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Insel Mainau
Umstrittener Naturfreund: Graf Bernadotte ist tot

Insel Mainau: Umstrittener Naturfreund: Graf Bernadotte ist tot
Bei seiner Geburtstagsfeier: Graf Lennart Bernadotte mit seiner Frau Gräfin Sonja. FOTO: AP, AP
Mainau (rpo). Er erschuf auf der Insel Mainau ein Blumen- und Pflanzenparadies, jetzt ist der umstrittene Naturfreund gestorben: Graf Lennart Bernadotte. 95 Jahre wurde der Graf, welcher 70 Jahre seines Lebens der Insel im Bodensee gewidmet hat. Auf ihr verstarb der Adelige kurz vor Weihnachten.    

Graf Lennart Bernadotte starb am Dienstagabend im Kreis seiner Familie, wie die Geschäftsleitung der Mainau GmbH mitteilte. Er schlief im Schloss der Bodensee-Insel friedlich ein.

Das 45 Hektar große Eiland mit dem weltbekannten südlichen Flair wurde zum Publikumsmagneten und zieht inzwischen pro Jahr mehr als eine Million Besucher an.

"Die Familie ist zutiefst betroffen und gleichzeitig dankbar, dass sie ihren Patriarchen so lange mit sich haben durfte", erklärte die Mainau GmbH. Erst vor wenigen Monaten hatte der Graf seinen 95. Geburtstag gefeiert; zu den Gratulanten zählten auch der schwedische König Carl XVI Gustaf - Bernadottes Neffe - und Königin Silvia. "Die Erinnerung an ihn wird weiterleben in seinem Lebenswerk auf Mainau, wo er ein botanisches und kulturelles Reiseziel schuf", schrieb das schwedische Königshaus jetzt nach Bernadottes Tod.

Lebensweg des Grafen

Graf Bernadotte wurde 1909 als Enkel König Gustafs V. von Schweden in Stockholm geboren. Seine Eltern, Prinz Wilhelm und Großfürstin Maria Pawlowna von Russland, ließen sich scheiden, als er fünf Jahre alt war. Deshalb zog ihn weitgehend seine Großmutter Königin Victoria auf. Als er 1932 eine Bürgerliche, die Fabrikantentochter Karin Nissvandt, heiratete, musste er für sich und seine Nachkommen auf das Erbfolgerecht sowie Titel und Namen verzichten. Seitdem führte er den Familiennamen Bernadotte. Zur Hochzeit erhielt er die 1647 im 30-jährigen Krieg von den Schweden eroberte Insel Mainau als Geschenk.

Vom Königshof verstoßen, baute sich Bernadotte auf der völlig verwilderten Insel eine neue Existenz auf. Er sah sich fortan als "Gärtner um des Menschen willen" und verwandelte Mainau in ein Meer voller Blumen und exotischer Pflanzen. Ein Teil der Insel wurde für Besucher geöffnet. Daneben widmete sich Bernadotte schon früh dem Umweltschutz und der Landschaftspflege.

Während der Nazi-Zeit ging er zurück nach Schweden. Dort schlug er sich mit den verschiedensten Arbeiten durch. Er gründete unter anderem eine Produktionsfirma für Filme, die sogar einen Oscar gewann. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er auf die Bodensee-Insel zurück und setzte sein Engagement für das Gartenparadies fort.

1955 übernahm Bernadotte das Amt des Präsidenten der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft und rief den Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" ins Leben. Bereits 1951 hatte er eine jährliche Tagung der Nobelpreisträger für Medizin, Physik und Chemie in Lindau ins Leben gerufen. Und seit 1957 finden jährlich die "Mainauer Gespräche" mit Wissenschaftlern, Politikern und Medienvertretern statt, bei denen über Fragen des Umweltschutzes diskutiert wird. Diese Runde stellte 1961 in der "Grünen Charta der Mainau" Regeln für den Umgang mit der Natur auf.

Neun Kinder aus zwei Ehen

Allerdings wurde Bernadotte wegen der starken Vermarktung der "Blumeninsel" auch immer wieder selbst von Umweltschützern kritisiert. Auf Mainau sind ganzjährig 155 und in der Blumensaison von April bis September 350 Mitarbeiter beschäftigt. Der Graf selbst hatte sich in den 80er Jahren aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, um sich unter anderem seinem Hobby, der Makrofotografie, widmen zu können.

1972 sorgte Bernadotte wegen der Heirat mit seiner 35 Jahre jüngeren Assistentin Sonja für Schlagzeilen in den bunten Blättern. Seine Ehe mit Karin Nissvandt, aus der vier Kinder hervorgingen, war 1970 geschieden worden. Mit Gräfin Sonja - 1951 hatte der nach Aberkennung seiner Adelstitel bis dahin bürgerliche Bernadotte von der Großherzogin von Luxemburg einen Grafentitel erhalten - hat er fünf Kinder. Die älteste Tochter Bettina wurde an ihrem 30. Geburtstag am 12. März 2004 zur Erbin der "Blumeninsel" ernannt. Sie soll bis 2007 die Geschäftsführung der Mainau GmbH übernehmen, die zurzeit noch Gräfin Sonja innehat.

(ap)
 
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