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Schauspieler wird 80
Robert Redford – der konservative Revolutionär

Robert Redford feiert 80. Geburtstag: Eine Würdigung
Geheimnisvoll und sehnsüchtig: Robert Redford 1974 als "Der große Gatsby". FOTO: ap
Düsseldorf. An diesem Donnerstag feiert Robert Redford seinen 80. Geburtstag. Er schafft es, das Herz zu berühren, ohne den Kopf zu übergehen. Eine Würdigung. Von Philipp Holstein

Die schönste Szene mit Robert Redford ist die aus "So wie wir waren" von 1973. Redford spielt einen Studenten aus gutem Hause, und er verliebt sich in Barbra Streisand als kommunistisch bewegte Kommilitonin. Streisand will dem Schnösel widerstehen, aber sie kann nicht, und als sie ihn in einem Café sitzen sieht, wechselt sie die Straßenseite, um sich selbst zu schützen.

Redford ruft ihr zu: Komm her! Natürlich kommt sie her, und endlich steht sie vor seinem Tisch und blickt in diese Augen, in denen das blaue Wasser so hoch steht, dass man den Grund nicht mehr erkennt. Er sagt, er feiere gerade, und als sie fragt, was er denn zu feiern habe, drückt er seine Zunge über die Unterlippe und antwortet: "Dass ich dich über die Straße geholt habe." Selbstverständlich ist das Herz von Barbra Streisand von da an verloren.

Von "Jenseits von Afrika" bis "Drei Tage des Condor"

Robert Redford feiert am heutigen Donnerstag seinen 80. Geburtstag, und jeder kann die Titel seiner großen Filme aufzählen: "Jenseits von Afrika", "Der Clou" und "Jeremiah Johnson". "Die drei Tage des Condor", "Der elektrische Reiter" und "Ein unmoralisches Angebot". "Butch Cassidy & The Sundance Kid" und "Der Pferdeflüsterer".

Der Schauspieler im Jahr 2013. FOTO: dpa, bl hyj

Er ist der Minimalist unter Hollywoods Stars, er braucht im Grunde nur mimische Andeutungen, um alles auszudrücken. Man sehe sich noch einmal "Die Unbestechlichen" (1976) an, den Film über den Watergate-Skandal. Redford spielt Bob Woodward, den Reporter der "Washington Post", und als sein Chef ihn warnt, er sei gerade drauf und dran, sehr mächtigen Männern vors Schienbein zu treten, schaut Redford mit leicht geöffnetem Mund, rollt die Augen nach rechts und deutet ein Nicken an. Dann schreibt er die Story, die den US-Präsidenten stürzen wird.

Redfords Familie stammt aus Irland

Der Amerikaner Redford stammt aus einer Familie mit irischen Wurzeln. Als er 18 war, starb seine Mutter, an der er hing. Er wurde renitent, soff, flog von der Schule, floh nach Florenz, Paris und München, malte und landete auf der Bühne. Sein Leinwand-Debüt gab er 1962 in "Hinter feindlichen Linien", aber kaum jemand sah diese und die folgenden Produktionen. Erst 1967 wurde er mit "Barfuß im Park" neben Jane Fonda berühmt, zwei Jahre später war er durch den Erfolg der Western-Komödie "Butch Cassidy" ein Star. Kritiker mochten ihn jedoch nie sonderlich, nur einmal wurde er für den Schauspiel-Oscar nominiert, 1973 für "Der Clou". Als "abwesend und verloren" bezeichneten sie sein Spiel noch in "Jenseits von Afrika". Ein Irrtum.

Redford gibt der Stille poetischen Auftrieb. Ihm genügt ein Blick. Er redet nicht von Gefühlen, er lässt sie uns spüren. Redford strahlt Gelassenheit aus, heitere Unbeeindruckbarkeit. Er ist souverän, und er hat etwas Spöttisches, das auf Lebensbildung schließen lässt, auf Erfahrung. Jemand nannte diese Eigenart mal "fundamentale Einsamkeit", und das trifft es gut.

