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Fuckoffee in London
Was ist denn nur in die Briten gefahren?

London. Im Süd-Londoner Stadtteil Bermondsey gibt es derzeit etwas Ärger. Das Cafe "Fuckoffee" soll seinen Namen ändern. Aber warum eigentlich? Haben die Engländer etwas keinen Humor mehr? Bei Twitter regt sich Widerstand. Aber wohl vergeblich. Von Jochen Wittmann

Im Englischen ist der Ausdruck "Fuck off" eine ziemlich derbe Vokabel, die in Familienzeitungen mit Platzhaltersternchen gedruckt wird und die man im Deutschen wohl am besten mit der Wendung "leck mich..." wiedergeben könnte. Jetzt kommt ein Londoner Café in die Bredouille, weil es sich ein Wortspiel erlaubte und besagten Ausdruck mit dem englischen Wort für Kaffee kombinierte. "Fuckoffee" nannte sich ein Etablissement im südlondoner Stadtteil Bermondsey, und das schon seit einem Jahr. Die Firmierung hatte nachweislich keinen nachteiligen Einfluss auf das geschäftliche Wohlergehen: Der Laden lief.

Obwohl den Kunden der anzügliche Name eher gefiel, als dass er sie schockiert hätte, ist "Fuckoffee" jetzt in Schwierigkeiten. Denn das Ladenlokal ist gepachtet, und der Eigentümer nahm Anstoß. Die Betreiber von "Fuckoffee" bekamen einen Brief von den Anwälten des Besitzers. "Sie haben", hieß es in dem Schreiben, "ein anstößiges Schild an der Außenseite des Gebäudes angebracht ohne die Erlaubnis unseres Klienten, und dies erfüllt den Strafbestand des Hausfriedensbruchs". Innerhalb von sieben Tagen, forderten die Anwälte, müsse das Schild verschwinden. Andernfalls drohe die Kündigung des Pachtvertrages.

Die Leute vom Café wollten sich das nicht gefallen lassen. Unter der ironischen Überschrift "Kein Humor bitte, wir sind britisch" veröffentlichte man den Brief auf der Internetseite Twitter und löste damit eine solidarischen Sturm der Entrüstung aus. "Nur Idioten nehmen Anstoß", lautet ein typischer Kommentar, oder "Je suis Fuckoffee" ein anderer. Stammkunden bestätigten ausdrücklich, dass der Name ihre Gefühle nicht verletzen würde. Auch ein Mitglied des Stadtrats von Bermondsey sah in dem Streit nur "einen Sturm im Kaffeglas" und freute sich auf seinen nächsten Besuch in dem Laden. "Kreative Kraftausdrücke", argumentierte Sophie Wilkinson im Stadtmagazin "Time Out", "sind ein sehr britischer Zeitvertreib", man möge sich doch bitte erinnern, dass man in London lebe und da seien phallische Wolkenkratzer ein viel anstößigere Demonstration von "fuck off" als ein kleines Café.

Ein Fan des Coffeeshops startete eine Unterschriftensammlung auf der Plattform "Change.org" unter der Überschrift: "Wir wollen die Rückkehr des Humors nach Großbritannien". Nur einige wenige "analfixierte und dämliche Leute", hieß es in der Petition, hätten sich über den Namen beschwert, jetzt ginge es darum, möglichst breite Unterstützung zu mobilisieren. Die Unterzeichner "bestätigen, dass wir einen Sinn für Humor haben, und begreifen den Angriff auf unser geliebtes Fuckoffee als eine Beleidigung unserer Meinungs- und Redefreiheit".

Viel genutzt hat es leider nicht. Zum einen kamen nur etwas mehr als 200 Unterschriften zusammen. Und zum anderen gab Adrian Jones, der Manager von Fuckoffee, bekannt, dass sein Anwalt ihm eröffnet habe, in einem Rechtsstreit keine Chance zu haben. Man wird wohl einlenken müssen.

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