Kredit verweigert: Mann erschießt neun Menschen in Beirut
zuletzt aktualisiert: 31.07.2002 - 16:34Beirut (rpo). Ein verärgerter Angestellter des libanesischen Erziehungsministeriums hat am Mittwoch in einem Büro der Behörde in Beirut ein Blutbad angerichtet.
Er eröffnete das Feuer und erschoss nach Polizeiangaben neun Menschen. Fünf weitere wurden verletzt, bevor der Mann festgenommen wurde. Der Beiruter Polizeichef Walid Koleilat nannte einen Geldstreit als Motiv für die Tat.
Der Mann schritt die Büros des Finanzfonds für Lehrer nach Angaben Koleilats systematisch ab. Der Fonds regelt Gehaltserhöhungen, Bounuszahlungen und Kredite für Lehrer. Erziehungsminister Abdul Rahim Murad erklärte, der Täter sei verärgert darüber gewesen, dass der Fonds die Rückzahlung eines Kredits in Höhe von 18 Millionen Pfund gefordert habe.
Kollegen berichteten, der Täter habe zwei Pistolen und eine Kalaschnikow bei sich getragen. Der 43-Jährige habe seit 23 Jahren bei der Behörde gearbeitet. Unter den Toten war auch die Leiterin des Fonds, der in der Nähe des Fachbereichs Literatur der Universität seine Büros hat.
Ein Zeuge erklärte, als dem Täter die Munition ausgegangen sei, habe er die Waffen fallen lassen, sei die Treppe hinabgegangen und habe eine Zigarette angezündet. Dann sei die Polizei eingetroffen, die ihn festgenommen habe. Polizeichef Koleilat sagte, der Mann habe zunächst versucht, sich unter eine Menschenmenge zu mischen, habe dann aber fliehen wollen. Spekulationen über ein mögliches politisches Motiv wies er zurück.
Ein Angehöriger eines der Opfer wies aber darauf hin, dass es sich bei dem Täter um einen Muslimen gehandelt habe, während die Opfer Christen gewesen seien. Die Polizei riegelte den Tatort weiträumig ab.
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