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Magdeburg wird vorerst nicht evakuiert: Lage in Sachsen trotz sinkender Pegelstände angespannt

zuletzt aktualisiert: 19.08.2002 - 21:59

Dresden (rpo). Die Hochwasserlage bleibt in Sachsen trotz sinkender Pegelstände an der Elbe weiter kritisch. Der Leiter der Staatskanzlei, Stanislaw Tillich, sagte am Montag in Dresden, es wäre leichtsinnig, von einer Entspannung zu reden.

Kritisch sei die Lage vor allem in Torgau. Dort seien die Helfer mit der Verteidigung von Deichen beschäftigt. Der Schwerpunkt der Aktionen liege bei der Sicherung von zwei Wasserwerken, die auch überregionale Bedeutung hätten.

Der Leiter des Krisenstabs im sächsischen Innenministerium, Karl Bey, betonte, dass die Gefahr in Torgau von den durchnässten Deichen ausgehe. An einigen Stellen sei bereits Wasser durchgedrungen. Solange der Druck auf die Deiche anhalte, bestehe die Gefahr, dass sie brechen könnten, sagte eine Sprecherin des Krisenstabes.

Die Stadt Meißen hat um 18.00 Uhr den Katastrophenalarm wieder aufgehoben, wie ein Offizier der Bundeswehr mitteilte. In Dresden blieb der Alarm noch bestehen.

Evakuierte, die in ihre Häuser zurückkehren wollen, haben in Dresden ein Verkehrschaos verursacht. Grund sei, dass von den sechs Elbebrücken nur zwei für den Verkehr geöffnet seien, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung. Es sei bis jetzt nur ratsam, in den Stadtteil Kaditz-Mickten zurückzukehren. In allen acht weiteren überfluteten Stadtteilen bestehe nach wie vor die Gefahr, dass das hohe Grundwasser die Statik der Häuser beeinträchtige. Die Trinkwasserversorgung sei gesichert, auch die Stromversorgung funktioniere fast überall wieder, desgleichen die Fernwärmeversorgung.

Der Elbe-Pegel in Dresden stand um 17.00 Uhr bei 7,09 Meter. Für den Dienstagmorgen wird ein Stand von 6,30 Meter erwartet. In Torgau lag der Pegel bei 8,70 Meter. Die Tendenz ist überall fallend.

Vorerst keine Evakuierungen in Magdeburg

In Magdeburg wird es vorerst weiterhin keine großflächigen Evakuierungen wegen der Jahrhundertflut geben. Das teilte Oberbürgermeister Lutz Trümper mit. Die Schwachstellen an den Elbdeichen seien beherrschbar, so Trümper.

Oberbürgermeister Lutz Trümper erklärte nach der Sitzung, Experten sähen keine akute Gefahr. Im Kreis Wittenberg weiter flussaufwärts kämpften Tausende Helfer weiter gegen die Fluten der Elbe. Ebenso kritisch war die Lage weiter stromaufwärts in Torgau in Sachsen.

In Magdeburg wurde der Hochwasserscheitel auf dem Fluss für die Nacht zum Dienstag erwartet, nachdem man ursprünglich erst für Mittwoch damit gerechnet hatte. Trümper sagte, vorhandene Schwachstellen an den Deichen am südöstlichen Stadtrand seien beherrschbar. Fachkräfte von Bundeswehr und Technischem Hilfswerk sollten dort die Nacht über arbeiten. Trümper rief aber die Bewohner der östlichen Stadtteile auf, das Gebiet zu verlassen, wenn die Gelegenheit dazu bestehe.

Die Menschen hätten mit dem Aufräumen vollauf zu tun, sagte die Sprecherin in Dresden. Die Stadt habe Container aufgestellt, wo Flutopfer ihren Müll entsorgen könnten. Zudem sei es Privatpersonen und Firmen möglich, kostenfrei ihren Müll auf einer städtischen Deponie abzuliefern.

Russische Hilfe

Am Montagabend ist nach Auskunft einer Flughafensprecherin eine russische Transportmaschine eingetroffen. Sie hatte zwei Amphibienfahrzeuge an Bord. Am Dienstag soll zudem eine Kolonne mit 24 Fahrzeugen und 60 Helfern aus Moskau nach Dresden in Marsch gesetzt werden. Diese Wasserrettungsgruppe werde im Raum Dresden eingesetzt werden, sagte Tillich.

Die Jahrhundertflut hat 15 Todesopfer in Sachsen gefordert. 108 Personen wurden verletzt und 25 werden noch vermisst. Nach Schätzungen des Wirtschaftsministeriums wurden landesweit 740 Kilometer Straßen und 180 Brücken beschädigt oder zerstört - das am stärksten betroffene Elbtal nicht eingerechnet. Ein Fünftel des sächsischen Schienennetzes ist beschädigt. Den Gesamtschaden hatte Ministerpräsident Georg Milbradt auf bis zu fünf Milliarden Euro beziffert.

Quelle: RPO Archiv

 
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