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Jochen Hülder
Der Manager der Toten Hosen ist tot

Jochen Hülder: Der Manager der Toten Hosen ist tot
Bandmanager Jochen Hülder ist im Alter von 57 Jahren verstorben. FOTO: JKP
Düsseldorf. Jochen Hülder machte die Punkrocker zur größten Band Deutschlands. Nun starb er 57-jährig an Magenkrebs. Von Philipp Holstein

Begegnungen mit Jochen Hülder endeten immer gleich: Man fragte sich, wie er das macht, so lässig zu sein, so entspannt und froh im Kopf. Er stand da, in Badelatschen und Trainingsjacke mit Reißverschluss, und vielleicht täuschte der Eindruck, aber er schien in sich zu ruhen, seinen Mittelpunkt gefunden zu haben. Er hatte Ideen, und zwar immer, und er wusste Lösungen für die meisten Probleme, 24 Stunden pro Tag. Oft klingelte das alte Handy in seiner Hosentasche, weil so viele seinen Rat hören wollten oder ihn um eine Einschätzung baten.

Jochen Hülder war der Mann, der die Toten Hosen zur größten Rockband Deutschlands gemacht hat. Er erkannte früh das Potenzial der Band, da trug er noch Button-Down-Hemd und Sakko. Hülder wurde der Manager der Gruppe, er ordnete das Chaos und brachte sie beim Label Virgin unter. 1990 gründete er mit der Band das Unternehmen JKP: Jochens kleine Plattenfirma. Als er mal gefragt wurde, ob er jemals eine klügere Entscheidung getroffen habe, antwortete er: "Wirtschaftlich nicht." Und lächelte.

Hülder stammt aus Solingen, und wenn man das Glück hatte, einen Abend mit ihm verbringen zu dürfen, hörte man vielleicht die Geschichte von seinem Abitur. Er bestand nicht, organisierte aber die Abiturfeier und verdiente daran. So war er, verschmitzt-pragmatsch und menschenfreundlich, und auch dass er zum ersten Konzert der Toten Hosen im Bremer Schlachthof nicht mitgefahren ist, hatte praktische Gründe: "Es war kein Platz im Auto mehr frei."

Wenn auf jemanden der Titel "graue Eminenz" zutrifft, war das Hülder. Er war der Mann im Hintergrund, es wurde viel über ihn geraunt, jede Verbindung, jeder Job galt als vorstellbar. Sicher ist, dass er den Medienhafen zur Partymeile machte. Er mischte in den Diskotheken "3001" und "mk-2" mit, im Malkasten-Restaurant. Er gründete ein Dutzend Firmen, um die Toten Hosen zu vermarkten, angefangen hat er mit einem Plakatierdienst.

Seine musikalische Sozialisation begann mit einer Platte von Black Sabbath. Auf eigene Faust holte er später Lieblingskünstler nach Deutschland. New Order etwa und Bob Marley, für den Campino Rauschmittel besorgen musste – so geht zumindest die Legende.

Jochen Hülder ist tot. Der stille Tycoon, Strippenzieher, Inspirator und Geschichtenerzähler wurde 57 Jahre alt. Er war an Magenkrebs erkrankt, und sicher wird er in der Gruft der Band auf dem Südfriedhof begraben. Hülder hinterlässt eine Frau, eine Tochter – und eine Band.

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