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Frau zu Guttenberg, geb. Bismarck
Jung, engagiert, adelig
Das ist Stephanie zu Guttenberg
Das ist Stephanie zu Guttenberg FOTO: Andreas Krebs
Berlin (RP). ­Stephanie zu Guttenberg ist die Frau an der Seite des neuen Wirtschaftsministers. Die Baronin setzt sich für „Innocence in Danger” (Unschuld in Gefahr) ein, eine internationale Organisation, die mit vielen Projekten Kinderpornografie bekämpft. Von Dagmar Haas-Pilwat

Ihr Mann, Karl-Theodor zu Guttenberg, neuer Wirtschaftsminister und politischer Senkrechtstarter, macht seit Wochen Schlagzeilen. Aber wer ist die Frau an seiner Seite? Seit neun Jahren ist Stephanie zu Guttenberg mit ihm verheiratet, sie managt das Familienleben, begleitet ihren Gatten bei offiziellen Terminen und kämpft aktiv gegen sexuellen Missbrauch von Kindern. Am Donnerstag hat die junge Gräfin in Düsseldorf ihren ersten Auftritt als Präsidentin der Hilfsorganisation „Innocence in Danger”. Wir haben sie vorab in Berlin im Hotel Adlon gesprochen.

„Es packt mich die Wut, wenn ich allein die nackten Zahlen sehe. In Deutschland werden pro Jahr zwischen 12.000 und 16.000 sexuelle Vergehen an Kindern gemeldet.” Stephanie zu Guttenberg, selbst Mutter von zwei Töchtern, Anna (7) und Mathilda (6), ist empört. Die 32-Jährige ­ ebenso temperamentvoll und wortgewandt wie kämpferisch und überzeugend ­ weiß, dass sexueller Missbrauch ein Tabu-Thema ist.

Helfen und wachrütteln

Doch es treibt sie um, weil „diese Problematik uns alle trifft und im Zeitalter von Internet, Handy & Co neue Dimensionen annimmt. Die Zahlen sind so grauenhaft, und die betroffenen Kinder werden immer jünger”. Laut Bundeskriminalamt ist der Konsum von Kinderpornos in Deutschland im vergangenen Jahr um 110 Prozent im Vergleich zu 2007 angestiegen. Mit „ganzem Herzen”, viel Zeitaufwand, dem zugkräftigen, guten Namen und ihren weitreichenden Kontakten macht sich die Adelige seit drei Jahren stark für die weltweit in 25 Ländern operierende, gemeinnützige Organisation.

Sie will helfen und wachrütteln, wirbt für Spenden, um Projekte zu finanzieren wie die von „Innocence in Danger” ins Leben gerufene „Kunstwoche” oder ­ ganz neu ­ für „Smart User”. Dieses von der „Aktion Mensch” unterstützte Programm soll helfen, gegen die Verbreitung von sexueller Gewalt via Internet und Handy vorzugehen. Gemeinsam mit 62 Jugendlichen werden Strategien erarbeitet, die zeigen, wie man sich gefahrlos im Internet bewegt.

In Jeans und Matschestiefeln

Als frisch gewählte deutsche Präsidentin kommt Stephanie zu Guttenberg heute an den Rhein, wo bei einer Benefiz-Auktion im Medienhafen meistbietend Bilder versteigert werden, die traumatisierte Kinder selbst gemalt haben. „Sieben- bis 13-Jährige haben diese Fotografien und Zeichnungen gemacht, während wir mit ihnen eine Woche auf Schloss Hoppenrade in Brandenburg verbracht haben”, erklärt sie.

War sie etwa dabei? „Natürlich. In Jeans und Matschestiefeln sind wir alle durch den Wald gestapft.” Und das Schönste am Ende der Woche war für sie, dass „die Kinder, befreit von ihrem Alltag und schrecklichen Erlebnissen, ihr Lachen wiedergefunden haben”.

Außerdem liegen ihr nicht nur die Kinder am Herzen, sondern auch die Kunst. Denn eigentlich wollte die Deutsch-Schwedin, die fünf Sprachen (neben Schwedisch und Deutsch auch Englisch, Französisch und Italienisch) fließend spricht, Künstlerin werden (heute bildhauert sie und malt). Das war, bevor sie ihre Leidenschaft für Logik und Mathematik entdeckte. „In der Familie meiner Mutter sind alle Naturwissenschaftler”, erklärt sie und fügt hinzu: „In der Mathematik gibt es immer nur ein Ergebnis: richtig oder falsch. Das ist beruhigend, oder?”

Paris, Düsseldorf, Köln

Doch Mathematik als Beruf? Lieber nicht. Wieso hat sie sich für Textilwirtschaft entschieden? „Meine Mutter hatte eine Firma für Inneneinrichtung. Ich bin mit Stoffen und Farben groß geworden.” Als Studentin hat sie in Paris, Düsseldorf und Köln bei Modeagenturen gejobbt, so ihr Studium selbst finanziert.