Figuren wie der "Große Gatsby" und Finch Hatton aus "Jenseits von Afrika" liegen ihm besonders: geheimnisvolle Liebende, die sich zunächst distanziert geben, deren Fassade allmählich bröckelt – und durch die Brüche leuchtet dann die Sehnsucht. In den Zwischenräumen von Redfords Gesten verbirgt sich stets Begehren, man will von ihm wissen: Was denkt er? Und: Wann bricht er aus?

Quentin Tarantino hat Redford seine Karriere zu verdanken

Jene Szene aus "Die Unbestechlichen" ist auch deshalb so wichtig, weil sie ein Bild dafür ist, wie Redford tickt. Er ist ein politisch denkender Mensch, und schon früh bemühte er sich um die Rechte für den Film "Die Unbestechlichen", den er dann auch mit seiner eigens gegründeten Firma produzierte. Hollywood war ihm nie geheuer, er unterhält zwar ein Büro in L.A., mied aber stets die Partys und kaufte sich weit weg in Utah in den Canyons Land, züchtete Pferde und baute ein Ökohaus. Er begründete in den 80er Jahren das "Sundance Filmfestival", das heute als Top-Adresse für unabhängiges Kino gilt, als Anti-Hollywood. Quentin Tarantino und Steven Soderbergh begannen dort ihre Karrieren, und man könnte sagen, dass Redford das US-Independent-Kino erfand.

Er wechselte ins Regiefach, bekam für sein Debüt "Eine ganz normale Familie" 1980 den Oscar. Stets geht es in seinen Regiearbeiten wie "Aus der Mitte entspringt ein Fluss" und "Quiz Show" um die Sehnsucht nach der alten Zeit, um den Verlust der Ordnung. Das ist überhaupt sein Thema: der Kampf um die freiheitlichen und moralischen Werte - und um das Privatleben.

Er ist Vorläufer des "linken Hollywood", das heute Sean Penn, George Clooney und der von Redford früh geförderte Brad Pitt verkörpern. Er lebt bewusst, kritisiert die Regierung und trauert dem ursprünglichen Amerika nach. In den Klatschmagazinen taucht er selten auf, er gibt wenig preis. Er war 27 Jahre mit Lola Van Wagenen verheiratet, mit der er vier Kinder hat, das weiß man immerhin. Er war mit der Schauspielerin Sonia Braga liiert und heiratete 2009 die Deutsche Sibylle Szaggars. Bei alledem gilt er als cleverer Geschäftsmann: Für "Jenseits von Afrika" (1985) bekam er 6,5 Millionen Dollar Gage und ließ sich zehn Prozent Gewinnbeteiligung zusichern. Die Produktion spielte 250 Millionen Dollar ein.

Redford berührt das Herz

Redford hat das einzigartige Talent, in seinen Filmen von einer höheren Ebene aus zu agieren. Er zwinkert dem Zuschauer stets zu: Ich spiele ja nur, scheint er zu sagen, meine Rolle ist bloß Symbol für Erlebnisse und Gefühle, die du so oder so ähnlich auch kennst. So schafft er es, dass man selbst den millardenschweren Gentleman-Sünder John Gage, der Demi Moore ein "Unmoralisches Angebot" macht, nicht unsympathisch findet. Ganz im Gegenteil.

Man fühlt sich irgendwie sicher bei ihm, weil man ahnt, dass gut ist, was er macht. Wenn man aus seinen Filmen kommt, zuletzt aus "Der Moment der Wahrheit" (2015), hat man das Gefühl, man könne nun tatsächlich gemeinsam losziehen und lauter richtige Dinge für die Welt tun. Redford strahlt etwas aus, das das Herz berührt, ohne den Kopf zu übergehen. Er ist aufrichtig. Seine Botschaft lautet: Die Revolutionäre dieser Tage sind eigentlich konservativ, weil sie viel mehr zu verteidigen als zu erobern haben.

Herzlichen Glückwunsch!

Quelle: RP
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