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Haartransplantationen boomen
Männer ohne Mut zur Lücke

Diese Promis ließen sich Haare transplantieren
Diese Promis ließen sich Haare transplantieren FOTO: Moll
Düsseldorf. Seit Jürgen Klopps Schönheits-OP vor zwei Jahren hat sich die Zahl der Haartransplantationen verdreifacht. Von Leslie Brook und Christian Buhl

Der Schalker Benedikt Höwedes macht kein Hehl daraus, dass dieser Eingriff mit Schmerzen verbunden ist, die selbst robuste Fußballer spüren. "Die Haartransplantation tat natürlich weh. Manche Dinge muss man aber einfach ertragen", sagte der 26-Jährige bei seinem ersten öffentlichen Termin nach der WM auf Schalke.

"Eine Haartransplantation ist kein Friseurbesuch, sondern eine Operation", macht der Düsseldorfer Facharzt für Chirurgie, Malte Villnow klar, der sowohl bei BVB-Trainer Jürgen Klopp (47), als auch bei Höwedes die Transplantationen durchgeführt hat.

Höwedes habe sich nach der gewonnenen WM einen Wunsch erfüllt: "Ich hatte das Pech, dass mir im letzten halben Jahr viele Haare abhandengekommen sind. Das war für mich ein Grund, tätig zu werden." Das Ergebnis sei erst in zwölf bis 14 Monaten sichtbar, sagt der Chefarzt der Privatklinik "Pearl of Aesthetic" im Breidenbacher Hof.

Seit Jürgen Klopp im Frühjahr 2012 erfolgreich eine Haartransplantation vornehmen ließ, habe sich die Zahl der Patienten verdreifacht. "Jürgen Klopp hat ein Tabu gebrochen, in dem er öffentlich über seine Haartransplantation gesprochen hat und vielen Männern damit Mut gemacht", sagt Villnow. Rund 80 Prozent seiner Patienten sind Männer, die Altersspanne reicht von 19 bis 82. Hauptsächlich gehe es um die Geheimratsecken, manchmal aber auch um eine Tonsur oder Haarausfall am Hinterkopf.

Bei einer Haartransplantation werden ganze Hautstücke mit Haarzellen vom Hinterkopf an die Stellen verpflanzt, wo das Haar Mangelware ist. "Das geht nur mit Eigenhaar", erklärt Villnow. Bei fremdem oder künstlichen Haar bestehe das Risiko, dass sich alles entzündet. Deshalb sei Voraussetzung für den Eingriff, dass kein krankhafter Haarausfall vorliege und "im Spenderbereich" noch genug Fülle vorhanden ist. Transplantiert werden zwischen 1500 und 3000 Haare. Eine OP mit lokaler Betäubung dauert zwischen fünf und sechs Stunden und kostet zwischen 5000 und 10 000 Euro.

Für Fußballer kommt die OP fast nur in der Sommerpause infrage. Denn man darf nach dem Eingriff vier Wochen lang keinen Sport treiben. Wohl auch deshalb hat sich Benedikt Höwedes unmittelbar nach der Siegesfeier in Berlin zum OP-Tisch nach Düsseldorf begeben. In den ersten Wochen nach der Transplantation zeigte er sich häufig mit Käppi. Damit könne man die roten Stellen, die nach der OP entstehen, gut kaschieren, weiß Schönheitschirurg Villnow. Anfangs müssen die Haare jeden Tag gewaschen werden. Nach drei bis sechs Monaten sprießen an den ersten Stellen einige Haare. "In der Zeit sieht das nicht unbedingt schön aus", sagt Villnow.

Wenn die Übergangszeit überstanden ist, dann kann wieder solche Haarpracht wie bei Jürgen Klopp entstehen. In England machte Wayne Rooney (Manchester United) Haartransplantationen schon 2010 salonfähig. Rund 36 000 Euro soll der Brite dafür ausgegeben haben. Auch Popstar Robbie Williams oder Backstreet-Boys-Sänger A.J. McLean sollen sich entsprechenden Operationen unterzogen haben. Der frühere niederländische Nationaltrainer und Ex-Mönchengladbach-Trainer Dick Advocaat, der Schauspieler Ted Danson ("Cheers") oder Luxus-Makler Marcel Remus gehören zu den Patienten von Schönheitschirurg Villnow. Auch unter Politikern sind Transplantationen en vogue: FDP-Chef Christian Lindner bestätigte im vergangenen Jahr seine Haar-OP: "Um es mit Jürgen Klopp zu sagen: ,Ich finde, das Ergebnis ist ganz cool geworden, oder?'", so der 35-Jährige.

Ein Beispiel für eine missglückte Haartransplantation ist hingegen laut Schönheitschirurg Villnow Silvio Berlusconi. Zwar bringen es die dunkelbraunen Haare des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten wieder zu mehr Fülle, jedoch sei bei der Transplantation die natürliche Haarlinie des 78-Jährigen außer Acht gelassen worden. Die Haare reihen sich an dieser Stirn nun schnurgerade auf. Der Satz "Du hast die Haare schön" stimmt also auch nach einer Haartransplantation nicht immer.

Quelle: RP
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