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Nastassja Kinski wird 50
Die ewige Lolita

Nastassja Kinski wird 50 Jahre alt
Nastassja Kinski wird 50 Jahre alt FOTO: AFP
Los Angeles (RP). Bereits mit 13 Jahren trat sie in einem Film von Wim Wenders auf. Später arbeitete sie mit Größen wie Roman Polanski oder Francis Ford Coppola. In Deutschland gelang Nastassja Kinski mit ihrem Auftritt als verführerische Oberschülerin in dem Tatort "Reifezeugnis" der Durchbruch. Ein Rückblick. Von Ulli Tückmantel

Drei Zutaten reichten im März 1977 aus, um dem Regisseur Wolfgang Petersen ("Das Boot", "Air Force One") den Weg bis nach Hollywood zu ebnen: Eine skandalöse Handlung (Lehrer lässt sich von Mädchen verführen), der erste größere Auftritt der Tochter des Film- und Fernseh-Irren Klaus Kinski, und das auch noch mit mehreren sekundenlangen Nacktszenen zur besten Sendezeit am Sonntag um 20.15 Uhr.

Der Tatort "Reifezeugnis" mit der ausziehfreudigen Teenagerin Nastassja Kinski in der Rolle der Oberschülerin Sina Wolf ist einer der am häufigsten wiederholten Krimis der Reihe.

Heute nicht mehr denkbar, erzählt "Reifezeugnis" den sexuellen Missbrauch einer Minderjährigen als Verführung des Täters durch sein Opfer, eines Lehrers durch eine erotische Kindfrau.

Altherren-Fantasien

"Reifezeugnis" spricht Bände über das Klima und die Altherren-Fantasien einer Zeit, in der sich die meisten der erst jetzt bekanntgewordenen Missbräuche von Schülerinnen und Schülern an Internaten wie der Odenwald-Schule zutrugen. Mit "Reifezeugnis", damals wahlweise für eine Sensation oder einen Skandal gehalten, hielt die schmuddelige Perspektive dünner Sexfilmchen wie des "Schulmädchen-Report" Einzug ins öffentlich-rechtliche Fernsehen.

Nastassja Kinski wurde das Rollenbild der erotisierenden Lolita mit einem Hang zu älteren Herren nie mehr los und pflegte es auch selbst. Regisseure und Fotografen rissen sich um sie. Marcello Mastroianni, Francis Ford Coppola und Roman Polanski holten sie vor die Kamera. Mindestens der jungen Ingrid Bergman sollte sie ähneln, vielleicht auch Greta Garbo, wenn nicht sogar Audrey Hepburn.

Kein Geheimnis

Das Magazin "Stern" wollte in ihrem augenaufschlagenden Welpen-Blick über zwei geöffneten Blusenknöpfen zu viel eine "Mischung aus Sex-Appeal, Intelligenz und weiblicher Mystik" erkennen – und nicht etwa die sexuelle Ausbeutung einer Kinderarbeiterin. Ihr Vater Klaus trennte sich 1968 von Mutter Brigitte und der Tochter. Die Mutter lebte lange von den Gagen der Tochter.

Wim Wenders, der die 13-jährige Nastassja in einer Disco kennengelernt und sie 1975 in der Peter Handke-Verfilmung "Falsche Bewegung" als stummes Mädchen hatte auftreten lassen, holte sie 1984 noch einmal für "Paris, Texas" vor die Kamera zurück. Diese Darstellung einer Prostituierten war ihr größter und zugleich letzter Film-Erfolg. "Die Kinski" gilt als Kassengift.

2008 hätte sich Nastassja Kinski beinahe noch einen echten Verdienst um das deutsche Fernsehen erworben: Johannes B. Kerner hatte sie nach zehnjährigem Buhlen in seine Talkshow gebracht. Gelinge ihm dies, hatte Kerner lange versprochen, dann werde er aufhören. Die Kinski kam, doch Kerner blieb. Zuletzt war Nastassja Kinski 2010 bei Beckmann zu sehen. Noch immer eine schöne Frau, aber eine, von der man ahnt, was ihr größtes Geheimnis ist. Sie hat keins.

 
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