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Umstrittener Entertainer
Bill Cosby wird 80 Jahre alt

Bill Cosby wird 80: Seine Karriere scheint endgültig zerschlagen
Schauspieler Harry Belafonte (v.l.), Bill Cosby und Sidney Poitier Anfang der 70-er Jahre. FOTO: dpa
Norristown. Als TV-Papa, Witzemacher und moralische Instanz gehörte Bill Cosby ins Abendprogramm von Millionen. Heute denken viele Amerikaner an das Wort Sexualstraftäter, wenn sie den Namen des Entertainers hören. Zu seinem 80. Geburtstag scheint Cosbys Karriere endgültig zerschlagen.

Die 52 Stunden dürften nicht nur für Bill Cosby wie eine kleine Ewigkeit gewirkt haben. Wieder und wieder zogen sich die Geschworenen zurück, wieder und wieder kamen sie ohne Urteil in den Gerichtssaal. Die Jurymitglieder in Pennsylvania, deren Beratungen im Strafprozess gegen den Entertainer im ergebnislosen Patt endeten, waren gespalten. Vielen Amerikanern geht es heute ähnlich: Ist dieser Mann ein Sexualstraftäter, der hinter Gitter gehört, oder Opfer einer nicht endenden Schmutzkampagne?

80 Jahre wird Bill Cosby am heutigen 12. Juli alt. Viel scheint er in seiner Karriere als Entertainer zu diesem späten Jubiläum nicht mehr retten zu können. Immer schneller hatte sich die Abwärtsspirale gedreht, als die Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen ihn laut wurden. Verurteilt worden ist er wegen keiner dieser mutmaßlichen Vergehen.

Video: "Er hat uns versklavt"

Doch das Image des ekelerregenden, übergriffigen Mannes scheint sich selbst in Köpfen manch früherer Fans festgesetzt zu haben. "Amerikas missbrauchender Vater", titelte der "Boston Globe" Ende Mai - der Prozess gegen Cosby hatte da noch nicht einmal begonnen.

Beliebtester Witze-Papa der USA 

Weit weg scheint heute der William Henry Cosby, der 1966 mit der Krimi-Serie "Tennisschläger und Kanonen" als erster schwarzer Schauspieler einen Emmy gewann. Jener, der die von Weißen beherrschte TV-Welt für Afroamerikaner öffnete und sich in der "Bill Cosby Show" zum beliebtesten Witze-Papa der USA ulkte. Für Millionen gehörten seine Gags gepaart mit herzerwärmenden Geschichten des Alltags und einer sanften Moral abends zum Pflichtprogramm.

Mehr als 50 Frauen haben Cosby mittlerweile sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Auch ohne Verurteilung verwandelte er sich in ein Symbol aller Männer, deren Sexualverbrechen zu spät, zu langsam oder überhaupt nicht verfolgt und bestraft werden. Er wurde zum Stellvertreter jedes einzelnen College-Studenten, der sich auf einer Party an einem betrunkenen, schlafenden Mädchen vergreift.

Bill Cosby erscheint vor Gericht in Norristown FOTO: ap

Und das Verfahren in Norristown, das neu verhandelt werden soll, war noch größer: Ruhm, Macht, Geschlecht, Hautfarbe, Kriminalität - der Fall Cosby bewegt sich in ähnlichen Sphären wie der spektakuläre und höchst umstrittene Prozess gegen Football-Star O. J. Simpson im Jahr 1995. Beide Afroamerikaner verdienten ein Vermögen, beide genossen das Ansehen von Millionen, beide stürzten durch einen Strafprozess in kollektive Ungnade. Gesichter Amerikas, die dann verblassten.

Doch im Fall Simpson schwang Rassismus mit - seine weiße Ex-Frau Nicole und deren Liebhaber waren 1994 ermordet worden. Und das juristische Spektakel entfaltete sich live vor TV-Publikum im promi- und klatschhungrigen Los Angeles, nicht in einem gemütlichen Vorort von Philadelphia. Und: Die Sex-Vorwürfe gegen Cosby wogen und wiegen schwer, aber Simpson wurde des doppelten Mordes angeklagt - und freigesprochen. Nacherzählt wird der Fall Simpson derzeit in der TV-Serie "American Crime Story" - er rüttelt vor allem Krimi-Fans bis heute auf.

Zeit für neue Idole

Der Name Bill Cosby scheint weiter zu schwinden. Cosby war einmal das Gesicht des schwarzen Amerika, lang bevor ein Mann Namens Barack Obama ans Rednerpult trat. Aber junge Afroamerikaner haben heute neue und andere Idole - Musiker, Comedians, Filmemacher - mögen sie nun Kanye West und Beyoncé, Chris Rock und Dave Chapelle oder Barry Jenkins und Jordan Peele heißen.

Cosbys Familie hält in diesen Tagen - zumindest öffentlich - zu ihm. Seine Frau Camille aus mehr als 50 Jahren Ehe bezeichnete Richter Steven O'Neill nach Prozessende als "offensichtlich arrogant", auch eine von Cosbys vier Töchtern hatte ihren Vater in Schutz genommen.

Cosby mag seine Frau betrogen und sich vielleicht sogar mit grauenvollen, schmutzigen Verbrechen strafbar gemacht haben. Aber die Werte des Zusammenhalts in der Familie, die seine beliebte Sitcom einst lehrte, scheinen im Hause Cosby noch etwas zu gelten.

(mro/dpa)
 
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