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Schauspieler aus "Two and a Half Men"
Charlie Sheen ist HIV-positiv

Aids und HIV – diese Promis sind betroffen
Aids und HIV – diese Promis sind betroffen FOTO: dpa, Fredrik von Erichsen
New York. Es gibt kaum eine Schlagzeile, die US-Schauspieler Charlie Sheen im Laufe seiner Karriere ausgelassen hätte: Drogeneskapaden, Alkoholexzesse, Gewalt, Verhaftungen und Entzug waren die prägnantesten. Die neueste Schlagzeile ist die wohl traurigste im Leben des 50-Jährigen. Von Jessica Kuschnik

In der "Today Show" des US-Senders NBC gab Sheen bekannt: "Ich bin hier, um zuzugeben, dass ich tatsächlich HIV positiv bin." Es ist die Flucht nach vorn, denn seit Wochen brodelt es in der Gerüchteküche. So berichteten US-Medien zunächst, ein anonymer Hollywood-Star sei an der Immunschwäche erkrankt. Es dauerte nicht lange, bis der Name Charlie Sheen mit dieser Nachricht in Verbindung gebracht wurde.

Wie Sheen im Interview mit Matt Lauer, Moderator der "Today Show", sagte, sei diese Enthüllung für ihn "wie eine Befreiung aus einem Gefängnis". Bereits vor vier Jahren – im Jahr des Rauswurfes bei der Sitcom "Two and a Half Men" – wurde er positiv getestet.

Fotos: Aufstieg und Fall des Charlie Sheen FOTO: ap

Erpressung mit Medikamenten-Foto

"Es fing mit Kopfschmerzen und Schweißattacken in der Nacht an", sagte er. "Nach den ganzen Tests und all dem Mist war dann klar, was es ist." Von der Diagnose wüssten genug Menschen, denen er vertraute. Dazu zählt auch Ex-Frau Denise Richards, mit der er von 2002 bis 2006 verheiratet war.

Doch die Nachricht sickerte durch und Sheen sah sich mit Erpressung konfrontiert. So habe etwa eine Prostituierte, die er mit nach Hause genommen habe, ein Foto seines Medikamentenschranks gemacht, und ihn damit erpresst. Wie viel er insgesamt bezahlt habe, um sein Geheimnis zu bewahren, fragt Lauer. "Genug, dass es in die Millionen geht", so der Schauspieler. Doch damit sei jetzt Schluss.

Ashton Kutcher halbnackt in "Two and a Half Men" FOTO: Warner Brothers Entertainment

Sheen ist für seine wechselnden Partnerschaften bekannt – und für seine Vorliebe für Pornosternchen. "Erwarten Sie nach diesem Interview eine Klagewelle?", fragt Lauer. "Ich denke, das wird als nächstes kommen", gibt Sheen zu. Dass er andere mit dem HI-Virus angesteckt haben könnte, schließt Sheen jedoch aus: "Unmöglich", sagte er im Interview. Seit der Diagnose habe er Kondome benutzt und sei seinen Sexualpartnern gegenüber ehrlich gewesen. In zwei Fällen, in denen er ungeschützten Verkehr gehabt hat, sei bei den Frauen eine Ansteckung ausgeschlossen worden.

Wie er sich selbst angesteckt hat, wüsste er nicht genau. Im Interview gibt er sich kämpferisch: "Ich bin ein ,Survivor'", sagt er – ein Überlebender. Er trage jetzt die Verantwortung dafür, sich selbst zu bessern und anderen zu helfen, man werde jedoch nicht sein Gesicht auf Postern sehen im Kampf gegen die Krankheit. Vier Tabletten schluckt er täglich, um zu verhindern, dass die Krankheit ausbricht. Dass ihn all das stark mitnimmt, merkt man spätestens dann, wenn er darüber spricht, wie er es seinen Kindern beigebracht hat. "Den Jüngsten habe ich es nicht erzählt", stammelt er. Immer wieder ringt er um Worte. Nach der Diagnose sei er depressiv gewesen, habe zu viel getrunken.

Die Reaktionen auf die Enthüllung des US-Stars schwanken beim Kurznachrichtendienst Twitter zwischen mitfühlend und verachtend. "Der Himmel ist blau, Gras ist grün, Charlie Sheen hat HIV", schreibt ein Nutzer. Moderator Micky Beisenherz ätzt: "Charlie Sheen hat der Pornobranche mit einem Schlag mehr Schaden zugefügt, als 20 Senatoren und die Kirche zusammen."

Noch überwiegen jedoch die Beileidsbekundungen. Schauspielkollegin Heather Locklear lässt via Instagram verlauten, dass ihre Gedanken bei Sheen und seiner Familie sind. Die Deutsche Aids-Hilfe bezieht ebenfalls Stellung. Der Umgang mit der Thematik, die teils in Häme ausartete, und die Darstellung eines an HIV Erkrankten als Gesundheitsrisiko seien unverantwortlich und unangebracht.

In unserem Hintergrund: Auch diese Promis infizierten sich mit dem HI-Virus.

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