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Legendärer ZDF-Moderator ist tot
Peter Lustig – Welterklärer mit kindlicher Neugier

Peter Lustig - Bilder aus seinem Leben
Peter Lustig - Bilder aus seinem Leben FOTO: dpa, bsc
Mainz. Er war nicht nur der Mann mit der Latzhose. Der Welterklärer für Kinder, der in diesem blauen Bauwagen hauste, in dem man so gern auch mal ein paar Tage campiert hätte – allein schon, um seine selbstgezimmerte Treppe aus Stühlen auszuprobieren. Peter Lustig war vor allem ein Mensch, der sich zu Kindern nicht herunterbeugte, sie nicht verbal betüddelte und durch übertriebene Spaßigkeit für sich gewinnen wollte. Von Dorothee Krings

Der hagere Mann mit der Nickelbrille hatte Kindern einfach etwas zu erzählen, zu zeigen, zu erklären. Darum musste er nicht buhlen um Sympathie und Aufmerksamkeit, sondern war manchmal sogar ein bisschen schroff. Er forderte, dass man mitdachte und knobelte und sich mit ihm fragte, wie Knochen heilen und Löcher in den Käse kommen und Abwasser aus der Stadt. Der Alltag steckt ja voller Geheimnisse, und vieles, was Erwachsene so hinnehmen, haben sie in Wahrheit nicht durchschaut.

Peter Lustig war unvoreingenommen und wissbegierig

Peter Lustig hatte den kindlichen Blick auf diese Dinge. Und das bedeutet eben nicht, dass er kindisch war, nichts schlimmer als unernste Erwachsene, die es mit Klamauk versuchen. Peter Lustig war neugierig wie ein Kind, unvoreingenommen, wissbegierig, naiv im besten Sinne. Er gestand sich seine Fragen ein und suchte nach Antworten. Auf diese Suchen nahm er seine jungen Zuschauer mit – und auch manche älteren, denn nichts ist ja spannender, als das scheinbar Selbstverständliche einfach erklärt zu bekommen.

Dieses Talent besaß Peter Lustig. Man verstand ihn, hörte ihm gern zu, war gern bei ihm zu Gast, wenn es Tee gab im Bauwagen oder Lebkuchen. Und wenn der verbrannte, fuhr man eben mit ihm in die Kuchenfabrik und schaute zu, wie Riesenknethaken durch Bottiche voller süßen Teigs kraulten.

Einst Toningenieur

Eigentlich war Peter Fritz Willi Lustig, der 1937 in Breslau zur Welt kam, ja Rundfunktechniker. Ein Handwerker also, ein Praktiker, das mit der Latzhose war nicht geschummelt. Jahre hat er als Toningenieur gearbeitet, hat etwa 1963 bei den Filmaufnahmen von John F. Kennedys Rede "Ich bin ein Berliner" vor dem Rathaus Schöneberg die Tonaufnahmen verantwortet. Doch er schrieb eben nebenher auch Hörspiele. Da war ein Drang, hinter den technischen Geräten hervorzutreten, die er bediente.

1973 tat er das dann in der anderen großen Erklärsendung des klassischen Kinderfernsehens, in der "Sendung mit der Maus". Zusammen mit dem Robotervogel Atze gab er in kurzen Episoden Antworten auf Technikfragen. Und das machte er so verständlich und lakonisch witzig, dass er 1979 beim ZDF eine eigene Sendung bekam: "Pusteblume", später umbenannt in "Löwenzahn" – 197 Episoden hat er gedreht. Und einer ganzen Generation das Fragen, Tüfteln, Auf-den-Grund-Gehen beigebracht. Er war ein Analytiker, aber er hätte sich selbst nie so genannt.

2005 zog sich Peter Lustig aus der Öffentlichkeit zurück

1984 erkrankte Peter Lustig an Lungenkrebs. Sieben Mal wurde er operiert, am Ende hatte er nur noch einen Lungenflügel. Während seiner Krankenhausaufenthalte schrieb er Briefe an seinen Sohn, die als Kinderbuch unter dem Titel "Lieber Momme – Wunderliche Briefe" veröffentlicht wurden. Auch als es ihn betraf, gab er das Fragestellen nicht auf. Und er ließ die Öffentlichkeit teilhaben. Nur war das bei ihm nie peinlich, nie eine Ego-Show. Es ging ihm ja um die Sache.

2005 zog sich Lustig aufgrund seiner gesundheitlichen Belastung zurück aus der Öffentlichkeit. Er war in zweiter Ehe verheiratet mit der Schriftstellerin Elfie Donnelly, die Figuren wie Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen erfunden hat. Er hatte vier Kinder und neun Enkel, und er war im Kreise dieser Familie, als er am Mittwoch in der Nähe von Husum gestorben ist. Lustig wurde 78 Jahre alt. Ein Mann, der in seinem Inneren immer ein Kind geblieben ist, hat uns verlassen. Aber solche Menschen leben weiter – in der Erinnerung all jener, denen er die Welt erklärt – und das Selberdenken beigebracht hat.

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