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Promi-Holländer zur gescheiterten WM-Quali
"Ich kann jetzt für Deutschland jubeln"

Fußball-WM 2018 in Russland ohne Holland: So reagieren  Harry Wijnvoord und Mareijke Amado
Moderator Harry Wijnvoord (Archiv). FOTO: Messe Duesseldorf / ctillmann
Düsseldorf. Ausgerechnet das fußballbegeisterte Holland verpasst die WM 2018 in Russland. Wie reagieren prominente Niederländer wie Harry Wijnvoord, Mareijke Amado oder Erik Meijer darauf? Wem geben sie die Schuld? Und womit trösten sie sich? Wir haben nachgefragt.

Die Fußball-WM 2018 findet ohne die Niederlande statt. Der dreimalige Vizeweltmeister gewann zwar sein letztes Gruppenspiel gegen Schweden mit 2:0, hätte aber einen Sieg mit mindestens sieben Toren Unterschied gebraucht, um sich für die Weltmeisterschaft in Russland zu qualifizieren. Prominente Holländer sind enttäuscht - sie trösten sich mit der deutschen Mannschaft oder Frauenfußball.

  • Harry Wijnvoord: "Das ist eine Blamage"

Harry Wijnvoord wurde 1949 in Den Haag geboren und in Deutschland als Moderator der Fernsehshow "Der Preis ist heiß" bekannt.

Herr Wijnvoord, Holland muss zuhause bleiben und zuschauen, wenn Deutschland, Argentinien und Russland 2018 um die Fußball-Weltmeisterschaft spielen. Was sagen Sie dazu? 

Harry Wijnvoord Das ist eine Blamage. 

Warum?

Harry Wijnvoord Die Spieler haben es nicht am Dienstagabend verspielt, sondern in den ersten Spielen, als sie es zu leicht genommen haben. Der Mannschaft fehlen mehr Spieler wie Arjen Robben, der bis zum Umfallen gekämpft hat. Die anderen haben sich nicht genug angestrengt. Jetzt fahren kleine Fußballnationen zur WM und eine ehemalige große Fußballnation bleibt zuhause.

Womit trösten Sie sich?

Harry Wijnvoord Ich kann jetzt für Deutschland jubeln. Das hätte ich sowieso gemacht, das mache ich immer. Ich lebe seit 53 Jahren hier. Nur wenn Deutschland gegen Holland spielt, schlagen zwei Herzen in meiner Brust - und dann bin ich etwas mehr für Holland. Aber bei der WM 2018 kann Deutschland ja nicht auf Holland treffen. Ich werde die WM also gelassen verfolgen können. 

  • Erik Meijer: "Die jungen Spieler werden verhätschelt"
Erik Meijer (Archiv). FOTO: dpa

Der ehemalige niederländische Fußballspieler Erik Meijer spielte früher in Uerdingen, Leverkusen, Hamburg und Aachen. Der heutige "Sky"-Experte machte ein Länderspiel für Holland (1993 beim 6:0 gegen San Marino).

Herr Meijer, Holland fährt nicht zur WM - Sind Sie enttäuscht?

Meijer Ich finde es unglaublich schade. Ich fahre immer gerne als Oranje-Fan zu Europa- oder Weltmeisterschaften, das fällt für Russland dann leider aus.

Woran hat es gelegen?

Meijer Wir haben in den letzten Jahren enorm viele Probleme, die Niederlande gut zu repräsentieren. Es mangelt an Qualität, es gibt keine Spieler mehr mit den Qualitäten eines Arjen Robben. Das liegt allerdings auch an unserer Ausbildung. Die jungen Spieler werden verhätschelt, es wird viel zu wenig Wert auf Athletik, Fitness oder einen guten Charakter gelegt.

Was kann jetzt darüber hinwegtrösten?

Meijer Ich werde die Weltmeisterschaft trotzdem gerne gucken, dann halt ohne Oranje-Trikot. Ich genieße das Turnier, auch wenn das natürlich ohne die Niederlande etwas weniger emotional für mich ist.

Werden sie jetzt eine andere Mannschaft bei der Fußball-WM in Russland anfeuern?

