Technofans feiern am Samstag: Love Parade: Berlin erwartet 1,5 Millionen Fans
zuletzt aktualisiert: 03.07.2000 - 15:23Berlin (dpa). Der Globus tanzt. Die Berliner Love Parade, in ihrem zwölften Jahr die weltweit größte Techno-Party, wird von Gründungsvater DJ Dr. Motte jetzt in alle Welt exportiert. "Spätestens 2002 wird die Love Parade auf fünf Kontinenten stattfinden, da bin ich mir sicher", sagt Love Parade-Sprecher Enric Nitzsche.
"Es gibt bereits Anfragen aus Chicago, Sydney, Hongkong, Kapstadt, Moskau, Mexiko-City, Toronto, Kopenhagen, Stockholm, Warschau und Madrid."
Bereits in diesem Jahr steigen erstmals vier Love Parades. Unter dem Motto "One World, one Love Parade" werden zur Berliner Parade am kommenden Samstag (8. Juli) erneut rund 1,5 Millionen Raver erwartet. Zeitgleich wollen 100 000 Technofans durch das britische Leeds ziehen und für Respekt, Toleranz und Liebe demonstrieren. Bereits am vergangenen Wochenende tanzten bei der ersten Wiener Love Parade Zehntausende von Jugendlichen. Am 19. Oktober 2000 folgen die Raver von Tel Aviv, im Jahr darauf soll es die erste Love Parade in Buenos Aires geben.
Auch 15 Jahre nach der Entstehung der Techno-Bewegung in Deutschland scheint kein Ende der Lust an schnellen Beats in Sicht. "Die Techno-Kultur ist eine weltweite Kultur", sagt Parade-Macher Ralf Regitz. "Toleranz und der Versuch, mit Spaß die Zukunft zu gestalten sind der gemeinsame Nenner der Techno-Generation." Jeder zehnte Jugendliche zwischen 14 und 29 Jahren komme mittlerweile zur Love Parade. Tendenz steigend: "Die Hälfte der Leute kommt immer zum ersten Mal."
Deutschlands Techno-Hauptstädte seien nach wie vor Frankfurt am Main und Berlin, sagt Regitz. Doch auch außerhalb der Metropolen boomen Techno- und House-Veranstaltungen. "In jedem größeren brandenburgischen Dorf gibt es regelmäßig Techno-Partys." Enormes Interesse an der schnellen, oft ganz ohne Melodie auskommenden Musik gebe es vor allem in den skandinavischen und osteuropäischen Ländern. In den USA dagegen sei Techno vor allem in der Underground-Szene verbreitet.
Vertreter der weltweiten Techno-Szene sind auch bei der Berliner Love Parade dabei. Die 50 Lautsprecher-Trucks kommen aus Deutschland, Israel, Russland, Italien, Argentinien, Holland, Ungarn, Belgien, Österreich und den USA. 250 DJs sorgen für den richtigen Sound auf der sechs Kilometer langen Strecke durch den Tiergarten.
Pünktlich um 14.00 Uhr soll der Zug zeitgleich am Brandenburger Tor und am Ernst-Reuter-Platz starten und über die Straße des 17. Juni ziehen. Bei der Abschlusskundgebung an der Siegessäule legt ab 19.00 Uhr dann die Creme der internationalen Szene auf, darunter Paul van Dyk, Marusha, Westbam, Sven Väth, Marc Spoon und Carl Cox. Dr. Motto, der die Love Parade 1989 gründete, wird eine kurze Ansprache an das Ravervolk halten. Nach der Parade der Paraden gibt es wieder mehr als 100 nächtliche Partys in den Clubs der Stadt.
Unter dem Motto "Back to the roots" haben dieses Jahr ausschließlich DJs, Clubs und Plattenlabels der Technoszene die Genehmigung für einen Wagen erhalten. Die in den Vorjahren vertretene Junge Union wird ebenso wenig dabei sein wie die Republikanische Jugend. Liebhaber von Techno der härteren Gangart und Verächter des Love Parade-Kommerzes kommen erneut bei der parallel laufenden Fuck Parade auf ihre Kosten.
Streit gab es auch dieses Mal wieder um den Müll und die Versorgung der Massen. Eine Bürgerinitative wollte den Umzug sogar mit einer Klage verhindern, zog letztlich aber doch nicht vor Gericht. Für die dringendsten Bedürfnisse der Raver werden jetzt 400 Toilettenhäuschen aufgestellt. Dr. Motto ruft das Partyvolk außerdem auf, den Tiergarten, den größten innerstädtischen Park Berlins, zu schonen: "Jede einzelne Pflanze im Tiergarten ist ein Lebewesen", sagt er.
Eine Änderung gibt es in diesem Jahr für die mit dem Zug anreisenden Love Parade-Teilnehmer. Um Tumulte vor allem auf dem Bahnhof Zoo zu verhindern, enden die Sonderzüge schon am Stadtrand. Von dort bringt die S-Bahn die Raver zur Paradestrecke in die Innenstadt.
Wieder "Schlagergedenkmarsch" am Tag vor der Love Parade
Unter dem Motto "Beiß nicht gleich in jeden Apfel" veranstalten die Anhänger des deutschen Schlagers an diesem Freitag - am Vortag der diesjährigen Love Parade in Berlin - wieder einen "Schlagergedenkmarsch 2000". "Die haben Dr. Motte und Gotthilf Fischer - wir haben Dr. Matte und Gotthilf Gemüse", betonten die Veranstalter am Montag dazu in ihrer Ankündigung.
Das Motto des diesjährigen Schlagermarsches sei dem "Erhalt von jungem Gemüse" gewidmet und stelle sich angesichts von genmanipuliertem Gemüse unter anderem die Frage: "Passt der Maiskolben überhaupt in meine Garage?"
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