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Projekt in Genf
Bill Gates kreiert Kot-Parfüms für bessere Hygiene

Bill Gates: Unternehmer kreiert Kot-Parfüm für bessere Hygiene
Bill Gates schnuppert an der Probe. FOTO: Screenshot: Youtube: thegatesnotes
Düsseldorf. Ein Parfüm, das nach Ausscheidungen riecht? Das Unternehmen, mit dem Bill Gates für sein aktuelles Charity-Projekt zusammenarbeitet hat, kreiert normalerweise angenehme Düfte. Die Wissenschaft des schlechten Geruchs hat in diesem Fall das Ziel, die Hygienebedingungen in armen Ländern zu verbessern. Von Isabella Schütz-Worszeck

Bill Gates will mit dem ungewöhnlichen Projekt gegen die mangelnde Hygiene in Drittwelt-Ländern vorgehen. Auf seinem Blog "gatesnotes" berichtete der Unternehmer kürzlich von dem ungewöhnlichen Forschungsprojekt.

Wie Gates im zugehörigen Youtube-Video "Smells of Success" erklärt, haben viele Menschen in armen Ländern keinen Zugang zu richtigen Toiletten, was dazu führt, dass sie krank werden. Rund 800.000 Kinder sterben jährlich aufgrund mangelnder Hygiene. Sie sterben an Durchfallerkrankungen, Lungenentzzündung und anderen Infektionen, die auf unreines Wasser zurückzuführen sind, sagt Gates. Neben dem großen Leid entstehe auch ein enormer wirtschaftlicher Schaden – in Indien kosten die schlechten Sanitäranlagen jährlich umgerechnet um die 55 Milliarden US-Dollar.

Der Grund für die schlechten Grundwasserwerte sei, dass die Menschen die vorhandenen öffentlichen Toiletten nicht benutzen, weil sie schlecht riechen würden, sagt Gates. Teilweise handelt es sich um simple Plumpsklos. Viele bevorzugen es, draußen im Freien ihr Geschäft zu verrichten – somit geraten Bakterien ins Grund- und Trinkwasser.

Die einfachste Lösung, um die Toilettennutzung zu fördern, glaubt Gates, sei es, den üblen Geruch dort zu mindern oder gar verschwinden zu lassen, weswegen zusammen mit dem Genfer Unternehmen die Bestandteile des schlechten Geruchs untersucht wurden.

Wissenschaftler untersuchten zunächst die Toiletten in den Dritte-Welt-Ländern, um herauszufinden, was den Gestank hervorruft – die exakten chemischen Verbindungen, die schlechte Gerüche verursachen, wurden erforscht. Menschen in der Schweiz, in Indien und in Afrika wurden zudem befragt, welche Gerüche dem einer Toilette ähnelten, um den Gestank synthetisch herzustellen.

Ein Gemisch aus Indol, p-Kresol, Dimetyltrisulfid und Buttersäure ergab das Ergebnis: Ein Parfüm, das nach einer ganzen Palette verschiedener Ausscheidungen riecht. Berührungsängste zeigt Gates in dem Youtube-Video keine. Im Clip schnuppert er – mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht – an den Rohren, die teilweise extrem unangenehme Gerüche verströmen.

Sein Fazit im Blogartikel: Genauso schlimm wie die schlimmsten Toiletten, die er je aufgesucht habe. Dieser extreme Beispielgeruch war Grundlage für den "Anti-Geruch", der dem großen Geruchsproblem letztlich Abhilfe schaffen soll.

"Noise-Cancelling" für Gestank

Die Lösung für das Problem ist nämlich nicht die reine Übertünchung des Gestanks, wie man es von Haushaltsprodukten kennt, so Gates, sondern eben ein "Anti-Geruch". Die Technik hinter diesem soll – auf molekularem Level – dem Prinzip des "Antischalls" oder "noise-cancelling"-Ohrhörern ähneln, wo sich Schallwellen durch destruktive Interferenz gegenseitig auslöschen. Rezeptoren in der Nase, die den Geruch erkennen, sollen geblockt werden, damit der Geruch gar nicht erst wahrgenommen wird. Auch das testete Gates im Video und war offenbar positiv vom Ergebnis überrascht.

In den Kommentaren zum Youtube-Video und zum Blogartikel finden sich viel Lob und Anerkennung, aber auch Unverständnis. Es sei eine "faule Lösung", bemerkt ein Nutzer, ein anderer fragt sich: "Das ist wie wenn man bei einer offenen Wunde den Schmerz wegmacht. Wie löst er das eigentliche Problem?" Ein weiterer Kritiker sieht einen logischen Fehler: "Wieso ist die Hygiene eigentlich schlecht, wenn keiner die Toiletten benutzt?"

Lob und Kritik aus der Netzwelt

Viele jedoch sind sich einig darüber, dass das geruchshemmende Mittel ein sehr einfaches und für die Länder bezahlbares Mittel ist, um die Menschen zur Toilettennutzung zu bringen und damit ein wichtiger, erster Schritt zu einer besseren Hygiene. 

Bill Gates gilt seit Jahren als der reichste Mann der Welt. Zusammen mit seiner Frau Melinda engagiert sich der Microsoft-Gründer seit 2000 mit ihrer gemeinsamen Stiftung für Bildung, Innovationen im Bereich Energiegewinnung und seit 2010 vor allem für wissenschaftliche Forschung für die Gesundheit in Drittweltländern.

Im Jahr 2013 etwa unterstützte Gates Indien erfolgreich im Kampf gegen Polio. Mit der geruchsfreien Toilette will Gates nun die Gewöhnung an neu gebaute Toiletten fördern. Pilotprojekte in Indien sollen die neue Technologie ab sofort in Form von Sprays und Pudern testen.

Quelle: RP
 
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