Meijer Nein, ich werde mir anschauen, wer den schönsten Fußball spielt. Ich habe keine Lieblingsmannschaft, sondern will interessante, gute Spiele sehen. Ich werde sicherlich keinem Team die Daumen drücken, das zehn Leute um den eigenen Strafraum versammelt.

Und werden Sie die Deutschen anfeuern?

Meijer Wenn Deutschland gut spielt, freue ich mich. Aber es ist jetzt sicherlich nicht so, dass ich automatisch für Deutschland oder Belgien sein muss, nur weil wir nicht dabei sind.

  • Marijke Amado: "Die anderen werden uns in unseren bekloppten Klamotten vermissen"
Marijke Amado (Archiv). FOTO: Stadt Kaarst

Die TV-Moderatorin Marijke Amado wurde durch die "Mini Playback Show" bekannt, seitdem hat sie viele andere Sendungen moderiert. 2016 trat sie mit einem Solo-Programm unter anderem in Neuss auf.

Frau Amado, die WM findet ohne Holland statt - sind Sie enttäuscht?

Amado Ich finde es sehr schade, dass sich die Niederlande nicht für die WM in Russland qualifiziert haben. Die anderen Länder werden uns, in unseren bekloppten orangen Klamotten, die Musikkapellen und den Gesang sicherlich vermissen.

Woran hat es gelegen?

Amado Wir haben eine neue Generation von Fußballern, die noch nicht so weit sind und anscheinend noch etwas Zeit brauchen. Robben hat sich auch gerade von der Nationalmannschaft verabschiedet. Damit ist die erfolgreiche Fußballgeneration erst einmal weg.

Was tröstet Sie?

Amado Wir sind im Frauenfußball sehr weit vorn – Europameister!

Werden Sie jetzt andere Länder bei der WM in Russland anfeuern?

Amado Es gibt gleich zwei Länder, die jetzt meine volle Unterstützung erwarten können: Zum einen natürlich Deutschland, das Land, in dem ich selbst viele Erfolge verbuchen kann. Zum anderen Belgien, das Land, in dem ich lebe. Ich habe mir auch schon eine belgische Fahne gekauft, damit ich keinen Streit mit den Nachbarn bekomme. Außerdem ist diese Mannschaft nicht zu unterschätzen. Ich freue mich auf ein spannendes Turnier!

  • Eloy de Jong: "Joachim Löw macht das viel besser"
Eloy de Jong (M.) wurde durch die Boyband Caught In The Act bekannt (hier mit Bastian Ragas (l.) und Lee Baxter). FOTO: Agentur

Eloy de Jong war in den neunziger Jahren mit der Boygrupp "Caught in the Act" erfolgreich. Die Band startete vor wenigen Jahren ein Comeback, außerdem tritt der 44-Jährige als Solokünstler auf. 

Herr de Jong, Holland ist in der WM-Qualifikation gescheitert. Sind Sie enttäuscht? 

Eloy de Jong Generell bin ich kein großer Fußball-Fan, aber ich fiebere natürlich aus patriotischen Gründen mit, wenn Holland spielt. Dass wir es wieder nicht geschafft haben, ist natürlich sehr schade! Holland ist ein fußballbegeistertes Land und der nächste Sommer wäre sicherlich großartig geworden!

Woran hat es gelegen? 

Eloy de Jong Ich denke, dass die komplette Struktur eine Erneuerung braucht. Joachim Löw, der deutsche Trainer, macht das mit seinem Beraterstab seit Jahren viel besser und probiert viele junge Spieler aus. Dadurch erneuert er das Team ständig, das haben wir etwas verpasst in den letzten Jahren.

Was kann Sie jetzt darüber hinwegtrösten? 

Eloy de Jong Ich habe ein Ferienhaus in Deutschland, sehe das Land als meine zweite Heimat und verbringe gerade in den Sommermonaten mit meiner Familie viel Zeit dort. Dementsprechend habe ich einen starken Bezug zu Deutschland und drücke dieser Mannschaft nun die Daumen! Hoffentlich kommen sie weit!

(wer/asch)
 
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