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Frankfurt/M.
Trauer um den streitbaren Autor Gerhard Zwerenz

Gerhard Zwerenz: Trauer um den streitbaren Schriftsteller
FOTO: dpa
Frankfurt/M.. Nach längerer Krankheit ist gestern der Schriftsteller Gerhard Zwerenz gestorben. Er gehörte in den 1970er Jahren zu den bekanntesten Autoren der westdeutschen Linken. Erst am 3. Juni hatte er seinen 90. Geburtstag gefeiert.

Zum Werk des 1925 im sächsischen Gablenz geborenen Autors zählen mehr als 100 Bücher - von Romanen über Krimis und Kinderbücher bis zu erotisch-pornografischen Texten. Für die SED-Nachfolgepartei PDS saß er von 1994 bis 1998 im Bundestag. Mit seiner Ehefrau Ingrid, selbst Schriftstellerin, lebte er im Taunus.

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi würdigte den "außerordentlichen Mut" des Autors. Diesen habe Zwerenz bereits mit seiner Desertion aus der Wehrmacht bewiesen. Die DDR habe er dann verlassen, weil er die aufkommende Feindschaft gegen Intellektuelle abgelehnt habe. Auch in der Bundesrepublik sei er seinen Überzeugungen treu geblieben und habe gegen soziale Ungerechtigkeit gekämpft. "Unsere persönlichen Begegnungen schätze ich sehr, wegen seines Humors, seiner Intelligenz, seiner Klugheit und seiner Bildung", erklärte Gysi.

"Er war einer der großen Unangepassten", sagte der Präsident des deutschen PEN-Zentrums, Josef Haslinger. Wie viele Schüler Ernst Blochs sei Zwerenz in der DDR früh in Ungnade gefallen. Aber auch nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik habe er immer wieder für Aufsehen gesorgt, nicht nur weil er ungemein viel publiziert habe, sondern auch wegen seines gesellschaftspolitischen Engagements. "Er hatte ein streitbares öffentliches Auftreten, aber zugleich auch eine große Überzeugungskraft", sagte Haslinger.

(dpa)
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