruch werben: "Das ist eine gute Wahl." Sein sechsstelliges Honorar aus der Werbung will er dem von seiner Ehefrau Christa Müller gegründeten Verein (I)ntact spenden, der Frauen und Mädchen helfen will, die Opfer einer Beschneidung wurden.
Dennoch wollen in Lafontaines saarländischer Heimat Stimmen nicht verstummen, die besagen, dass "Oskar" vor allem die politische Macht vermisse und er deshalb ein politisches Comeback plane. Voreilige Meldungen, Lafontaine wolle 2001 wieder "ganz unten" anfangen und sich als SPD-Kandidat zur Wahl als Saarbrücker Oberbürgermeister stellen, hatte Lafontaine allerdings ganz schnell dementiert. "Vergesst es, Freunde", sagte er. Sonst schweigt er aber beharrlich - und lässt sich - befragt nach seinen persönlichen Plänen für ein neues Buch oder die Rückkehr in die Politik - bestenfalls mal ein "die Termine bestimme ich selbst" entlocken.
Über eine Teilnahme am nächsten Landesparteitag der Saar-SPD im April und einen eventuellen Rednerauftritt hat Lafontaine noch nicht entschieden. Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, spricht er auf einer Gewerkschaftskundgebung der IG Metall in Salzgitter in Niedersachsen. In der Saar-SPD, so hat der amtierende SPD-Landeschef und Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt gesagt, sei für "Oskar" immer ein Stuhl frei. Allerdings war die Saar-SPD zuletzt bei der Aufhebung des verschärften Presserechts ("Lex Lafontaine") auf mehr Distanz zu ihm gegangen. Und führende saarländische IG-Metall-Funktionäre kennen Genossen, die offen drohen: "Wenn Oskar nochmals in der Partei hochkommt, trete ich aus."
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