Jeder dritte ist frustriert oder hat resigniert: Lehrer fühlen sich ausgebrannt
zuletzt aktualisiert: 02.11.2000 - 17:19Berlin (AP). Jeder dritte der über eine Million Lehrer in Deutschland ist frustriert, hat resigniert, fühlt sich regelrecht ausgebrannt. Das ist ein Zwischenergebnis einer Studie über den "Stress im Klassenzimmer", die der Deutsche Beamtenbund (DBB) am Donnerstag in Berlin vorstellte. Die Untersuchung von Forschern der Universität Potsdam geht davon aus, dass krank machender Stress nicht allein von der Arbeitsbelastung abhängt, sondern vielmehr davon, wie der Einzelne damit umgeht.
Der stellvertretende DBB-Vorsitzende Peter Heesen wies darauf hin, dass Lehrer durchschnittlich mit 57 oder 58 Jahren aus dem Beruf ausschieden. Angesichts der Besorgnis erregend steigenden Zahl krankheitsbedingter Frühpensionierungen sei eine Prüfung der Arbeitsbelastung notwendig, die über die Diskussion um Pflichtstundenzahlen hinausgehe. Als "Kernproblem" nannte Heesen die großen Klassen mit in der Regel über 30 Schülern. Viele von ihnen brächten nicht mehr die Erziehung aus dem Elternhaus mit wie noch vor 20 Jahren.
Probleme stellten auch die veränderten Familienstrukturen dar und der wachsende Medienkonsum. Alkohol, Drogen und Gewalt an Schulen nähmen zu. "Dem ist man als Lehrer ausgesetzt, und nicht jeder ist dem gewachsen", sagte Heesen. Viele fühlten sich mit der Erfüllung ihrer Aufgaben allein gelassen. Dies liege aber auch am Lehrer selbst, räumte Heesen ein: Zu Individualisten ausgebildet, müssten sie Teamgeist und Solidarität entwickeln.
Mit der Bewältigung der Belastung setzt sich die seit sechs Jahren laufende Studie des Psychologen Uwe Schaarschmidt auseinander, die der DBB künftig fördert. An erster Stelle der Klageliste steht nach Worten des Potsdamer Professors das Verhalten schwieriger Schüler, danach die Klassenstärke, erst an dritter Stelle die Stundenzahl. Wer die Arbeitsstunden als Leid erlebe, finde sie unzumutbar, wer Freude empfinde, sehe sie nicht als Belastung.
3.000 Lehrer untersucht
Bei Untersuchung von rund 3.000 Lehrern fand Schaarschmidt mehrere Verhaltensmuster, von denen zwei als gesundheitlich riskant betrachtet werden. Bundesweit gleichmäßig zeigte dabei ein Drittel ein regelrechtes "Burnout-Syndrom" mit vorherrschender Resignation und geringer Motivation. Ein weiterer großer Teil litt darunter, für großes, sogar überzogenes Engagement keine angemessene Belohnung zu empfinden: "Man investiert gefühlsmäßig viel, bekommt aber wenig zurück", erklärte der Psychologe. Dieses Verhalten war regional sehr unterschiedlich: In Bayern etwa zeigten es 13 Prozent, in Brandenburg aber 40 Prozent.
Bei dem resignierten Frust-Typ finden sich Schaarschmidt zufolge zufolge viele, die ungünstige Voraussetzungen für den Beruf mitbrachten, die zum Beispiel "Lehrer geworden sind, weil es sonst nichts gab". Und auch Menschen mit Kommunikationsschwierigkeiten seien eben nicht als Lehrer geeignet.
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