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Autobahn 7
Löste Gerüst den Brückeneinsturz aus?

Düsseldorf. Nach dem tödlichen Einsturz einer neuen Talbrücke der A 7 in Bayern hat die Suche nach der Unglücksursache begonnen. Pfusch am Bau wird bislang noch ausgeschlossen. In NRW werden derzeit fünf Brücken neu gebaut. Von Christian Schwerdtfeger

Die Unglücksstelle gleicht einem Tatort. Um rekonstruieren zu können, wieso Teile der Autobahnbrücke der A 7 über das Schraudenbachtal in Unterfranken eingestürzt sind, hat die Polizei den Bereich weiträumig abgesperrt. "Es darf nichts verändert werden", sagt eine Polizeisprecherin. "Wir haben alles sichergestellt, damit nichts beiseite geräumt werden kann", ergänzt sie. Die Ermittler rechnen nicht mehr damit, noch Menschen unter den Trümmern zu finden, weil niemand mehr vermisst werde. "Es geht eigentlich nur noch darum zu klären, wie das passieren konnte", betont die Sprecherin.

Ein Bauarbeiter, ein 38 Jahre alter Kroate, war bei dem Brückenteileinsturz vorgestern ums Leben gekommen. Zudem wurden laut bayerischem Innenministerium 15 Menschen zum Teil schwer verletzt.

Noch ist die Ursache für den Unfall nicht geklärt. Fest steht bislang, dass ein frisch betoniertes, 40 Meter langes Bauteil der neuen Brücke, die seit 2015 errichtet wird, plötzlich in die Tiefe gestürzt war. Dass möglicherweise Pfusch am Bau das Unglück verursacht haben könnte, schließen Experten bislang aus. Das betroffene Bauunternehmen gehöre zu den besten in Deutschland, das die Vorschriften zur Arbeitssicherheit genau einhält, hieß es bei der Gewerkschaft IG Bauen. Als wahrscheinlichsten Auslöser vermuten Experten bislang Mängel im Baugrund oder Fehler am Gerüst. Bayerns Staatssekretär Gerhard Eck sagte, dass das Unglück noch keine Auswirkungen für andere Baustellen habe. Man dürfe jetzt keine Unsicherheit verbreiten, sagte er. Stattdessen müsse man sorgsam aufarbeiten, was genau passiert sei. "Wenn's denn dann Fehler waren, menschliche Fehler, technische Fehler, dann muss das einfach bis ins feinste Detail geklärt sein", sagte er. Erst dann könne man über mögliche Konsequenzen sprechen. Die betroffene Brücke in Werneck ist eine Balkenbrücke - gespannt über eine Länge von etwa 240 Metern und einzelnen Regelstützweiten von 42 Metern. Eine solche Konstruktion wird gewählt, wenn ein großes Tal oder ein breiter Fluss überquert werden muss und man keine Pfeiler setzen kann.

Kann so ein Unglück auch in Nordrhein-Westfalen passieren? Nein, sagt Frank Löchter vom Landesbetrieb Straßenbau NRW. Die Behörde ist unter anderem zuständig für die Sanierungen und Neubauten der Brücken in NRW. Derzeit gebe es, sagt Löchter, landesweit fünf Brückenneubauten - unter anderem an der A 1, der A 45 und der A 46. "Wir bauen die Brücken anders als in Bayern. Wir nehmen Fertigbetonteile. Bei dem eingestürzten Teil in Bayern wurde Beton frisch gegossen", erklärt Löchter. In NRW sind 237 Straßenbrücken marode und müssen in den nächsten Jahrzehnten neu gebaut oder aufwendig saniert werden. Besonders betroffen sind Überquerungen rund um Köln, Bonn, dem Ruhrgebiet sowie Bauwerke entlang der Sauerlandlinie A 45 und der A 33 bei Bad Oeynhausen. Die beiden größten und teuersten Brückenneubauprojekte in den nächsten Jahren gibt es in Leverkusen/Köln und Duisburg, wo neue Überquerungen über den Rhein errichtet werden müssen. Gründe für den Verschleiß sind die Dauerbelastungen durch Sattelschlepper. So hat sich seit 1980 die Gütertransportleistung auf der Straße verfünffacht und soll noch weiter steigen.

Generell sind Brückeneinstürze in Deutschland sehr selten. Zuletzt krachte 2002 in der Oberpfalz ein 30 Meter langer Brückenneubau zusammen. Die Tragkonstruktion der Brückenschalung hatte damals nachgegeben.

Quelle: RP
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