Ihr eleganter, guter Geschmack ist unverkennbar. Stilsicher und selbstbewusst tritt sie auf dem gesellschaftlichen Parkett auf. Mit ihrer beeindruckenden Erscheinung gilt sie als strahlender Hoffnungsschimmer unter den ansonsten meist blassen Politiker-Gattinnen. Gemeinsam mit ihrem Mann, er dunkelhaarig und kantig, sie 1,78 Meter groß und schlank, sind sie ein starkes Team.

Zum Interview im Wintergarten des Hotels Adlon bei Ingwertee und Keksen erscheint sie in schlichter schwarzer Hose und Stiefeln, cremefarbenes Schluppenblüschen unter der Strickjacke, das blonde Haar zum Zopf gebunden, kleine Brillanten-Kreolen, Armband-Uhr, goldener Ehering, dezent geschminkt. Sympathisch offen, ohne Chi-Chi und Allüren.

Ur-Urenkelin des ersten deutschen Reichskanzlers

Aus den Medien kennt man sie im feinen Kleid und auch mal mit Hut. Und ihre Kopfbedeckungen sind nun wirklich auffällig in Farbe und Form. Während sie bei Kostümen oder Abendkleidern keine Marke oder einen Designer favorisiert, sind ihre Hüte ausschließlich aus dem Atelier der Berlinerin Fiona Bennett („Sie macht die tollsten Hüte auf der Welt”).

Berät sie auch ihren Mann bei seiner so augenfällig vom Blau-Grau-Politiker-Einerlei abweichenden Anzug- und Krawattenwahl? Sie lacht zustimmend. Um dann gleich zu betonen, dass sie entschlossen ist, eine Grenze zwischen privatem und öffentlichem Leben zu ziehen.

Dennoch weiß die Ur-Urenkelin des ersten deutschen Reichskanzlers, Otto von Bismarck, zu genau, wie sie beobachtet, begutachtet, bewertet wird. Doch sie packt an, traut sich was, entscheidet schnell, ist geradeheraus. Sich fürchten oder jammern ­ das passt nicht zu ihrer Haltung, zu ihrer Erziehung. Im Gegenteil: „Mein Name spornt mich nur mehr an, das Beste aus meinem Leben zu machen.”

Die junge Frau legt genug Selbstvertrauen und Eigenständigkeit an den Tag, um Position zu beziehen und ihr neues Leben zu bestimmen. Denn dies hat sich an ihrem neunten Hochzeitstag schon gewandelt, dem Tag, an dem ihr Mann Karl-Theodor als jüngster deutscher Wirtschaftsminister vereidigt wurde. Was hat sie denn gedacht, als sie mit ihrem Schwiegervater, dem berühmten Dirigenten Enoch zu Guttenberg, auf der Zuschauertribüne des Bundestags das Geschehen verfolgte? „Es war unglaublich und sicher einer der aufregendsten Tage in meinem Leben.”

Nesthäkchen unter zwei älteren Halbschwestern

Das neue Leben in der Öffentlichkeit bedeutet auch, dass immer mehr Organisationen sie als Front-Frau gewinnen wollen. Doch sie lehnt jede Anfrage lächelnd, aber bestimmt ab: „Ich will mich nicht verzetteln und meinen Fokus auf „Innocence in Danger” haben. Diese Arbeit ist zu wichtig, um sie nicht mit aller Kraft und Ernsthaftigkeit zu verfolgen.”

Sie nimmt ihre Verantwortung ernst, macht das Beste daraus ­ so ist sie erzogen worden als Nesthäkchen unter zwei älteren Halbschwestern. Wenn sie davon spricht, den Kindern in Deutschland zu helfen, sich aktiv für „ihr Vaterland” einzusetzen, klingt es nicht aufgesetzt, sondern authentisch. Wie selbstverständlich kommen ihr die Worte über die Lippen. Was will sie ihren eigenen Töchtern in der Erziehung mit auf den Weg geben? „Es ist wichtig, den Humor zu behalten, ein starkes Rückgrat zu haben, und bei Rückschlägen sollen sie aufstehen und wieder mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.”

Die junge Mutter ist ein erklärter Familienmensch. Diese Bande sind der engste Zusammenhalt, den man hat, davon ist sie überzeugt. Das ist zugleich die Basis für ihren Einsatz bei „Innocence in Danger”, wo es um Kinder in Not geht. Um ihnen zu helfen, bewegt sie sich auch auf die politische Ebene, die ihr bei dieser Familiengeschichte ohnehin von klein auf vertraut ist. „Politisches Interesse und auch der Diskurs darüber waren für uns immer eine Selbstverständlichkeit.”

So sehr die Baronin, wie ihre korrekte Ansprache lautet („doch Frau zu Guttenberg reicht vollkommen”), um Normalität bemüht ist, so sehr empfindet sie ihr Leben als nicht selbstverständlich. Und damit ihre Kinder eines Tages besser verstehen, was die Eltern gedacht, gefühlt und erlebt haben, schreibt sie alles auf in Tagebüchern für Anna und Mathilda.

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