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Interview mit Nicolas Cage
"Meine große Liebe ist das Meer"

Nachhaltigkeitspreis 2016 in Düsseldorf mit Nicolas Cage
Nachhaltigkeitspreis 2016 in Düsseldorf mit Nicolas Cage FOTO: Endermann, Andreas
Düsseldorf . Der Schauspieler Nicolas Cage ist Freitagabend in Düsseldorf mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden. Über eine mögliche Rückkehr nach Deutschland, seine Wunschrolle und seine Vorliebe für Monster spricht er im Interview.

Mit Nicolas Cage zu sprechen, ist, wie in einen seiner berühmtesten Filme "Face/Off - im Körper des Feindes" einzutauchen. Er hat diesen stechenden Blick, mit dem er auch seine Gegenspieler durchbohrt. Bei jeder Frage überlegt man, wie er wohl reagieren mag. Der 52-Jährige ist hochprofessionell, lächelt selten, ist distanziert, aber höflich. Der Hollywoodstar ist nur für kurze Zeit in Düsseldorf zu Gast. Gestern Abend erhielt er den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für sein humanitäres Engagement. Über alles will er aber nicht reden, das hat er schon im Vorfeld deutlich machen lassen. Drei Themenbereiche wurden ausgeschlossen: Ehe, Finanzen und B-Movies. Kurz vor Beginn des Interviews heißt es, Politik sollte eigentlich auch nicht angesprochen werden ...

Viele Prominente überlegen sich nach der Wahl in den USA, das Land zu verlassen. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Nicolas Cage Es ist zu früh, um das zu sagen. Wir müssen erst sehen, was passiert und wie sich alles entwickelt. Wir sollten der neuen Regierung eine Chance geben! Obama hat einen guten Job gemacht. Jetzt erwartet uns eine Zeit des Übergangs.

Sie haben bis vor einigen Jahren ein Schloss in Deutschland besessen. Könnte es sein, dass Sie sich erneut hier niederlassen?

Cage (lacht kurz auf) Ja, aber ich glaube nicht, dass es noch mal ein Schloss sein wird - no more Schloss! - (er benutzt das deutsche Wort). Ich war vor einigen Jahren in Hamburg und fand es so schön dort am Hafen und am Meer. All die jungen Leute mit ihren Grills und ihrem Weißwein. Die fröhliche und friedliche Stimmung in der ganzen Stadt. Vielleicht lande ich dort eines Tages.

Sie haben gestern und vorgestern auch etwas von Düsseldorf gesehen, sind im "Füchschen" eingekehrt, haben typisch rheinisches Essen gekostet. Wäre Düsseldorf nichts für Sie?

Cage Leider habe ich nur ein bisschen was von der Stadt kennengelernt, aber genug, um sagen zu können, dass ich die Leute auch als glücklich und die Stadt als ruhig und friedlich empfinde. Düsseldorf ist ähnlich charmant wie Hamburg. Ich habe in einem schönen "Pub" Thanksgiving verbracht (Anm. der Redaktion: statt Truthahn gab es Gans). Und hätte mir gewünscht, mehr Zeit hier verbringen zu können. Beim nächsten Mal bleibe ich länger!

Barack Obama hat gesagt, wenn er Deutscher wäre, würde er bei einer Wahl für Angela Merkel stimmen. Was halten Sie von der deutschen Kanzlerin?

Cage Ich finde, sie ist eine außergewöhnliche Frau.

Sie unterstützen viele wohltätige Organisationen. Welches Thema treibt Sie besonders um?

Cage Vor allem sorge ich mich um Kinder und Kindesmissbrauch. In Afrika habe ich die schlimmsten Formen erlebt. Alles, was man als Eltern tun kann, um das Glück von Kindern zu sichern, sollte man tun. Es wird auch anderen helfen - das wirkt wie ein Dominoeffekt.

Sie haben in mehr als 70 Filmen mitgespielt, die meisten davon Action- und Abenteuerfilme. Wenn Sie privat noch mal ein Abenteuer unternehmen wollten, was wäre das?

cage Für mich ist meine Arbeit für die UN und Amnesty Abenteuer genug. Jedes Mal, wenn ich nach Afrika reise, ist das ein Abenteuer. Wenn ich dort Menschen treffe, die ihr Zuhause verloren haben oder zu Kindersoldaten ausgebildet wurden.

Sie machen auch mit Ihren Filmen wie "Lord of War" auf diese Missstände aufmerksam.

Cage Ich habe mich entschieden, mehr zu sein als Schauspieler und mich für andere zu engagieren. Kinder, die mit sieben oder acht Jahren aus ihren Familien genommen und darauf trainiert wurden, andere Menschen zu töten, diese Kindersoldaten werden nie wie andere Kinder mit ihren Spielsachen spielen oder eine Freundin haben. Ich habe sie getroffen und war erstaunt, wie gut ihr Rehabilitierungsprozess voranschritt, wie sie sich von diesen Erlebnissen erholten, wie stark sie sind.

Sie selbst haben sich schon früh für die Schauspielerei entschieden. Was wäre Ihr alternativer Plan gewesen?

Cage Ich hatte eine sehr klare Vorstellung von dem, was ich werden wollte. Ich hatte mir vorgenommen, noch zu einem weiteren Vorsprechen zu gehen und die Rolle zu bekommen. Wenn das nicht geklappt hätte, wäre ich zur See gefahren. Das wäre dann meine Bestimmung gewesen. Denn meine große Liebe ist das Meer, ich wäre dann vielleicht Fischer oder Seemann geworden und der Marine beigetreten. Oder ich wäre zur See gefahren und hätte Geschichten und Romane geschrieben. So wie Herman Melville.

Was wäre dabei rausgekommen? Ein zweiter "Moby Dick" etwa?

Cage Das ist einer der größten Romane überhaupt. Nein, das wären meine Visionen gewesen. Das, was ich auf dem Meer erlebt hätte.

Sie haben einst Ihren Namen geändert. Von Coppola in Cage. Inspiriert wurde das von einem Comic-Helden namens Luke Cage, heißt es.

Cage Und von einem Komponisten! Die beiden gehören zusammen.

Wären Sie denn gerne selbst mal ein Superheld oder der Bösewicht in einem Superhelden-Film?

Cage Als Junge mochte ich die Monster am liebsten, zum Beispiel Hulk. Sie waren so faszinierend! Deshalb war es schön, dass ich zweimal in "Ghost Rider" spielen konnte.

Was wäre denn Ihre Wunschrolle?

Cage Ich wäre gerne Kapitän Nemo in "20.000 Meilen unter dem Meer", das würde zu meiner Sehnsucht nach dem Ozean passen.

LESLIE BROOK FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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