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Rüsselsheim
Lkw-Fahrer wendet auf A 67 - drei Tote

Fotos: Drei Tote bei Unfall mit Falschfahrer auf A67
Fotos: Drei Tote bei Unfall mit Falschfahrer auf A67 FOTO: dpa, sebastian stenzel nic
Rüsselsheim. Weil er mutmaßlich an einem Stauende nicht warten wollte, drehte der 34 Jahre alte Fahrer eines Kleinlasters und raste zurück. Kurz darauf kollidierte sein Fahrzeug mit zwei Pkw. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte ein Polizist. Von Christian Rupp

Eine fatale Entscheidung, die drei Menschen das Leben kostet: Als ein Lkw-Fahrer auf der Autobahn vor sich einen Stau sieht, beschließt er zu wenden. Entgegen der Fahrtrichtung rast der 34-Jährige auf der linken Spur mit seinem Kleinlastwagen zurück. Nur ein kurzes Stück. Dann rammt er zwei Autos. Deren Insassen sind an diesem Samstagabend völlig ahnungslos auf der Autobahn 67 bei Rüsselsheim nicht weit vom Frankfurter Flughafen unterwegs. Drei Menschen sterben, fünf werden verletzt. Unter ihnen ist auch der Falschfahrer.

Der Kleinlastwagen überschlägt sich, der 34 Jahre alte Fahrer aus Polen wird eingeklemmt. Schwer verletzt wird er von Helfern aus dem Wrack geschnitten und in eine Klinik gebracht. Für die drei Insassen des ersten Wagens - ein 53 Jahre alter Mann und zwei 51 und 20 Jahre alte Frauen aus den Niederlanden - kommt hingegen jede Hilfe zu spät. Sie sterben nach Angaben der Polizei in Darmstadt noch am Unfallort. Ob es sich um eine Familie handelt, war unklar. Die vier Frauen aus dem zweiten Auto werden leicht verletzt. Auch sie waren wie die Niederländer auf der korrekten Fahrspur unterwegs gewesen.

"Es passiert manchmal, dass Autofahrer in Stausituationen mit Warnblinkanlage und auf dem Standstreifen rückwärts fahren. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt", sagt ein Polizeisprecher. Erst vor gut zwei Wochen hatten mehrere Autofahrer im Stau auf der A1 bei Köln die Autobahn über eine Auffahrt verlassen - also entgegen der Fahrtrichtung. Dabei wurden sie von einer Pkw-Fahrerin gefilmt. Die Polizei eröffnete in 13 Fällen Strafverfahren. Im August hatten bei Oldenburg auf der A29 mehrere Auto- und Lastwagenfahrer nach einem Unfall in der Rettungsgasse gewendet und waren ebenfalls entgegen der Fahrtrichtung über eine Ausfahrt abgefahren. In beiden Fällen wurden zum Glück Menschen weder verletzt noch getötet.

Die Autobahn zwischen dem Rüsselsheimer Dreieck und dem Mönchhof-Dreieck glich hingegen einem Trümmerfeld. Die Fahrerkabine des 3,5-Tonners war eingedrückt. Das Dach des einen Autos war zerfetzt, von dem anderen war nur noch das Heck erkennbar. Wegen der Aufräum- und Bergungsarbeiten sperrte die Polizei die Strecke in Richtung Norden bis etwa 4 Uhr morgens. Der Sachschaden: mehrere zehntausend Euro.

Wieso der Lkw-Fahrer wendete, war zunächst völlig unklar. Wegen seiner schweren Verletzungen konnte er nach Angaben der Autobahnpolizei bis zum Sonntag nicht vernommen werden. Wollte der Mann den Stau eigentlich umfahren? War ihm die Brisanz seines Manövers überhaupt bewusst? Darauf haben die Ermittler noch keine Antworten. Denn auch ein Irrtum oder ein Fahrfehler kann nicht ausgeschlossen werden. Laut ADAC sind auf kurzen Autobahnabschnitten und Zubringern mit vielen Zu- und Abfahrten die meisten Falschfahrer unterwegs - weil es dort schwieriger ist, sich zu orientieren.

Nach Einschätzung eines Polizeisprechers war dem 34-Jährigen möglicherweise aber bewusst, was er tat. Denn die A67 gilt an der Unfallstelle als ein Nadelöhr im Rhein-Main-Gebiet. Staus zu umfahren, ist dort wegen der Dichte des Verkehrsnetzes durchaus möglich - ob dieser Versuch nun juristisch als Tötungsdelikt zu bewerten ist, entscheidet die Staatsanwaltschaft.

(dpa)
 
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