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Aufregung um Tattoo-Foto
Mann lässt sich KZ-Nummer seiner Oma tätowieren

Mann lässt sich KZ-Nummer seiner Oma auf Unterarm tätowieren
Das linke Foto zeigt den Arm der verstorbenen Großmutter, das rechte Bild den Arm des Cousins von Nadine Schnoor. FOTO: Screenshot Twitter / Nadine Schnoor
Düsseldorf. Das Foto eines tätowierten Unterarms wird gerade tausendfach bei Twitter geteilt: Ein junger Mann hat sich die KZ-Nummer seiner verstorbenen Großmutter stechen lassen. 

Als ihr Cousin Nadine Schnoor am Sonntag per Facebook schrieb, dass er sich aus Liebe zu seiner kürzlich verstorbenen Großmutter eine KZ-Nummer auf den Arm hatte tätowieren lassen, war die Hamburgerin den Tränen nahe. "Das war eine großartige Geste", sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. "Ich war total berührt. Er hat damit ein deutliches Zeichen gegen die Schrecken der NS-Zeit gesetzt. Deshalb habe ich das Foto dann auch bei Twitter geteilt. Doch mit dem, was dann kam, hatte ich überhaupt nicht gerechnet."

Die Fotomontage, die nebeneinander die Tätowierungen an den Armen ihres Cousins und seiner Großmutter zeigt, verbreitete sich massenhaft in dem Sozialen Netzwerk. Die Hamburgerin überschrieb es mit dem Slogan "Gegen das Vergessen" - ein starkes Statement gegen den NS-Terror.  Das sahen offenbar auch viele Twitter-Nutzer so: Der Tweet wurde über 1000 Mal geteilt und bekam innerhalb von 19 Stunden über 3000 Likes. "Ich dachte, mein Account explodiert", sagt Schnoor. "Es ist schon Wahnsinn, wie sich das hier verbreitet hat."

Die Geschichte hinter dem Foto ist sehr persönlich. Deshalb wollte Schnoor auch nicht für ihren Verwandten sprechen. Ihr Cousin selbst müsse erst noch einmal genau darüber nachdenken, ob er sich dazu öffentlich äußern wolle, sagt die Hamburgerin. Der Großteil von Schnoors Familie lebt in Israel - auch ihr Cousin. Seine Großmutter sei in Auschwitz interniert gewesen - eine Zeit, die sie fürs Leben geprägt habe. "Vor kurzem ist sie gestorben. Und da sie im Leben ihres Enkels eine große Rolle gespielt hat, hat der sich eben zu diesem Schritt entschlossen."

Sie sei stolz auf  ihren Cousin, sagt Schnoor. Auch deshalb habe sie das Bild bei Twitter gepostet - vor allem in Anbetracht dessen, dass heute in Israel der Holocaust-Gedenktag begangen werde. Der Erfolg ihres Posts gebe ihr Recht. Die meisten Reaktionen seien sehr positiv. "Es gibt aber natürlich auch einige negative Stimmen", erzählt die Hamburgerin. "Die werfen mir vor, mich über die NS-Zeit profilieren zu wollen. Außerdem gibt es auch viel Kritik an Israel. Aber das perlt an mir ab."

(th)