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Mailand
Amoklauf an Mailänder Gericht

Mailand: Plötzlich zieht der Angeklagte eine Waffe und schießt
FOTO: ap, AP
Mailand. Es ist ein Routine-Prozess. Plötzlich zieht der Angeklagte eine Waffe. Mindestens drei Menschen sterben nach Schüssen in einem Gericht in Mailand, mehrere werden verletzt. Über den Täter ist nur wenig bekannt.

Vor dem Gerichtsgebäude im Mailänder Stadtzentrum herrscht Panik. Hunderte Personen rennen aus dem Gericht nach draußen. Schwer bewaffnete Polizisten sichern den Eingang und die Zufahrtswege ab, Rettungswagen fahren vor, Sirenen heulen auf. Bei einer Schießerei in einem Gerichtssaal im Inneren des Gebäudes sind ersten Erkenntnissen zufolge mindestens drei Menschen getötet worden. Zwei Menschen seien durch Schüsse ums Leben gekommen, ein weiteres Opfer sei tot in dem Gerichtsgebäude gefunden worden, teilen die Rettungskräfte mit. Der mutmaßliche Täter, Angeklagter in einem Insolvenzprozess, wird von der Polizei festgenommen, wie Innenminister Angelino Alfano später via Twitter mitteilte.

Bei der Bluttat wurden zudem zwei Menschen schwer verletzt, mehrere weitere leicht, teilten die Behörden mit. Laut der Nachrichtenagentur Ansa erlag einer der beiden Schwerverletzten wenig später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür aber zunächst nicht. Laut der Agentur Ansa sind unter den Toten ein Richter, der mit vier Schüssen niedergestreckt wurde und auf der Stelle tot war, und ein Anwalt, der den mutmaßlichen Amokläufer früher einmal vertreten haben soll. An diesem Tag war er als Zeuge für das Verfahren geladen gewesen.

Bei dem Täter soll es sich um einen 57 Jahre alten Mann handeln, der der Ansa zufolge in einem Insolvenzverfahren wegen betrügerischen Bankrotts angeklagt war. Er soll in den vergangenen Monaten erhebliche finanzielle Probleme gehabt haben. Über sein Motiv wurde zunächst nichts bekannt. Auch die Frage, wie der Mann an die Waffe kam, war zunächst offen. Der Mann, förmlich gekleidet in Anzug und mit Krawatte, versteckte sich nach den Schüssen in dem Gerichtsgebäude und flüchtete dann auf einem Motorroller, bis die Polizei ihn stoppen und festnehmen konnte. Zwischen den ersten Schüssen und der Festnahme in einem Mailänder Vorort vergingen etwa 75 Minuten. Der Mann hatte Waffen bei sich und war laut Angaben des Innenministeriums auch während seiner Flucht bereit, weitere Menschen zu töten. Bei der Festnahme habe er gesagt: "Ich wollte mich an denjenigen rächen, die mich ruiniert haben." Er ging wohl mit einer Immobilienfirma bankrott, an deren Anteilen er die Mehrheit hielt.

Aufzeichnungen der Video-Überwachung zeigen, wie der 57-jährige Verdächtige das Gerichtsgebäude durch einen Seiteneingang betritt, der Richtern, Anwälten und Berichterstattern vorbehalten ist. Das Gerichtsgebäude wurde evakuiert. Mehrere Zeugen berichteten von vier bis fünf Schüssen in einem Gerichtssaal. Laut Informationen der Zeitung "Corriere della Sera" sollen 13 Schüsse gefallen sein. Ein vor Ort anwesender Anwalt sagte der Ansa, er habe sich gemeinsam mit anderen Menschen in einem Gerichtssaal eingeschlossen, nachdem sie die Schüsse gehört hätten. Andere Zeugen berichteten, sie hätten sich unter ihren Schreibtischen versteckt.

Der 57-Jährige wurde gestern am Nachmittag verhört, erlitt danach aber einen Schwächeanfall und wurde unter Polizeibewachung zur Beobachtung in ein Krankenhaus gebracht.

(csh/dpa)
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